Stabilität durch Internationalisierung Geschäftsjahr 2025: Schüco hält Kurs trotz Baukrise

Die Schüco Gruppe hat das Geschäftsjahr 2025 trotz anhaltender Krise im Heimatmarkt Deutschland mit einem leichten Umsatzplus abgeschlossen. Warum das Unternehmen verstärkt auf Sanierung, Kreislaufwirtschaft und internationale Märkte setzt.

Schüco mit Sitz in Bielefeld erwirtschaftete 2025 mit 6.750 Mitarbeitenden einen Jahresumsatz von 2,06 Milliarden Euro. - © Stefan Brückner/Schüco

Die Schüco Gruppe hat im Geschäftsjahr 2025 einen Konzernumsatz von 2,06 Milliarden Euro erzielt. Im Vergleich zum Vorjahr (2,05 Milliarden Euro) entspricht das einem Anstieg von 0,7 Prozent. Währungsbereinigt lag das Umsatzplus bei 2,3 Prozent. Das Ergebnis fällt in ein Umfeld, das von steigenden Materialkosten, Fachkräftemangel, hohem Zinsniveau und unsicheren politischen Rahmenbedingungen geprägt war.

Während der deutsche Markt erneut schwächelte – hier sank der Umsatz um zirka 2,8 Prozent auf 728 Millionen Euro –, fingen die internationalen Gesellschaften den Rückgang auf. In Europa stieg der Umsatz leicht um 0,7 Prozent auf 965 Millionen Euro, in den übrigen internationalen Märkten um 8,8 Prozent auf 371 Millionen Euro.

Der Auslandsanteil am Gesamtumsatz liegt damit bei 65 Prozent, der Deutschlandanteil bei 35 Prozent. "Die Zukunft des Bauens ist zirkulär, digital und liegt vor allem im Umgang mit dem Gebäudebestand – genau daran arbeiten wir", sagt Andreas Engelhardt, persönlich haftender Gesellschafter von Schüco.

Internationalisierung als Stabilitätsanker

Die strategische Diversifizierung über Ländergrenzen hinweg erweist sich für Schüco als wirksamer Puffer in der Baukrise. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben mit seinem Systemportfolio in mehr als 90 Ländern weltweit vertreten. Für die Zukunft plant es eine noch stärkere Fokussierung auf internationale Märkte – mit gezielten Investitionen zur Stärkung des Kerngeschäfts in Europa, der Erschließung neuer Geschäftsfelder und dem Ausbau bestehender Strukturen.

Im Januar 2025 erwarb Schüco die Restanteile an Alufit International Private mit Sitz in Bangalore, Indien. Alufit zählt dem Unternehmen zufolge zu den größten Aluminium-Fassadenbauern Indiens und plant, fertigt und montiert komplexe Gebäudehüllen. Als vollkonsolidierte Tochtergesellschaft übernimmt Alufit die Realisierung großer Aluminium- und Glasfassadenprojekte im indischen Markt. Darüber hinaus investierte Schüco im Jahr 2025 in zwei neue Showrooms – in Paris und in Riad, Saudi-Arabien.

Sparten im Detail: Metallbau wächst, Polymer legt zu

Der Geschäftsbereich Metallbau verzeichnete global einen leichten Umsatzanstieg um zirka zwei Prozent auf 1,68 Milliarden Euro. Davon entfielen 594 Millionen Euro auf Deutschland, 720 Millionen Euro auf die übrigen europäischen Länder und 369 Millionen Euro auf Märkte außerhalb Europas.

Die Sparte Polymer Business steigerte ihren Umsatz um zirka 4,5 Prozent auf 327 Millionen Euro. In Deutschland erzielte der Polymerbereich ein Wachstum von zirka 2,6 Prozent auf 99 Millionen Euro. Schüco führt dies unter anderem auf ein Wiederanziehen im Bereich Neubau und Sanierung des privaten Wohnbaus zurück.

Das Service Business verzeichnete mit einem Jahresumsatz von 33 Millionen Euro hingegen einen leichten Rückgang. Die im Jahr 2022 gegründete Sparte habe die Erwartungen aufgrund der noch im Aufbau befindlichen Organisation und Kapazitäten nicht voll erfüllen können, wie das Unternehmen mitteilt. Den Ausbau dieses Geschäftsbereichs – insbesondere für Sanierung, Wartung und Instandhaltung – treibe Schüco weiter intensiv voran.

