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Zukunft des Fensterbaus Warum geklebte Fenster die besseren Fenster sind

Gütegesicherte Klebetechnik – Mehrwert für den Fensterbau: So lautete der Titel eines Webinars, zu dem die Gütegemeinschaft Kunststoff-Fensterprofilsysteme eine hochkarätige Expertenrunde eingeladen hatte. Der am Kleben interessierte Fensterbauer kam voll auf seine Kosten.

Wie hat sich die Klebetechnologie in den vergangenen Jahren weiterentwickelt? Wie profitieren Fensterbauer von der Technologie? Welchen Beitrag leisten Profilproduzenten, Klebstoffindustrie und Maschinenhersteller, damit sich die Kunden auf einfache, sichere Prozessabläufe und die Vorteile von geklebten Fenstern verlassen können? Um diese Fragen ging es in der Auftaktveranstaltung der neuen Webinar-Reihe TechnologieForumZukunft, zu der die Gütegemeinschaft Kunststoff-Fensterprofilsysteme (GKFP) Ende Februar geladen hatte. Das Thema: Gütegesicherte Klebetechnik – Mehrwert für den Fensterbau.

Das bessere Fenster

Die von GKFP-Geschäftsführer Gerald Feigenbutz geleitete Veranstaltung begann mit zwei Impulsvorträgen. Dr. Michael Szerman von Veka, Vorstand der Gütegemeinschaft, beleuchtete das Kleben aus der Sicht der Gütesicherung. Nach seinen Angaben hat die Nachfrage nach einbruchhemmenden Elementen dazu beigetragen, dass die Zahl der klebenden Fensterbauer zugenommen hat. Szerman begrüßt das. "Aus meiner Sicht und der Sicht der Gütegemeinschaft ist das geklebte Fenster das modernere und auch das bessere Fenster." Wie er weiter ausführte, sprechen sehr viele Gründe für die Einführung der Klebetechnik in der Fertigung – welche Fensterbauer nichtsdestoweniger gegen mögliche Nachteile abwägen sollten (siehe Grafik).

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Wer die Klebetechnik in der Fertigung implementieren will, sollte laut Szerman früh im Projekt alle beteiligten Parteien ins Boot holen – vom Systemhaus über den Klebstoffhersteller bis hin zum Glaslieferanten und Anlagenbauer. "Die Einführung der Klebetechnik ist ein komplexes Projekt mit vielen Abstimmungsprozesse", sagte Szerman. Worauf sich Fensterbauer aber verlassen können: Für das Kleben von Verglasungen steht eine zuverlässige Fertigungstechnik und ein breites Angebot an zugelassenen und gütegesicherten Profil- und Klebesystemen bereit. "Die RAL Gütesicherung stellt sicher, dass die eingesetzten Komponenten geklebter Verglasungen in Kunststofffenstern verträglich sind und alle Eigenschaften zur Dauergebrauchstauglichkeit aufweisen", sagte Szerman.

Fensterkonstruktionen mit Mehrwert

Das Unternehmen Internorm hat bereits seit fast 20 Jahren Erfahrung im Kleben. Wie Engelbert König, Leiter der Produktentwicklung, in seinem Vortrag erläuterte, habe sich der Fensterhersteller damals für die Technologie entschieden, um die Qualität der Elemente zu verbessern, um den Automationsgrad in der Fertigung zu erhöhen – und um innovative Fensterkonstruktionen umzusetzen. "Die Klebetechnik war dafür die Voraussetzung", sagte König.

Über die vergangenen zwei Jahrzehnte hat Internorm die Klebetechnik stetig weiterentwickelt. In der dritten Generation kommt eine Kombination von drei Klebesystemen zum Einsatz: ein Klebeband, ein 1K-Klebstoff und ein 2K-Klebstoff. Das Interessante: Bei der Vermarktung seiner Fenstersysteme geht das Unternehmen gar nicht auf die Klebetechnik selbst ein, es lässt das Ergebnis für sich sprechen. "Wir kommunizieren nicht die Klebetechnik, sondern die USPs, die erst durch die Klebetechnik möglich werden", sagte König. Beim Fenstersystem KF520 sei das komplett flächenbündige Design ohne sichtbaren Flügel außen zu nennen. Hinzu kommen schmale Rahmen für größere Glasflächen und somit mehr Lichteinfall.

Investitionsbereitschaft für Klebetechnik

Nach den Impulsvorträgen war die hochkarätig besetzte Expertenrunde gefragt. Vertreter aus dem Fensterbau, dem Maschinenbau, der Glasindustrie sowie von Klebstoff-/Klebebandherstellern und Systemhäusern erläuterten im Rahmen einer Podiumsdiskussion ihre Sicht auf das Kleben und beantworteten Publikumsfragen. GFF fasst die wichtigsten Statements zusammen.

