Das Familienunternehmen Kubasch aus Mecklenburg hat seine Fertigung von Fenstern und Türen komplett digitalisiert – und damit den zweiten Platz beim Award Fensterbauer des Jahres 2026 gewonnen. Die konsequente Neuausrichtung begann mit einem Problem, das viele Betriebe kennen dürften.

Im Jahr 1986 als kleiner Zweimann-Bautischlerei von Tischlermeister Edwin Kubasch im mecklenburgischen Mirow gegründet, hat sich Kubasch Fenster und Türen unter der zweiten Familiengeneration grundlegend gewandelt. Alexander und Christian Kubasch, die beiden Geschäftsführer, haben den Betrieb seit März 2021 konsequent digitalisiert.
Heute arbeiten 70 Mitarbeitende auf 7.000 Quadratmeter Produktionsfläche an Holz- und Holz/Aluminium-Fenstern und -Türen – gesteuert über 40 vollständig digitalisierte Produktionsstationen. Im Jahr 2025 hat Kubasch mit knapp 70 Mitarbeitern auf einer Produktionsfläche von 7.000 Quadratmeter rund 6.000 Fenster sowie 500 Türen gefertigt und damit einen Umsatz von rund zwölf Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Zum Portfolio gehören etwa 30 Holzfenster, darunter klassische 68er Systeme, passivhaustaugliche Fenster sowie Denkmalschutz-, Kasten- und Schwingfenster.
Für sein erfolgreiches Transformationsprojekt hat das Unternehmen den zweiten Platz beim Award Fensterbauer des Jahres 2026 gewonnen, der im Rahmen der FENSTERBAU FRONTALE in Nürnberg vergeben wurde. Die Jury lobte insbesondere die Vision, traditionelle Handwerkskunst mit Hightech zu verbinden. "Es sind die Geschichten des Wandels, die eine Branche wirklich voranbringen. Geschichten von Betrieben, die den Mut haben, sich neu zu erfinden, ohne ihre Wurzeln zu vergessen“, sagte Alexander Holzmann in seiner Laudatio. „Kubasch Fenster und Türen steht exemplarisch für diesen Weg."
Wachstumsschmerzen als Auslöser
Den Anstoß für die Digitalisierung gaben klassische Wachstumsschmerzen. Solange der Betrieb etwa 30 Mitarbeitende beschäftigte, funktionierten die Produktionsabläufe über kurze Wege, informelle Absprachen und das Erfahrungswissen von einzelnen Personen. Mit der stetigen Expansion geriet dieses System jedoch an seine Grenzen: Die Übersichtlichkeit ging verloren, Fragen wie 'Wo befindet sich welcher Auftrag?' oder 'Wird dieser Termin gehalten?' ließen sich nicht mehr zuverlässig beantworten. Papierlisten und Bauchgefühl reichten für eine verlässliche Steuerung nicht mehr aus.
Die Geschäftsführer entschieden sich daraufhin für einen umfassenden Umbau. Das Ziel: den Betrieb von einer traditionellen Bautischlerei zu einem volldigitalisierten Unternehmen zu entwickeln, das effizient, transparent und skalierbar arbeitet. Der Sprung war beträchtlich – von nahezu null digitalen Arbeitsplätzen auf 40 vernetzte Produktionsstationen.
Eigenentwicklung statt Anwendung
Die digitale Produktionslandschaft basiert auf der Software von Klaes. Kubasch verstehe sich jedoch nicht als reiner Anwender, sondern als aktiver Partner: Integration, Prozessverbesserung, Weiterentwicklung und neue Ideen stammten aus dem eigenen Betrieb. Zahlreiche Funktionen seien gemeinsam mit dem Softwarehersteller verfeinert worden – häufig angestoßen durch konkrete Anforderungen aus der täglichen Produktion.
Kubasch habe sich so zu einem Referenzbetrieb entwickelt, an dem andere Unternehmen und Softwarehersteller studieren könnten, wie digitale Fertigung im Handwerk funktioniere. Regelmäßig führen die Geschäftsführer nach eigenen Angaben Kolleginnen und Kollegen aus anderen Betrieben durch ihre Produktion, um Einblicke in umsetzbare Digitalisierung zu geben.
Messbare Ergebnisse in der Praxis
Die volldigitale Produktion hat nach Angaben des Unternehmens klar messbare Vorteile geschaffen. Jeder Auftrag sei jederzeit im System sichtbar – einschließlich Fortschritt, Verantwortlichkeiten und nächster Arbeitsschritte. Holz, Beschläge und Zeiten erfasse das System automatisch und werte sie monats- oder jahresgenau aus.
Kalkulationen basierten auf echten Produktionsdaten statt auf Schätzungen, und neue Abläufe ließen sich direkt mit früheren Prozessen vergleichen. Die Kapazitätsplanung erlaube es, exakt zu berechnen, wie viel die Teams leisten könnten und wie sich die Produktion auslasten lasse.
Als konkrete Auswirkungen nennt das Unternehmen eine deutlich verbesserte Terminzuverlässigkeit, reduzierten Materialverbrauch, spürbar höhere Produktivität sowie skalierbare Strukturen für weiteres Wachstum. Die Mitarbeitenden profitierten von klaren Prozessen und besserer Unterstützung im Arbeitsalltag.
Nachhaltigkeit als zweite Säule
Von Beginn an habe der Fokus nicht allein auf Digitalisierung gelegen, sondern auch auf Nachhaltigkeit, betont das Unternehmen. Photovoltaik, LED-Beleuchtung, energieeffiziente Maschinen, eine intelligente Verwertung von Reststoffen, FSC-zertifizierte Hölzer und Mehrwegverpackungen bildeten zentrale Bausteine.
Die papierarme digitale Fertigung trage zusätzlich dazu bei, den Ressourcenverbrauch zu senken. Auch nach außen setze Kubasch auf Modernität – mit zeitgemäßer Website, Social-Media-Präsenz und offenem Austausch mit der Branche.
Fensterbauer des Jahres: Wettbewerb findet alle zwei Jahre statt
Im zweijährlichen Turnus, ist GFF einer von drei Partnern bei der Vergabe des Awards Fensterbauer des Jahres. Alle Infos zu dem Wettbewerb Fensterbauer des Jahres finden Sie hier.
