Einbrecher beißen sich die Zähne aus Auf beschichtetem Holz kleben – ganz ohne Sorgen

Auf der Roadshow der Firmen Remmers, Otto-Chemie, Lohmann sowie Leitz steht ein RC3-Fenstersystem in Holz/Alu im Fokus, bei dem die Scheibenverklebung an der beschichteten Holzoberfläche erfolgt. Was es damit auf sich hat, lernen die Teilnehmer praxisnah kennen.

  • Bild 1 von 3
    © Metzger
    Ö.b.u.v. Sachverständiger Alexander Dupp konnte das RC3-Element nicht überwinden.
  • Bild 2 von 3
    © Metzger
    Das Klebeband von Lohmann bringen Verarbeiter mit dem Handapplikator einfach und schnell im Flügelüberschlag auf.
  • Bild 3 von 3
    © Metzger
    Harald Krewinkel (li.) von Otto-Chemie zeigte den Teilnehmern, wie die Falzgrundverklebung mit Ottocoll S 81 in der Praxis abläuft.

Immer wieder greift Alexander Dupp an, rammt den Kuhfuß in das Fenster, will die Glasanbindung zerstören. Doch vergeblich. Der Randverbund bleibt mit dem Holz verklebt. Nach mehr als fünf Minuten lässt der ö.b.u.v. Sachverständige ab. Damit hat das Element die Anforderungen der Einbruchprüfung gemäß der Widerstandsklasse RC3 bestanden.

Auf beschichtetem Holz kleben

Bei dem Fensterelement handelt es sich um eine Holz/Alu-Konstruktion im System Leitz ClimaTrend Style. Zur Scheibenanbindung kamen ein Klebeband von Lohmann sowie ein 2K-Klebstoff von Otto-Chemie zum Einsatz. Die Besonderheit: Die Klebung erfolgte direkt auf der mit einem System von Remmers beschichteten Holzoberfläche. In enger Zusammenarbeit mit dem ift Rosenheim war es den drei Unternehmen zuvor gelungen, ein konkretes Verfahren für die Klebung lackierter Holzoberflächen zu beschreiben und die ift-Richtlinie VE-08/4 entsprechend zu ergänzen ( GFF berichtete). Damit gibt es nun auch für beschichtete Holzfenster eine geeignete Bewertung für den Nachweis geklebter Konstruktionen. Als erste Unternehmen haben Remmers, Otto und Lohmann für ihre aufeinander abgestimmten Klebe- und Beschichtungssysteme den ift-Prüfnachweis erhalten.

Am Firmensitz der österreichischen Leitz-Niederlassung in Riedau informierten sich Anfang Februar mehr als 50 Fensterbauer über das Verfahren und lernten an vier Praxisstationen kennen, wie das eingangs geteste RC3-Element in Bezug auf die Verklebung gefertigt wird.

Modulares Fenstersystem

Engelbert Tiefenthaler von Leitz stellte zunächst das Fenstersystem ClimaTrend Style vor. Dieses überzeuge optisch mit großen Glaslichten, schlanken Rahmenansichten und einer flächenbündigen Innenansicht. Da dem Holz- und dem Holz/Alu-Fenster jeweils das gleiche Konstruktionsprinzip zugrunde liege, lasse es sich wirtschaftlich produzieren. „Durch den modularen Aufbau ist der Fertigungsablauf für Holz- und Holz/Alu-Fenster einheitlich“, sagte Tiefenthaler. Auch sei durch die Verklebung der Glasscheibe keine Innenglasleiste erforderlich. Martin Wiesmann, Bereichsleiter Remmers Technik Service (RTS) Industrie, ging in seiner Präsentation auf die Induline-Lack- und -Lasursysteme von Remmers ein. Er betonte dabei, dass insgesamt 14.400 Prüfkörper nötig gewesen seien, um das Nachweisverfahren zu beschreiben.

