GFF nachgefragt Heute an morgen denken: Zeitgemäße Verbandsarbeit

Wir haben mit Hauptgeschäftsführer Dr. Johann Quatmann von Tischler NRW über Onlineangebote für Azubis und Mitglieder gesprochen, wie der Verband die Berufsschulen mit Schulungsmaterial für den Fensterbau unterstützt und wie er mit dem demografischen Wandel im Handwerk und bei seinen Mitarbeitern im Verband umgeht.

Dr. Johann Quatmann ist Tischlermeister und Jurist. Seit 2017 ist er Hauptgeschäftsführer von Tischler NRW sowie der TSG Technologie und Service GmbH in Dortmund. Quatmann ist Jurymitglied im Wettbewerb Fensterbauer des Jahres, der von Holzmann Medien, der EBH AG sowie der TSG getragen wird.
Dr. Johann Quatmann ist Tischlermeister und Jurist. Seit 2017 ist er Hauptgeschäftsführer von Tischler NRW sowie der TSG Technologie und Service GmbH in Dortmund. Quatmann ist Jurymitglied im Wettbewerb Fensterbauer des Jahres, der von Holzmann Medien, der EBH AG sowie der TSG getragen wird. - © Tischler NRW
GFF: Herr Dr. Quatmann, seit 2022 gibt es den Tischler Schreiner Campus, eine Online-Lehrplattform für Azubis, die Tischler NRW entwickelt und für viele andere Landesverbände nutzbar gemacht hat. Die Ausbildung des Nachwuchses ist und bleibt zentral für die Zukunft des Handwerks, wie wird die Plattform genutzt, nehmen die Azubis die Plattform an?

Dr. Johann Quatmann: Aktuell haben wir bundesweit rund 14.500 Auszubildende im Tischlerhandwerk. Etwa 11.000 von ihnen sind als Nutzer auf dem Tischler-Schreiner-Campus registriert. Diese Zahl zeigt sehr deutlich, dass sich die Plattform inzwischen gut etabliert hat und von den Auszubildenden intensiv genutzt wird. Nahezu jeder Landesverband betreibt mittlerweile einen eigenen Campus mit individuellem Logo und eigenen Schwerpunkten, eingebettet in eine gemeinsame technische Infrastruktur.

Was macht die Plattform konzeptionell aus?

Der Campus basiert auf dem Prinzip der Schwarmintelligenz. Es gibt online bereits viele hochwertige fachliche Inhalte. Das Problem ist weniger deren Existenz als vielmehr ihre Zerstreuung. Auszubildende müssten diese Inhalte aktiv suchen und dann fachlich einordnen. Genau hier liegt häufig die Schwierigkeit: Die Bewertung fachlicher Qualität setzt Erfahrung voraus, die Auszubildende naturgemäß erst aufbauen müssen.

Das heißt, Sie prüfen die Inhalte erst und stellen sie dann auf der Plattform ein?

Genau. Die meisten Inhalte auf dem Campus erstellen wir ohnehin selber. Externe Inhalte auf dem Campus werden fachlich und mit Blick auf die Nutzungsrechte geprüft, bevor sie eingestellt werden. So schaffen wir einen zentralen, verlässlichen Lernort, der sowohl digitales Selbstlernen als auch die Arbeit an den Berufsschulen unterstützt.

Können Sie dafür ein konkretes Beispiel nennen?

Ein sehr gutes Beispiel ist der Fensterbau. Dieser kommt im Berufsschulunterricht manchmal zu kurz, ist in der betrieblichen Praxis aber von großer Bedeutung. Um diese Lücke zu schließen, haben wir die Plattform gezielt genutzt. Im Jahr 2024 haben wir gemeinsam mit verschiedenen Herstellern für alle rund 70 Berufsschulstandorte in Nordrhein-Westfalen Fenstermusterecken gebaut und ausgeliefert. Die Schulen verfügen damit über zeitgemäße Anschauungsobjekte.

Ergänzend dazu stellen wir auf dem Campus Lernvideos bereit, in denen Experten aus unserem Haus und von unseren Partnerunternehmen Themen wie Beschläge, Lüftungskonzepte oder fachgerechte Montage erläutern. Diese Kombination aus analogem Anschauungsmaterial und digitalem Lernangebot lässt sich sowohl im Unterricht als auch im Selbststudium der Auszubildenden einsetzen.


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