Frank Lange, Geschäftsführer der Gütegemeinschaft Fenster, Fassaden und Haustüren sowie des Verbands Fenster + Fassade (VFF), zeichnete ein Stimmungsbild, wie die Klebetechnik in der Praxis angenommen wird. Nach intern erhobenen Daten beschäftigen sich 85 Prozent der Mitgliedsbetriebe mit der Klebetechnik und setzen diese auch – zumindest partiell – ein. Mehr als 40 Prozent zeigten sich offen, in veränderte Fertigungsabläufe zu investieren. Geht da noch mehr? "Aktuell ist der Marktdruck noch nicht vorhanden, so dass jeder für sich selbst entscheiden muss, ob es investitions- und marketingtechnisch Sinn macht, die Klebetechnik in der Fertigung zu implementieren", sagte Lange.

Das sagen die Fensterbauer

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"Alles, was wir kleben können, kleben wir." Das sagte Markus Lauber, der gemeinsam mit seinem Bruder Michael das Unternehmen Lauber Fensterbau in Singen am Bodensee führt. Im vergangenen Jahr hat das Gespann eine neue PVC-Halle in Betrieb genommen und dabei die Klebetechnik ganzheitlich in der Fertigung implementiert ( GFF berichtete). "Wir sind zum Schluss gekommen: Ohne Kleben geht es nicht", sagte Lauber. Zu den Vorteilen zählt er die höhere Produktqualität, die Umsetzung einbruchhemmender Elemente sowie filigraner Fenster mit schlanken Profilansichten – und den deutlichen Rückgang an Nachstellarbeiten.

Lauber: Ganzheitlich und vollautomatisch

Und so sieht die Umsetzung in der Fertigung aus: Schon am Bearbeitungszentrum ist eine vollautomatische Primer-Station integriert, die den Haftgrund für die spätere Verklebung von Scheibe und Profil vorbereitet – ein Aktivkohlefilter reinigt dabei die Luft von den Dämpfen. Auch das Verkleben selbst erfolgt vollautomatisch. Sobald der Verglasungsroboter das Isolierglas aus der Glassortieranlage entnommen und in den Flügel gesetzt hat, fährt das Element zur Klebestation, an welcher der Klebstoff aufgetragen wird.

Auch auf das Thema Scheibentausch ging Lauber ein. Sollte beim Kunden mal eine Scheibe zu Bruch gehen, lasse sich diese in ein paar Minuten tauschen. "Der Aufwand ist überschaubar", sagte Lauber.

Löffler: Fokus auf das Marketing

Sven – so heißt der Kleberoboter, der der Hauptdarsteller in einem Youtube-Video der Firma Löwe Fensterbau ist. Ähnlich wie Internorm, stellt das Unternehmen bei der Vermarktung seiner Hybrid-SV genannten Elemente nicht so sehr die Klebetechnik selbst in den Fokus, sondern den dadurch entstehenden Mehrwert für den Kunden. "Sven stellt sichere, verklebte, energieeffiziente und nachhaltige Fenster her", fasste Geschäftsführer Leo Löffler die Qualitätsmerkmale zusammen. Wie er erläuterte, seien im vergangenen Jahr 98,8 Prozent aller bei ihm gefertigten Flügel geklebt worden. Seit 2017 hatte sich das Unternehmen mit der Einführung der Klebetechnik befasst. Die Umsetzung erfolgte innerhalb von zwei Jahren.

Wie Löffler auf Nachfrage betonte, schlägt sich die Investition in die Klebetechnik nicht im Fensterpreis nieder. "Wir können preisgleich produzieren, weil wir im Gegenzug auf Stahl verzichten und auch die Flügel schmäler werden", sagte Löffler. Zudem verkürze sich die Produktionszeit. "Wir sind im Ablauf schneller und effektiver."

Das sagen die Systemgeber

Joachim Hauns ist Abteilungsleiter Engineering bei Aluplast und vertrat in der Expertenrunde die Systemgeber in der GKFP. Er sagte, das Thema Kleben habe in den vergangenen Jahren an Schwung gewonnen. Die Systemgeber hätten diesen Trend mit einem erweiterten Profilportfolio aufgegriffen. Beispielsweise gebe es Systeme am Markt, die Aussteifungen bereits im Profil integriert haben. "Unterschiedliche Systemhäuser gehen unterschiedliche Wege. Den Kunden steht ein breites Programm zur Verfügung, wie sie das Thema Kleben in der Praxis umsetzen können", sagte Hauns.

Das sagen die Klebeexperten

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Wie Andreas Dirksen, Business Development Manager Industry bei Sika Deutschland, betonte, stehen die Klebstoffhersteller den Verarbeitern mit Rat und Tat zur Seite, wenn es um die Einführung der Klebetechnik in der Fertigung geht. Das umfasse u.a. Fragen zum Klebstoff, zur Verträglichkeit der Komponenten und zur Anlagentechnik. "In der Projektphase sitzen wir mit den Systemgebern, Beschlagherstellern, Anlagenbauern und Verarbeitern an einem Tisch und schnüren ein Paket, das den Fensterbauer auch wirtschaftlich voranbringt", sagte Dirksen.

