Auf Einladung von Wicona und Partnern haben rund 50 Gäste aus Architektur, Planung und Metallbau an einem Thementag im Frankfurter Next Studio teilgenommen. Auf dem Programm standen u.a. Vorträge der Planungsgesellschaft Arup, von Wicona und Glasspezialist Silatec. Welche Impulse die Gäste mitnahmen, lesen Sie hier.

Wie Städte ihre Gebäude auf Krisen und Extremereignisse vorbereiten können, zeigte Rudi Scheuermann vom Beratungsunternehmen Arup zum Auftakt des von Christian Mettlach von Wicona moderierten Fachforums.
Scheuermann sprach über den im Auftrag des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung entwickelten 'Stresstest für Städte', mit dem Kommunen ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Risiken wie Starkregen, Hitzebelastung, Energiekrisen oder Cyberangriffen bewerten können.
Gebäudesicherheit bedeute auch, außergewöhnliche Ereignisse wie Stürme, Explosionen oder terroristische Anschläge zu berücksichtigen, sagte Scheuermann. Als Fellow ist er bei Arup Experte für das Thema Gebäudesicherheit. Entscheidend sei die Fähigkeit, Schäden zu begrenzen, Funktionen aufrechtzuerhalten und aus Ereignissen zu lernen.
Einbruchschutz für höchste Widerstandsklassen
Welche Anforderungen Fenster, Türen und Fassaden heute erfüllen müssen, um gezielten Einbruchsversuchen standzuhalten, erläuterte Matthias Demmel vom Prüfzentrum für Bauelemente (PfB) Rosenheim. Anhand der DIN EN 1627 ff. stellte er die Widerstandsklassen RC4 bis RC6 vor, die sich an den Vorgehensweisen von Tätern und eingesetzten Werkzeugen orientieren. Anhand konkreter Prüfbeispiele verdeutlichte der Experte, wie Fassadenelemente unter statischen und dynamischen Belastungen sowie in manuellen Einbruchversuchen bewertet werden. Ein Fokus lag auf dem Zusammenspiel von Sicherheitsverglasungen nach EN 356, Beschlägen und Verriegelungen, die zur Erreichung hoher Widerstandsklassen bis RC6 entscheidend sind.

Christian Pfänder von Wicona stellte Fenster-, Tür- und Fassadensysteme vor und zeigte, wie Widerstandsklassen bis RC3 durch die optimale Kombination von Verglasungen, Verriegelungen und weiteren Sicherheitskomponenten realisiert werden können.
RC4-Stulpfenster für den Denkmalschutz
Einen praxisnahen Einblick in die Entwicklung einer maßgeschneiderten Sicherheitslösung gab Christoph Wyler von der SWM Metallbautechnik AG aus der Schweiz. Anhand eines Sanierungsprojekts stellte er das mit Wicona entwickelte RC4-Stulpfenster 'Forte' vor. Für das denkmalgeschützte Gebäude galt es, höchste Sicherheitsanforderungen mit Energieeffizienz und einer filigranen, identischen Optik von RC3- und RC4-Elementen zu verbinden – eine Lösung, die am Markt bis dato nicht verfügbar war. Das zweiflügelige System mit Alarmglas, verklebter Verglasung und angepasster Profilkonstruktion hat die RC4-Prüfung erfolgreich bestanden.
Hochsicherheitstechnik für kritische Infrastrukturen
Oliver Sommer vom gleichnamigen Spezialisten für Fassaden- und Stahlbau gab anhand von Projekten wie dem Kernkraftwerk Olkiluoto 3 in Finnland oder ITER in Frankreich einen Überblick zur Hochsicherheitstechnik. Die Sicherheitslösungen bewegen sich in außergewöhnlichen Dimensionen: Türsysteme widerstehen Druckwellen bis 35 kPa, während einzelne Reaktortüren bis zu 400 Tonnen wiegen. Tino Niemz von Sommer aktuelle Entwicklungen bei druckwellenhemmenden Fassaden vor.

- © Dirks
Sicherheitsverglasungen zwischen Transparenz und Schutz
Den Schlusspunkt setzte Patrick Coppée von Silatec. "Wir bauen Mauern aus Glas", brachte er den unternehmenseigenen Anspruch auf den Punkt. Vorgestellt wurden Lösungen für Juweliere, Banken, Museen und hochwertige Wohngebäude, darunter einbruchhemmende Gläser bis zur Klasse P8B sowie beschusshemmende Systeme auf Basis von Verbundsicherheitsglas und Polycarbonat.
Mehr dazu in GFF 9/26.