Die EU-Kommission treibt einen Normungsauftrag für Fenster und Türen voran, der handwerkliche Betriebe vor massive Hürden stellt. Tischler Schreiner Deutschland (TSD) schlägt Alarm – und kritisiert auch die vorgeschlagenen Erleichterungen.

Der aktuelle Normungsauftrag der Europäischen Kommission für Fenster und Türen stellt handwerkliche Hersteller in Deutschland nach Auffassung von TSD vor erhebliche Herausforderungen. Der Verband mit Sitz in Berlin fordert einen sachgerechten Umgang bei der Umsetzung der Anforderungen und warnt vor unnötigem Zeitdruck seitens der EU-Kommission.
Von zwei auf zirka 100 Anforderungen in 25 Jahren
Die Dimension der regulatorischen Veränderung verdeutlicht ein Blick zurück: Vor 25 Jahren unterlagen lediglich Fenster mit Anforderungen an den Schall- oder Wärmeschutz einer regulatorischen Kennzeichnung per Ü-Zeichen. Heute stehen dem Verband zufolge zirka 60 technische sowie 39 Nachhaltigkeitsanforderungen im Raum. Hinzu komme die Pflicht, für 175 verschiedene gefährliche Substanzen zu prüfen, ob sie in den Produkten enthalten sind. Diese Doppelregelungen – auch im Hinblick auf die Chemikalienverordnung REACH – führten zu hochkomplexen Leistungs- und Konformitätserklärungen (DoPC) sowie erweiterten allgemeinen Produktinformationspflichten (GPI), die den Produkten hinsichtlich Umgang und Sicherheit beizufügen seien.
Unnötiger Zeitdruck seitens der EU-Kommission
Der Normungsauftrag, der derzeit noch mit den EU-Mitgliedstaaten abgestimmt werde, setze die Branche unter erheblichen Druck. TSD sieht in der Forcierung der komplexen Anforderungen einen unnötigen Zeitdruck seitens der Europäischen Kommission. "Wir brauchen Lösungen, die den handwerklichen Betrieben gerecht werden", betont Thomas Radermacher, Präsident von TSD.
Und Dr. Katharina Gamillscheg, Hauptgeschäftsführerin von TSD, ergänzt: "Man soll das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Es braucht Zeit und vor allen Dingen neue Ansätze. Bei auftragsbezogener Fertigung, oft mit Losgröße eins, wie sie in Deutschland tägliche Praxis ist, kann diese Datenflut nicht zielführend sein."
Vorgeschlagene Erleichterungen greifen nicht
Auch die derzeit auf Druck der Verbände diskutierten Erleichterungen der EU-Kommission bewertet TSD kritisch. "Sie sind keine wirkliche Lösung", sagt Radermacher. Sie zeigten vielmehr, dass die Europäische Kommission die Problematik selbst erkannt habe. So stehe unter anderem zur Diskussion, zur Reduzierung der Leistungs- und Konformitätserklärungen pauschal die schlechtesten Leistungswerte anzugeben.
"Der unglückliche Vorschlag – allein um offizielle Regularien zu erfüllen – ist die Angabe des schlechtesten Wertes", sagt Radermacher. "Wir leben in einer Gesellschaft, in der Wettbewerb und Leistung zählen. Gerade mit Blick auf die energetische Effizienz und das Erneuerungspotenzial im Gebäudebestand müssen wir wirtschaftlich argumentieren können. Andernfalls erreicht auch die Bundesregierung ihre Energieziele nicht."
TSD begleitet die Weiterentwicklung der europäischen Bauproduktenverordnung nach eigenen Angaben seit mehr als 20 Jahren. Das Ziel des Verbands sei es, vor dem Hintergrund zunehmender regulatorischer Anforderungen handwerksgerechte Lösungen zu schaffen und das Verständnis für das Handwerk als tragende Säule der deutschen Wirtschaft zu stärken.