Auch bei der Umsetzung einbruchhemmender Elemente unterstützen die Klebeanbieter, z.B. durch Systemprüfungen gemeinsam mit Beschlag- und Profilherstellern. "Wer in der Produktion ohnehin klebt, kann ohne großen Aufwand auch Sicherheitsfenster herstellen", sagte Michael Merkle, Technical Service bei H.B. Fuller | Kömmerling. Die Verklebung stelle die umlaufende Glasanbindung sicher, welche nach DIN EN 1627 gefordert ist und ein Heraushebeln der Scheibe verhindert.

Verklotzung im geklebten System

Weitere für Verarbeiter interessante Punkte: Laut Günther Weinbacher, Schulungsleiter bei Otto-Chemie, lässt sich durch Kleben die Anzahl der Klötze verringern. "Man muss nur noch dort verklotzen, wo es Sinn macht – im Eckbereich zum Beispiel, wo die Beschläge sind, und wo es um die Eigenlastabtragung geht", sagte Weinbacher. Auch die Klötze müssen auf ihre Verträglichkeit mit dem Klebstoff geprüft werden.

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Peter Harendt, Leiter technisches Marketing bei Lohmann, ging auf die Besonderheiten von Klebebändern ein. Es handle es sich um fertig nutzbare Systeme, mit denen Profile auch vorab ausgerüstet werden können – die allerdings in Dicke und Breite vordefiniert sind. Üblich sei der Einsatz auf Position 1 als Überschlagsverklebung. "Hier stehen zugelassene und gütegesicherte Systeme zur Verfügung", sagte Harendt. Auf den Positionen 4 und 6 bietet sich die Überschlagsverklebung ebenfalls an – vollkommen neue Design könnten dadurch möglich sein.

Das sagt die Glasindustrie

Ralf Vornholt ist Vorsitzender der RAL Gütegemeinschaft Flachglas und Leiter technisches Marketing bei Saint-Gobain Glass Deutschland. Er erläuterte, dass das Glas bei geklebten Elementen nicht mehr nur ausfachende Funktion übernehme, sondern auch aussteifende Wirkung habe. "Glas und Rahmen funktionieren auf ganz andere Weise als bei herkömmlich geklotzten Systemen", sagte Vornholt. Nicht nur deswegen handle es sich bei geklebten Elementen um hochkomplexe Systeme.

Hinzu komme die gestiegene Materialvielfalt am Randverbund, die eine sehr genaue Prüfung des Systems erforderlich mache. "Ich halte es für absolut wichtig, die Kette der Gütesicherung lückenlos zu schließen, damit die Systeme zuverlässig und dauerhaft funktionieren", betonte Vornholt. Der Qualitätsanspruch gelte vom ersten Zulieferprodukt für das Teilsystem Isolierglas über das Profilsystem bis hin zum fertigen Fensterelement und dessen Montage.

Das sagen die Maschinenhersteller

Christian Denk ist Entwicklungsleiter bei Rotox und nahm die Position der Anlagenhersteller ein. "Ob besser manuell, halb- oder vollautomatisiert gefertigt wird, hängt von den Gegebenheiten im jeweiligen Betrieb ab", sagte Denk. Unabhängig davon, freue es ihn, wenn Verarbeiter mit Anfragen zu einem Klebeautomat auf ihn zukommen. "Das heißt, der Betrieb beabsichtigt, nahezu 100 Prozent seiner Elemente zu kleben, und beschäftigt sich intensiv mit der Materie."

Der Vorteil einer vollautomatischen Lösung sei die höhere Qualität: Die Kleberaupe lasse sich präzise gemäß den Verarbeitungsvorschriften der Systemgeber und Klebstofflieferanten auftragen. Unter Umständen spare man durch die exakte Dosierung sogar Materialkosten im Vergleich zur händischen Applikation. Komplett auf die manuelle Verklebung wird ein Betrieb laut Denk indes nicht verzichten können. Die Handapplikation oder Kartuschenverklebung sei gefragt bei Reparaturen, Verglasungen auf der Baustelle oder Elementen, bei denen keine automatisierte Verklebung möglich ist. Als Zwischenstufe vereinfachen teil- oder halbautomatische Anlagen das Handling beim Klebstoffauftrag in der Fertigung.

Den Live-Mitschnitt der Veranstaltung finden Sie im Mitgliederbereich auf www.gkfp.de . Und jetzt schon vormerken: Das nächste TechnologieForumZukunft findet am 30. September 2021 statt. Das Thema: moderne und nachhaltige Schweißverfahren.

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