Glas -

Entwicklungsphasen der deutschen Glasmalerei Einblick in eine wichtige Zeit für die deutsche Glaskunst

Kürzlich ist das Buch "Sakrale Glasmalerei der 1960er bis 1980er Jahre in Deutschland" von Kunsthistorikerin Ulrike Hoffmann-Goswin erschienen. Welchen Mehrwert Leser daraus ziehen, beschreibt Prof. Johannes Schreiter in seiner Rezension.

"Der renommierte Verlag Schnell & Steiner publizierte Anfang dieses Jahres ein gewichtiges Buch über eine der bedeutendsten Entwicklungsphasen der deutschen Glasmalerei", beginnt Prof. Johannes Schreiter seine Rezension über das Buch "Sakrale Glasmalerei der 1960er bis 1980er Jahre in Deutschland". Er beschreibt das Werk der Kunsthistorikerin Ulrike Hoffmann-Goswin wie folgt: Die Autorin Ulrike Hoffmann-Goswin hat darin die sakrale Glasmalerei der 1960er- bis 1980er-Jahre ausgelotet und fachkundig mit sprachlicher Genauigkeit erstaunliche, bisher unbeachtete Aspekte in den Blick genommen. Erstmals hat sie zudem den Einfluss französischer Kunstströmungen, architektonische Veränderungen, glastechnische Entwicklungen, Liturgiereformen beider Konfessionen und nicht zuletzt den soziologischen Wandel dieser Jahre als wesentliche Parameter für die Genese dieser Kunstsparte berücksichtigt.

Zunächst bietet die Autorin einen kurzen Überblick über die Anfänge der Glasmalerei, vom Kopffragment eines Heiligen aus dem 9. Jahrhundert über die berühmten Augsburger Prophetenfenster (zirka 1130) bis hin zu den Höhepunkten dieses Metiers in der Gotik. Die Notre-Dame-Kathedrale zu Chartres dient hierfür als Highlight. Farbtafeln begleiten den fundierten, mit zahlreichen Anmerkungen in den Fußnoten versehenen Text.

Neuartige Gliederung

Ein absolutes Novum ist die Gliederung der vorgestellten Werke nach theologischen Gesichtspunkten:

  1. das Christusbild mit den Themen Christus am Kreuz, Auferstehung, Christus Pantokrator
  2. die Offenbarung des Johannes mit Apokalypse-Darstellungen und dem himmlischen Jerusalem
  3. Engel, Heilige und moderne Märtyrer
Die weitere Gliederung erfolgt nach formal-ästhetischen Gesichtspunkten. Ein Sonderkapitel wird den Schriftfenstern (Sola scriptura) am Beispiel des Heidelberger Fensterstreits gewidmet. Wie für das 20. Jahrhundert signifikant, ist der abstrakten Glaskunst ein besonders umfangreiches Kapitel eingeräumt. Stellungnahmen und Zitate anderer Persönlichkeiten ergänzen und bereichern die tiefschürfenden Analysen der Autorin. Da werde auch ich hin und wieder mit Aussagen zitiert, an die ich mich kaum noch erinnere.

Überblick über technische Verfahren

Selbstverständlich verweist Hoffmann-Goswin ebenfalls auf neue technische Verfahren in der Glasmalerei, beispielsweise auf die Betonglas-Technik und ihre Genealogie, und bietet damit einen umfassenden Überblick. Ein Fenstertyp, der bei uns Künstlern in den Nachkriegsjahren wieder großen Zuspruch erfuhr, war die Grisaille, das sind Glasteppiche in Schwarz-Weiß und diversen Grautönen. Hoffmann-Goswin weist als Ursache dafür gesellschaftliche Bedingungen nach. Es handelt sich hier um das Wiederaufleben der Ordensregel Bernhard von Clairvaux, die den Zisterziensern, bis auf Goldtöne, keine farbigen Fenster erlaubte. Unter anderem in Weibern/Eifel und in St. Marien, Dortmund, habe ich jener wieder neu entdeckten Gattung leidenschaftlich zugesprochen.

Umfassendes Glossar

Abschließend fasst die Autorin sämtliche Ergebnisse schlüssig zusammen. Das Glossar mit seinem in der Fachliteratur bisher einzigartigen Umfang erläutert mittels zahlreicher Querverweise verständlich die im Text verwendeten Fachbegriffe. Auch das in dieser Komplexität bemerkenswerte Verzeichnis der herangezogenen Literatur ist als Nachschlagewerk von Bedeutung. Ich bin mir sicher, dass dieses einzigartige, höchst informative Buch zum Thema sakraler Glasmalerei in den 1960er- bis 1980er-Jahren sowohl für interessierte Laien als auch für Profis eine echte Fundgrube darstellt.

Das 368-seitige Werk der Kunsthistorikerin Ulrike Hoffmann-Goswin ist Ende Dezember 2018 im Schnell & Steiner Verlag erschienen. Das Buch mit der ISBN 978-3-7954-3379-6 erwerben Interessierte für 69 Euro.

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