Die Investitionen der Schüco Gruppe lagen mit 41,2 Millionen Euro nahezu auf Vorjahresniveau. Ein wichtiges Projekt war die Erweiterung der Produktionskapazitäten bei Tochterunternehmen Sälzer am Standort Marburg. Sälzer fertigt in Deutschland Fassadenelemente für internationale Projekte mit Hochsicherheitsanforderungen. Die Investition schaffe weitere Kapazitäten, um die steigende Nachfrage aufgrund verstärkter Sicherheitsanforderungen bedienen zu können.

Transformation im Bestand: Schüco Value Up als strategisches Wachstumsfeld

Die nachhaltige Transformation des Gebäudebestands zählt für Schüco zu den wichtigsten Wachstumsfeldern. Unter dem Titel Schüco Value Up präsentierte das Unternehmen im Jahr 2025 ein umfassendes Leistungsangebot für den Werterhalt und die Weiterentwicklung von Bestandsgebäuden über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Das Portfolio umfasst minimalinvasive Sanierungslösungen, Beratungsleistungen für Eigentümer und Investoren, digitale Prozesse und Tools, Service- und Wartungsangebote sowie Lösungen für Rückbau und Recycling. Schüco entwickele sich damit zunehmend zu einem ganzheitlichen Anbieter für die Phasen Planen, Bauen, Betreiben, Modernisieren, Rückbauen und Recyceln von Gebäudehüllen.

Im Juni 2025 beteiligte sich Schüco an Asset Transformation mit Sitz in Großbeeren. Das Unternehmen unterstützt Eigentümer und Investoren bei der nachhaltigen, wirtschaftlichen und zukunftssicheren Weiterentwicklung von Bestandsgebäuden. Der Fokus liege auf der ganzheitlichen Planung, Steuerung und Umsetzung von Sanierungs- und Transformationsprojekten für Gebäudehüllen – unter Berücksichtigung von Lebenszyklus-, Energie- und Wertsteigerungsaspekten. Mit diesem Engagement verstärke Schüco sein Portfolio im Bereich der Bestandsanalyse.

Nachhaltigkeit: Deutscher Nachhaltigkeitspreis und Kreislaufwirtschaft

Im Jahr 2025 erhielt Schüco den Deutschen Nachhaltigkeitspreis für Unternehmen in der Kategorie Bauindustrie. Die Expertenjury würdigte damit das langjährige Engagement des Unternehmens in den Bereichen Dekarbonisierung, Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung, wie Schüco mitteilt.

Das Unternehmen verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel, sein Geschäftsmodell entlang der Prinzipien der Kreislaufwirtschaft weiterzuentwickeln. Die Nachhaltigkeitsstrategie ruht auf vier Säulen: Klimaschutz und -anpassung, Umwelt- und Ressourcenschutz, Naturschutz sowie soziale und unternehmerische Verantwortung. Sowohl für Aluminium- als auch für Kunststoffsysteme hat Schüco CO2-reduzierte Materialklassen eingeführt und am Markt etabliert. Ergänzend bietet das Unternehmen ein Rücknahmeangebot für Produkte am Ende ihres Lebenszyklus an. Inzwischen umfasst das Portfolio mehr als 95 Cradle-to-Cradle-zertifizierte Aluminium-Systeme.

"Die Zukunft des Bauens ist zirkulär, digital und liegt vor allem im Umgang mit dem Gebäudebestand – genau daran arbeiten wir", sagt Andreas Engelhardt, persönlich haftender Gesellschafter Schüco International. - © Frank Peterschröder/Schüco

Um die Recyclingquote zu steigern, setzt Schüco auf höhere Sammelquoten und geschlossene Wertstoffkreisläufe. In Deutschland stieg das Unternehmen im Jahr 2022 als Mitgründer des Joint Ventures Re:core in das hochwertige Recycling von Kunststoff-Altfenstern ein. Mit der Gründung von Re:core Metals im Dezember 2024 und ersten Pilotprojekten weitete Schüco das Geschäftsfeld auf weitere Baumaterialien aus. Im Jahr 2025 habe das Unternehmen die Rücknahme von Altmaterialien aus der Fensterproduktion und den Rückbau alter Fassadenelemente materialübergreifend intensiviert – die Tonnagen seien stetig gestiegen.

Zirkuläres Aluminium-Fenster und Textilfassade als Zukunftsvisionen

Im Bereich Produktentwicklung stellte Schüco im Jahr 2025 die Vision des Aluminium-Fensters AW Circular vor. Es ziele darauf ab, den Ressourceneinsatz, die Emissionen sowie das Abfallaufkommen während des gesamten Lebenszyklus eines Aluminium-Fensters zu verringern und gleichzeitig Ressourcenkreisläufe zu schließen. Durch konsequente Anwendung der Prinzipien des Circular Design biete AW Circular zirkuläre Ausführungsoptionen: verlängerte Nutzungsdauer, einfache Wartung und Reparatur, Aufbereitung und Nachrüstung, Wiederverwendung einzelner Komponenten sowie hochwertiges Recycling.

