Sonne da, DĂ€mmung aus â Sonne weg, DĂ€mmung an. So einfach funktioniert ein schaltbares WĂ€rmedĂ€mmsystem, das fĂŒr Fenster oder Fassaden einsetzbar ist. Mit der Erfindung möchtedas junge Start-up-Unternehmen jetzt in der Sonnenschutzbranche FuĂ fassen.
âEs gibt freie und saubere Energie, in der unsere HĂ€user regelrecht baden â die Sonnenenergieâ, sagt Sergej Kvasnin, CEO des Start-ups I[n]solation im nordrhein-westfĂ€lischen Bielefeld. Das zurzeit angewendete Konzept der luftdichten GebĂ€udehĂŒlle schlieĂe die Nutzung dieser Energie allerdings aus, bemĂ€ngelt der UnternehmensgrĂŒnder: âEgal ob Tag oder Nacht, Sommer oder Winter â WĂ€rmeströme werden unterbunden.â Um diesem Missstand entgegenzuwirken, hat er eine schaltbare WĂ€rmedĂ€mmung entwickelt, mit deren Hilfe das GebĂ€udeinnere rundherum von der Sonne versorgt wird.
Folien reflektieren WĂ€rme
Das HerzstĂŒck der Technologie sind die WĂ€rme reflektierende Folien, die die Luftschichten voneinander trennen und die WĂ€rme je nach Bedarf ins GebĂ€ude hineinlassen oder abschirmen. Das System ist einsetzbar fĂŒr Fassaden oder Fenster. Kvasnin hat seine Erfindung bereits zum Patent angemeldet und erfolgreich vom Fraunhofer ISE testen lassen. âEs konnte gezeigt werden, dass sich der Heiz- und KĂŒhlenergiebedarf durch die schaltbare DĂ€mmung signifikant reduzieren lĂ€sst â im Fall des Wohnraums um mehr als 50 Prozentâ, heiĂt es in dem Ergebnisbericht des Freiburger Instituts.
Hohes Energiesparpotenzial
Das Prinzip der Fensterkonstruktion ist simpel: Im Winter sind die Folien tagsĂŒber aufgerollt und lassen die WĂ€rme ins Haus. Nachts fahren sie herunter, um die WĂ€rme im GebĂ€udeinneren zu halten. Im Sommer funktioniert das Ganze umgekehrt: TagsĂŒber dienen die Screens als Sonnenschutz, nachts sind sie oben, damit die WĂ€rme entweicht.
Laut Kvasnin lassen sich dank des Systems die WĂ€rmeverluste an einem Fenster deutlich reduzieren. âDie potenziellen Einsparungen betragen bis zu 140 kWh/mÂČa bei einem alten doppelt verglasten Fenster und bis zu 60 kWh/mÂČa bei einem modernen dreifach verglasten Fensterâ, hat der Unternehmer errechnet. Dies entspeche unterm Strich einer Energieeinsparung zwischen acht und 20 kWh pro Quadratmeter WohnflĂ€che.
FĂŒr die Installation der Screens stehen drei Optionen zur VerfĂŒgung: zwischen Glas und Wandebene als innen liegender Sonnenschutz, zwischen Rollladen und Fenster als auĂen liegender Sonnenschutz sowie in einer Art Kastenfenster direkt zwischen den GlĂ€sern. Dabei können mithilfe der Folien â eine einzelne ist gerade mal 0,012 Millimeter dick â so viele geschlossene wĂ€rmeisolierende Luftschichten gebildet werden, wie es die Tiefe der Fensternische erlaubt. Dies habe die identische Wirkung wie eine Mehrfachverglasung, versichert Kvasnin. Mit 15 Luftschichten lasse sich beispielsweise der U-Wert einer gut gedĂ€mmten Wand erreichen. Zudem ermögliche der hohe Stauchfaktor, die Konstruktion platzsparend zu verstauen.
Und inwieweit tragen die Folien neben den funktionalen Aspekten auch den Ă€sthetischen AnsprĂŒchen an moderne Sonnenschutzlösungen Rechnung? Dazu sagt der Jungunternehmer: âDie Ă€uĂeren Screens der Konstruktion können aus beliebigen Rollostoffen bestehen. In Form einer Abdeckung kaschieren sie die inneren Folienscreens, so dass diese von auĂen nicht sichtbar sind.â
Kooperationspartner gesucht
Mit seiner Innovation möchte das Start-up den Fenstermarkt neu aufrollen. âWir bieten unser Produkt allen Unternehmen der Sicht- und Sonnenschutz-Branche an, die ihr Produktportfolio erweitern wollenâ, sagt Kvasnin. Seit zirka zwei Jahren kooperiert I[n]solation in der Forschung und Entwicklung mit der FH-Bielefeld â Campus Minden. In Pilotprojekten testen Fachleute weitere Varianten und Einsatzbereiche fĂŒr die schaltbare WĂ€rmedĂ€mmung, um neue Einbaumöglichkeiten in bestehende Fenstersysteme, Glasfassaden und in GebĂ€udefassaden zu erschlieĂen. Interessierte können sich unter www.i-n-solation.de oder www.plusenergiewand.de ĂŒber das Unternehmen sowie die Technologie informieren.