Mit dem Rosenheimer Online-Dialog Fenster & Fassaden feierte das Digitalformat des ift am 8. Oktober 2020 eine Premiere. Vom Aufnahmestudio in Rosenheim aus gingen sechs Livestreams zu Themen wie Montage und multifunktionale Fassaden on air. Auch GFF war dabei.
„Das Jahr 2020 werden wir so schnell nicht vergessen – es ist das erste Mal seit 1973, dass die Rosenheimer Fenstertage abgesagt werden musste“, sagte Jochen Peichl, Geschäftsführer und stellvertretender Institutsleiter des ift Rosenheim. Auch Prof. Jörn Lass hätte sich einen anderen Start am ift gewünscht. Im März ist die wirtschaftliche Lage am ift laut dem neuen Institutsleiter zum Stillstand gekommen, im Mai habe man, u.a. dank der Zulassung von Schnelltests für Corona-Atemschutzmasken, wieder mehr Zuversicht geschöpft. Eine Schwierigkeit sei der Stillstand in der Normung. Aber: „Wir füllen das Vakuum aus eigener Kompetenz heraus und entwickeln maßgeschneiderte Lösungen, die im zertifizierten Bereich liegen“, versicherte er.
Akustiklabor: Bau schreitet voran
Der Bau des neuen ift-Labors Bauakustik und Fassaden befindet sich auf der Zielgeraden. Dort können neben der Bauakustik u.a. Eigenschaften wie Luft-/Schlagregendichtheit, Windlast und Stoßfestigkeit von großen Fensterelementen geprüft werden. Neu ist die erweiterte Infrastruktur von drei Schallprüfständen, die eine stärkere räumliche Trennung, eine bessere Vertraulichkeit für Kunden sowie eine höhere Flexibilität ermöglichen. „Lücken können bessere gefüllt werden ohne die Abläufe zu stören“, hob der Laborleiter Andreas Preuss hervor. Das Prüfkonzept ermögliche eine schnelle Modifikation der Prüfvarianten oder auch Fassaden-Mok-ups. Der normale Messbetrieb am Labor soll 2021 anlaufen.
Ein Dauerbrenner im Bauwesen ist die Montage. „Ausführungs- und Montagefehler sind die Schadensursache Nummer eins“, sagte Jürgen Benitz-Wildenburg, Leiter PR & Kommunikation. Im März 2020 habe der ift-Montageplaner ein Update erfahren. Die Überarbeitung sei aufgrund wichtiger normativer Änderungen der DIN 4108 (Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden), DIN 4109 (Schallschutz im Hochbau), DIN 18542 (Fugendichtungsbänder) und DIN 18531/18533 (Bauwerksabdichtungen) erforderlich gewesen. Künftig lassen sich mit dem Tool auch der obere und untere Anschluss planen sowie die Befestigungskräfte ermitteln. Mit dem Planer seien bereits mehr als 30.000 Montagepässe erstellt worden.
Fassaden: Komplexität steigt
Multifunktionale Fassaden mit Funktionen wie Stromerzeugung und Beschattung sind auf dem Vormarsch. „Das Spannungsfeld zwischen der Planung, Prüfung, Fertigungstellung und Nutzung von Gebäuden ist groß“, sagte Michael Breckl-Stock, ift-Geschäftsbereichsleiter Prüfungen. Zudem erforderten gestiegene Anforderungen an die Öffnungselemente und Glasaufbauten eine exakte Abstimmung der Bauteile untereinander. „Es gilt, etwaige Widersprüche aufzulösen“, ergänzte er. Um anspruchsvolle Fenster- und Fassadenprojekte managen zu können, bringen das ift und der Verband Fenster und Fassade (VFF) ab 2021 eine neue Weiterbildung zum Projektmanager Fenster + Fassade auf den Weg, die Montageexperten, Objektspezialisten und Berufsanfängern mit Hochschulabschluss das nötige Fachwissen vermittelt.
Ohne Innovationen haben die Unternehmen in Deutschland keine wirtschaftliche Überlebenschance. Doch was macht einen Innovationsführer aus? Darüber diskutierte Moderator Stoff mit VFF-Geschäftsführer Frank Lange und Institutsleiter Lass. „Ein innovatives Produkt muss marktgerecht sein und sich am Bedarf des Kunden orientieren“, konstatierte Lange. Wichtig seien u.a. ein guter Service, die Nachhaltigkeit der Produkte und das Design. Die Fenster- und Fassadenbranche sei gut aufgestellt, um diese Features anbieten zu können. Lass zufolge fehlen große Technologiesprünge wie z.B. die Elektromobilität im Automobilsektor. „Neue Techniken wie Vakuumisolierglas und schaltbare Gläser werden nur schleppend umgesetzt“, bedauerte der Institutsleiter. Bei Fenstern, Türen und Fassaden sei die Innovationsführerschaft u.a. durch die modulare Bauweise zu halten. Zudem müssten Dynamiken wie solare Gewinne und die Automatisierung von Fassaden verstärkt in den Vordergrund gerückt werden.
Einfache Glasbemessung
Die neuen Regeln zur Glasbemessung nach DIN 18008 sind für Fenster- und Glashersteller sowie Händler eine große Herausforderungen. Prof. Dr. Franz Feldmeier von der TH Rosenheim und Karin Lieb vom ift stellten ein einfaches Verfahren zur Glasbemessung vor. In einem Projekt werde derzeit die baurechtlich anerkannte Dimensionierung nach DIN 18008-2:2020 mit Diagrammen erarbeitet. Diese ermögliche es Fachplanern und Herstellern künftig, für marktübliche Isolierglasaufbauten und Scheibenformate die für die jeweilige Windlastzone erforderlichen Nachweise zu führen.