Parallel dazu lief im Jahr 2025 die Testphase der Textilfassade Facid Nox an der Volkshochschule Köln – ein Pilotprojekt mit der Stadt Köln und der Stiftung Lebendige Stadt. Das wissenschaftliche Projekt untersucht die potenzielle Stickstoffbindungs- und Luftreinigungswirkung dieser Fassadenlösung. Während des gesamten Jahres maß eine digitale Messtechnik vor und hinter der Membran die Luftqualität, um die filtrierende Wirkung zu dokumentieren. Die Auswertung der Messergebnisse übernahm das Forschungszentrum Jülich. Das Projekt und die Ergebniskommunikation sollen Mitte 2026 abgeschlossen sein.

Digitalisierung und KI als strategische Säulen

Die Digitalisierung blieb auch im Jahr 2025 ein zentraler Baustein der Unternehmensstrategie. Schüco entwickelte digitale Planungs-, Beratungs- und Serviceangebote weiter, um die Effizienz entlang des gesamten Gebäudelebenszyklus zu steigern. Via QR-Code auf jedem verbauten Element erreiche man dessen digitalen Zwilling, sodass Beteiligte auch während der Nutzungsphase sämtliche Informationen abrufen könnten. Wartung und Instandhaltung ließen sich so deutlich vereinfachen. Am Ende des Lebenszyklus ermöglichten die hinterlegten Materialinformationen eine sortenreine und effiziente Rückführung in die Materialkreisläufe.

Seit dem Jahr 2025 investiert Schüco nach eigenen Angaben auch in KI-gestützte Lösungen. Das Unternehmen nennt ein konkretes Beispiel: Mittels künstlicher Intelligenz verwandle Schüco komplexe Kundenanfragen in effiziente digitale Serviceabläufe. Jahrzehntelange Produkt- und Nutzererfahrungen sowie technische Lösungsexpertise seien übergreifend verfügbar und lieferten Kunden automatisiert eine passende Lösung oder den richtigen Ansprechpartner.

Ausblick 2026: Jubiläum, Klimaresilienz und geopolitische Risiken

Im Jahr 2026 feiert Schüco sein 75-jähriges Bestehen. Gründer Heinz Schürmann startete die Unternehmensgeschichte am 18. Januar 1951 im ostwestfälischen Porta Westfalica als Sechsmannbetrieb für Schaufenster, Markisen und Rollgitter aus Aluminium.

Inhaltlich rückt das Thema Klimaresilienz weiter in den Fokus. Die ersten Monate des Jahres 2026 hätten erneut die Folgen des Klimawandels mit Extremwetterereignissen gezeigt – von frühen Hitzewellen in Europa bis zu häufigen Starkregenereignissen. Hochwasserresistenz, Kühlung, Lüftung und außen liegender Sonnenschutz müssten auch an der Fassade umgesetzt und im Bestand nachgerüstet werden, wie Schüco betont. Die Weiterentwicklung klimaresilienter Gebäudehüllen bleibe eines der wichtigen Zukunftsfelder.

Wirtschaftlich bewegt sich Schüco im ersten Halbjahr 2026 in einem weiterhin herausfordernden Umfeld. Zwar zeigten sich in der deutschen und europäischen Bauwirtschaft erste Anzeichen einer Stabilisierung und leichten Erholung. Jedoch belasteten geopolitische Spannungen rund um die Straße von Hormus die Energie- und Rohstoffmärkte. Steigende Material- und Transportkosten verstärkten den Preisdruck entlang der gesamten Wertschöpfungskette und machten Preisanpassungen in verschiedenen Bereichen erforderlich.

Abseits des Geschäfts sorgte Schüco im Jahr 2025 auch als langjähriger Hauptsponsor von DSC Arminia Bielefeld für Aufmerksamkeit. Der Drittligist zog ins DFB-Pokalfinale ein und stieg in die zweite Bundesliga auf. Schüco begleitet den Verein seit mehr als 50 Jahren als Sponsor und seit 20 Jahren als Namensgeber der Schücoarena. Zum Finalspiel ließ das Unternehmen das Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald in ein überdimensionales Arminia-Trikot kleiden – eine Marketingaktion, die über lokale und nationale Medien hinaus auch international Verbreitung fand.