Die Bauen Immobilien Garten, kurz B.I.G., ist eine der großen norddeutschen Regionalmessen für angehende Bauherren und Sanierer. An die 250 Aussteller nutzten Ende Januar 2019 diese Plattform. Aber die Nachfrage nach Standflächen ist wegen guter Auslastung stark rückläufig.
Zu den zirka 250 B.I.G.-Ausstellern auf dem Hannoverschen Messegelände zählten dieses Jahr Fensterbaubetriebe, Handwerksunternehmen, Sonnenschutzhersteller, das Landeskriminalamt (LKA) und andere mehr. Das Produktspektrum reichte von energieeffizienten Dachfenstern über Energieberatung und Sicherheitstechnik bis hin zu speziell geschweißten Regenrinnen für Wintergärten.
Bauelemente-Hersteller Biffar, dessen Vertrieb bundesweit über regionale Niederlassungen abgewickelt wird, sieht für sich eine steigende Nachfrage vor allem bei digitalen und SmartHome-fähigen Lösungen. Seit ungefähr zwei Jahren habe dieses Thema bei den Verbrauchern eine eigene Dynamik entwickelt. Vor allem in der Altersgruppe der 30- bis 40-Jährigen würden Kunden auf digitale Türspione oder Fingerprint-Sensoren an der Haustür setzen; bei einem älteren Kundenkreis stünden diese Lösungen dagegen noch lange nicht im Fokus.
Rollläden individuell bedrucken
Unter dem Motto „Schluss mit Grau“ zeigte der Langenhagener Hausausbau-Betrieb Heuer, der ein breites Portfolio von Fenstern bis Garagentoren abdeckt, von innen und außen bedruckbare Rollläden – eine Eigenentwicklung mit dem Namen Art Roll. „Wir bedrucken Rollläden mit jedem möglichen Motiv – mit Urlaubsfotos, Panoramabildern oder Werbemotiven für gewerbliche Kunden“, sagt Mitarbeiter Lars Scharnhorst. So müsse der Nutzer abends, wenn die Rollläden heruntergelassen seien, nicht mehr auf die triste, graue Fläche des Behangs schauen – „ein Anblick wie ein Panzerschrank“ – und könne sich stilvoller und individueller umgeben. Von außen empfiehlt er Privatleuten, die Rollläden beispielsweise farblich auf die Fassade abzustimmen. Eine weitere Eigenentwicklung der Langenhagener stellt der KlimaSafe-Rollladen dar, der als thermische Barriere bis zu 20 Prozent Energie einspare und zugleich als stabile Hochschiebe-Sicherung für die Einbruchshemmung fungiere. Auch hier sei die Nachfrage sehr hoch, so Scharnhorst.
Kleine Betriebe profitieren
Tolga Spang vom Bauelemente-Montageservice Troja aus Pattensen ist mit der Messe als Vertriebsplattform hochzufrieden: „Der Zeitpunkt der Messe zu Jahresbeginn ist perfekt – wir gehen hier jedes Jahr mit vollen Auftragsbüchern nach Hause und müssen uns die übrigen Monate nicht mehr um Aufträge kümmern.“ Sein Betrieb bietet Fenster, Haustüren, Markisen, Terrassenüberdachungen und mehr; ein Schwerpunkt liegt explizit auf der Montage. Dass die Besucherzahlen zunächst zu wünschen übrig lassen, erklärt sich Spang damit, dass sich die Verbraucher heute zunehmend über digitale Kanäle informierten.
Dachdecker Jörg Steinbach von den Dachformers aus Braunschweig, der zusammen mit Kollegen auch weitere Gewerke rund um die Immobilie abdeckt, ist dennoch zufrieden mit der B.I.G.: „In Braunschweig haben wir keine solchen Messeplattformen mehr, die fehlen ganz einfach. Deshalb komme ich regelmäßig nach Hannover – auch in Zukunft.“
Die Begeisterung der anderen Aussteller ist jedoch deutlich verhaltener. Gerade die ersten beiden Messetage – Mittwoch und Donnerstag – seien besonders zäh, man hoffe auf mehr Publikumsverkehr am Wochenende, heißt es vonseiten vieler Aussteller. Tatsächlich war die Messe an den Wochenendtagen besser besucht: Veranstalter Heckmann zählte an die 94.000 Besucherinnen und Besucher auf dem Hannoverschen Messegelände – und damit 2.000 mehr als im Vorjahr.
Lange Wartezeiten bei Handwerksbetrieben
Häuslebauer müssen sich auch in diesem Jahr wieder auf lange Wartezeiten bei Handwerksbetrieben einstellen: Die Auftragsbücher seien bei den meisten bereits vor Messebeginn gut gefüllt gewesen, hieß es einhellig beim Standpersonal der verschiedenen Aussteller. Um mittel- oder langfristige Strategien für den eigenen Betrieb machen sich die lokalen Handwerker keine Sorgen: Erst einmal gilt es abzuarbeiten, was ansteht – und das reicht ohnehin bis zum nächsten Winter.
Ausstellerzahlen rückläufig
Vielleicht war das ja einer der Gründe, warum die Anzahl an ausstellenden Handwerksbetrieben auf der B.I.G. seit Jahren nachlässt – wozu werben, wenn es ohnehin nicht besser laufen könnte? Tatsächlich schrumpft die Messe, ist die Nachfrage nach Ausstellungsflächen seit Jahren rückläufig. Vor fünf Jahren noch als neues Flaggschiff für die regionale Bau- und Immobilienbranche und als eigenständige Veranstaltung gegründet, wurde die B.I.G. inzwischen mit zwei weiteren Messen – einer Freizeit- und einer Heimtierausstellung – zusammengelegt.