Im Innovationsbogen in Augsburg hat Wicona Projektentwickler, Architekten und Metallbauer über Chancen und Herausforderungen der Immobilienwirtschaft informiert. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe 'Zukunft Bauen' referierten Experten über nachhaltiges Bauen, Nutzung und Umnutzung von Gebäuden sowie Klimafragen und Innovationen.

Zum Auftakt der Veranstaltung wies Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber in ihrem Grußwort darauf hin, dass der Innovationsbogen auf einem Areal errichtet wurde, mit dem die Kommune speziell die Ansiedlung von Wissenschaft und Gewerbe fördere.
Gebaut hat den Innovationsbogen der Augsburger Projektentwickler Walter Beteiligungen. Jetzt agiert das Unternehmen als Betreiber des Bürogebäudes. Vorstand Jürgen Kolper berichtete über die Ziele von Walter bei der Konzeption des Projekts sowie dessen Ausstattung für einen nachhaltigen Betrieb. So speist die Photovoltaikanlage auf dem Dach die Pumpen für die Kühltechnik im Gebäude. Das halbrunde Dach besteht aus einem Gründach mit intensiver Bepflanzung. "Wir haben nur einen Planeten, damit müssen wir verantwortungsvoll umgehen", sagte Kolper.
Er wies darauf hin, dass Nachhaltigkeit heute ein wichtiger Faktor bei der langfristigen Vermarktung von Immobilien sei. Auch Geldgeber wie Banken und Investoren legten darauf Wert.
Mit gezielten Maßnahmen fördert Walter Beteiligungen die nachhaltige Mobilität der Mieter in dem rund 15.000 Quadratmeter großen Bürogebäude. Die Immobilie verfügt über Ladesäulen für E-Autos sowie eine direkte Radfahrer-Zufahrt zur Tiefgarage.
Gebäudehülle aus Recycling-Aluminium

Wie sieht die Zukunft des Bauens aus?
Christian Bergmann von CBA Architekten sprach über systemisches Denken bei den künftigen Planung von Bauvorhaben. Fünf Leitlinien seien dabei wichtig, so Bergmann: Systemisches Denken, holistisches Entwerfen, kollaboratives Planen, paralleles Handeln sowie digitales Fabrizieren bzw. Herstellen. Er rief dazu auf, materielle und immaterielle Ressourcen zusammenzuführen. "Bauen stagniert, weil Suffizienz das Wachstum hemmt und Resilienz die Innovation bremst", sagte Bergmann.

Markus Reindl von Wicona stellte die CO2-Bilanz verschiedener Rahmenmaterialien vor anhand eines Fensters mit 3-fach Verglasung. Nachhaltigkeit sei heute eine Pflicht für Bauherren und Investoren, sonst drohten deren Investitionen zu stranden, sagte Reindl.
Jan Kertscher von Arup wies darauf hin, dass 80 Prozent des Gebäudebestandes im Jahr 2025 bereits heute gebaut seien. Rund 70 Prozent der Top-7-Büroimmobilien werden laut Kertscher 2030 stranden.
Prof. Klaus Sedlbauer von der TU München präsentierte den Anwesenden den Stand der Wissenschaft bei der Wirkung der Bauphysik auf den Menschen. Der Mensch müsse im Fokus stehen, dass sei bei jeder baulichen Maßnahme wichtig. Er sprach sich für einen Paradigmenwechsel hin zu integralem Komfort aus. Die Nutzeranforderungen spielen nach seinen Worten eine dominante Rolle für alle bautechnischen Lösungen. Zu den Eigenschaften von Fassaden gehöre künftig das Management von Energie, Licht und Luft.
Max Bauer von Transsolar Klimaengineering sprach über das Verhältnis von Hightech und Low impact. Er setzte die Erwartungen in der Planung in Bezug zum tatsächlichen Verbrauch im Betrieb. "Die Verbrauchswerte liegen im Mittel um rund 70 Prozent über den Bedarfswerten", sagte Bauer. Er wies darauf hin, dass die Erneuerung der Verglasung an einer bestehenden opaken Fassade mit einem U-Wert von 0,44 W/m3K am Fenster zu Werten von Ug = 1,0 W/m3K und Uw = 1,2 W/m3K sowie einem g-Wert von 50 Prozent führe. Diese Werte würden auch dann nicht übertroffen, wenn das gesamte Fenster bzw. die opake Fassade erneut würde, so Bauer.