Transparente Gefahr Glasscheiben für Vögel sichtbar machen

In Deutschland verenden jährlich Millionen von Vögeln durch Kollisionen mit Glasscheiben. Ein Ornithologe erklärt, wie wirksame Lösungen aussehen und warum der Test im Flugtunnel eine richtungsweisende Entscheidung ist – außerdem lernen Sie aktuelle Produktlösungen kennen.

Produkt Saflex FlySafe 3D
Die PVB-Folie Saflex FlySafe 3D ist mit dreidimensionalen, reflektierenden Pailletten ausgestattet. Sie sollen Vögel davon abhalten, gegen die Verglasung zu fliegen. - © Eastman/Saflex

Mindestens 18 Millionen Vögel sterben jährlich, weil sie mit Glasscheiben kollidieren – und das allein in Deutschland. Die Dunkelziffer dürfte extrem hoch sein. Schätzungen der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten zufolge könnten es zwischen 100 und 115 Millionen tote Vögel pro Jahr sein. Schwarze Aufklebevögel bringen erwiesenermaßen nichts, um Vogelschlag an Glasflächen zu vermeiden – ganz im Gegensatz zu speziellen Vogelschutzverglasungen. Eine große Auswahl entsprechender Produkte ist mittlerweile am Markt verfügbar.

Vogelschutzglas: Steigender Absatz, aber auch mehr Trittbrett-Techniken

"Immer mehr Glashersteller erkennen das Marktpotenzial von Vogelschutzglas", bestätigt Martin Rössler, der als Ornithologe in der Naturschutzforschung arbeitet und an der Biologischen Station im niederösterreichischen Hohenau-Ringelsdorf internationale Glasprodukte auf ihre Wirksamkeit gegen Vogelanprall testet (siehe grauer Kasten). Seien bis zum Jahr 2016 nur Pioniere in diesem Feld tätig gewesen, beobachte der Fachmann seit 2017 ein sprunghaft steigendes Interesse der Glasbranche an diesem Marktsegment. Rössler sieht das einerseits positiv. Dadurch sei eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Experten aus der Ornithologie und Forschungslaboren der Industrie möglich – im besten Fall entstehen daraus neue Techniken.

Dass Unternehmen die Absatz­chance in dem derzeit stark wachsenden Nischenmarkt nutzen möchten, habe allerdings auch Schattenseiten: "Vogelschutzglas wird mittlerweile von zahlreichen Herstellern beworben und es ist oft nicht einfach, Trittbrett-Techniken – also kopierte und nicht geprüfte, oft nur scheinbar gleichartige Glasmarkierungen – von geprüften wirksamen und hochwirksamen Markierungen zu unterscheiden", sagt Rössler.

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