Zwölf Teilnehmer haben im Frühjahr 2018 den Teilzeit-Meisterkurs an der GFF-Fachschule in Karlsruhe abgeschlossen. Schulleiter Waldemar Dörr sagt, warum Gesellen sich nicht zu früh weiterbilden sollten und wie die Umsetzung der neuen Meisterprüfungsordnung klappt.
Zwölf Teilnehmer haben im Frühjahr 2018 den Teilzeit-Meisterkurs in Karlsruhe abgeschlossen. Das sei ein guter Wert, sagt Waldemar Dörr, Leiter der GFF-Fachschule und Hauptgeschäftsführer des Fachverbands Glas Fenster Fassade Baden-Württemberg (GFF BW) – insbesondere vor dem Hintergrund, dass für den Teilzeitkurs nicht die Möglichkeit einer BAföG-Förderung besteht. „Wer eine BAföG-Förderung in Anspruch nehmen will, den zieht es in den Vollzeit-Kurs.“
Erst arbeiten, dann weiterbilden
Die meisten Teilnehmer des Teilzeitkurses befinden sich in Anstellung oder sie sind bereits selbstständig, so dass es auf die Förderung nicht unbedingt ankomme. „Wer selbstständig ist, kann wegen der Belastungen im Betrieb den Vollzeitkurs in der Regel ohnehin nicht wahrnehmen“, ergänzt Dörr. Entsprechend höher sei das Durchschnittsalter im Teilzeitkurs. Und das ist ganz nach dem Geschmack des Schulleiters. „Ich bin nicht glücklich darüber, wenn Gesellen direkt nach ihrer Abschlussprüfung die Weiterbildung zum Meister machen“, sagt Dörr. „Wer nicht unter persönlichen Zwängen steht, dem empfehle ich, erst einmal berufliche Erfahrung zu sammeln.“ Berufs- und Lebenserfahrung sowie eine gewisse Reife als Mensch erweisen sich seiner Erfahrung nach als wertvolle Vorteile – im Kurs und später in der Praxis. „Ich sage den angehenden Gesellen immer: Ich freue mich auch, wenn ich euch in drei, vier, fünf Jahren zur Weiterbildung begrüße.“
Nahe an der Praxis
Der aktuelle Teilzeitkurs war der zweite Kurs, der die Prüfung nach der neuen Meisterprüfungsordnung abgelegt hat. Mit der Umsetzung ist Dörr zufrieden. „Auch die Prüfer geben uns ein positives Feedback. Sie finden die Abläufe der neuen Ordnung viel pragmatischer“, berichtet der GFF BW-Geschäftsführer. Im Ergebnis sei man mit der Strukturierung in die Handlungsfelder Auftragsabwicklung, Betriebsführung/Betriebsorganisation sowie Gestaltung/Konstruktion/Fertigung näher an die Praxis herangerückt. Den einen oder anderen Meisteranwärter stelle dies aber auch vor Herausforderungen. Diese merkten erst im Verlauf ihrer Weiterbildung, dass sie den Meistertitel nicht geschenkt bekommen. „Der Meisterkurs ist kein Freifahrtschein. Ohne Leistung und eigenes Zutun geht es nicht.“ Die Fachschule selbst sieht Dörr sehr gut aufgestellt, was die Umsetzung der Anforderungen der neuen Meisterprüfungsordnung angeht. Ein engagiertes Dozententeam mit mehr als 20 Fachleuten steht für den Unterricht zur Verfügung, u.a. für das Themenfeld Betriebsorganisation. „Wir verfügen über ein Gesamtpaket, das uns in der Qualität nach außen positiv dastehen lässt“, betont Dörr.
Während der Schulleiter beim zurückliegenden Vollzeitkurs kritisierte, dass die Zusammenarbeit zwischen den 22 Meisterschülern nicht ganz so geschlossen abgelaufen sei wie in den vergangenen, kleineren Kursen, findet Dörr für den Teilzeitkurs wieder lobende Worte. „Der Gruppengedanke wurde viel besser gelebt. Alle haben sich gegenseitig unterstützt.“
Vom Sachverstand her schon weit
Mit dem Ergebnis der Prüfung ist er unter dem Strich zufrieden. „Es waren sehr gute Meisterschüler dabei, die in Theorie und Praxis das Bestmögliche für sich herausgeholt haben.“ Andere Anwärter hätten hingegen erst spät gemerkt, dass sie mit einer größeren Ernsthaftigkeit an die Sache hätten herangehen müssen. „Jeder kommt mit einem leeren Rucksack in den Kurs und jeder entscheidet, wie voll er ihn packt“, zieht Dörr als bildlichen Vergleich heran. Besonders hebt er diejenigen Meisterschüler hervor, die „auch noch die Seitentaschen vollgepackt“ hätten.
Andreas Richter, als Dozent an der GFF-Fachschule nahe an den Meisterschülern dran, zieht ein positives Fazit. „Grundsätzlich haben die Schüler eine erfahrene Einstellung an den Tag gelegt, vom Sachverstand her waren sie schon weit.“ Bei den Meisterstücken seien viele Haustüren zu sehen gewesen, aber auch Ganzglasmodelle, u.a. mit integrierter Bleiverglasung, oder eine Hebeschiebe-Tür mit einem Beschlag, den es so noch gar nicht auf dem Markt gibt. Als Besonderheit hebt Richter eine zirka drei Meter hohe Holzhaustür in Eiche heraus.
Auf der FENSTERBAU FRONTALE prämiert der GFF BW (Halle 3A, Stand 536) am 23. März um 16 Uhr die besten drei Theoretiker und Praktiker aus den vergangenen beiden Kursen.