Klebeband applizieren

An den beiden folgenden Praxisstationen ging es um die Anwendung der Klebesysteme. Zur Verklebung der Isolierglasscheibe am Flügelüberschlag von beschichteten Holz- und Holz/Alu-Fenstern hat Lohmann zwei Klebebänder entwickelt: DuploColl 56052 und DuploColl 56055. Bei der Holz/Alu-Konstruktion des Leitz-Fenstersystems appliziert der Anwender das Klebeband am Überschlag innen auf Position 4. Als Vorbereitung gilt es, die Klebeflächen an Profil und Isolierglas zu reinigen – und zwar sowohl in Bezug auf das Lohmann Klebeband als auch auf den Otto 2K-Kleber Ottocoll S 81 für die anschließende Falzgrundverklebung. Noch erfolgt dies mit unterschiedlichen Produkten. „Wir arbeiten daran, unsere Reiniger bzw. Primer zu vereinheitlichen, um die Vorbehandlung zu rationalisieren“, sagte Market Manager Harald Krämer auf Nachfrage von GFF. Bis es so weit ist, befreit der Anwender zunächst die Glaskante von Schmutz. Anschließend behandelt er Randverbund und Falzgrund mit Otto Cleanprimer. Mit Duplotec Cleaner U reinigt er Glaskanten und Glasfalz. Um das Klebeband aufzubringen, nutzt der Verarbeiter einen Handapplikator. „Damit bringen Sie das Klebeband gerade entlang der Profilkante auf“, erläuterte Krämer. Anschließend presst der Anwender das Band an, zieht das Abdeckpapier ab und setzt die Glasscheibe ein.

Falzgrund befüllen

Den Einsatz des Otto-Klebstoffs S 81 am Falzgrund erläuterten Günther Weinbacher, Projektleiter für die geklebte Fassade und Schulungsleiter bei Otto-Chemie, sowie Produktmanager Harald Krewinkel. Sie nutzten dabei den 2K-Klebstoff in der 490 Milliliter BlueLine-Kartusche in Verbindung mit der Druckluftpistole P 495 DP. Zunächst standen auch hier vorbereitende Maßnahmen zur Qualitätssicherung im Fokus. Ihre Anweisungen:

  • Drücken Sie – noch ohne aufgesetzten Statikmischer – so lange Material aus, bis es an beiden Öffnungen gleichmäßig austritt.
  • Setzen Sie den Statikmischer auf und drücken Sie eine kleine Menge an gemischtem Material aus, um eine optimale Mischqualität sicherzustellen.

Um die Homogenität der Mischung zu prüfen, nehmen Verarbeiter den sog. Schmetterlingstest vor. Dazu tragen sie die Masse in der Mitte eines gefalzten Papiers auf, drücken dieses am Falz zusammen und ziehen es wieder auseinander. Anschließend erfolgt die optische Beurteilung des schwarzen Klebeflecks. „Heften Sie das Papier zur Dokumentation der Qualitätskontrolle ab“, gab Weinbacher als Tipp.

Abschließend befüllte Krewinkel den Falzgrund an allen vier Flügelseiten mit dem 2K-Klebstoff. Sein Tipp: Für besonders schmale Klebefugen lässt sich auf den Statikmischer eine Standardkartuschendüse aufschrauben. „Durch Kürzen und Plattdrücken an der Spitze passen Sie die Düse an die jeweilige Fugengeometrie an.“

Das sagt ein Teilnehmer

Für Felix Meixner, Produktionsleiter bei der Schreinerei Engelbert Wolf in Heufeld, war der Workshop gerade in produktionstechnischer Hinsicht sehr interessant. Insbesondere das filigrane Leitz-System gefällt dem Fachmann. „Wenn es eine Möglichkeit gäbe, dass die Glasleisten entfallen könnten, wäre das der Wahnsinn.“ Die immer schmäleren Profile machen nach seinen Angaben – wegen der geringeren Steifigkeit der Elemente – die Scheibenverklebung in Zukunft immer interessanter, zumal nun mit der überarbeiteten ift-Richtlinie ein Arbeitsschritt in der Fertigung entfallen könne. „Bislang kleben wir den Falzgrund vor der Beschichtung ab. Das verursacht immense Kosten.“