Pro & Contra Wie gut sind UV-Markierungen als Vogelschutz?

Andreas Winter ist CEO von Arnold Glas.
Andreas Winter ist CEO von Arnold Glas. - © Arnold Glas
Catherina Schlüter ist Referentin für Vogelschutz sowie Trainee Vogelschutz und Ornithologie beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) in Berlin.
Catherina Schlüter ist Referentin für Vogelschutz sowie Trainee Vogelschutz und Ornithologie beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) in Berlin. - © Schlüter

Pro: Andreas Winter, CEO von Arnold Glas

Das Ziel von Arnold Glas ist die Entwicklung vogelfreundlicher Produkte, die eine breite Akzeptanz finden. Dies sind transparente UV-Markierungen in verschiedenen Varianten, aber auch ansprechende Design-Markierungen – jedes Produkt hat sein Einsatzgebiet und seine Berechtigung. Unserer Erfahrung nach streben Architekten und Gebäudenutzer nach größtmöglicher Transparenz. Insofern sind UV-Markierungen sehr beliebt und ein architekturtauglicher Kompromiss. ­Ornilux Mikado Gläser wurden umfassend von der American Bird Conservancy (ABC) geprüft, erfüllen die ABC-Kriterien für vogelfreundliche Gläser und sind zum Teil schon seit mehr als zehn Jahren in Projekten weltweit erfolgreich im Einsatz. Bei der Bewertung folgt ABC der Annahme, dass Gläser, die im Test von weniger als 30 Prozent der Vögel angeflogen werden, in der Realität mindestens 50 Prozent der Kollisionen verhindern. Dieser Ansatz ist praxisorientiert und bietet hohe Flexibilität bei der Auswahl vogelfreundlicher Lösungen. Die Herausforderung in Deutschland liegt darin, ein Konzept für Gefahrenzonen an Gebäuden zu entwickeln, das den Einsatz unterschiedlicher vogelfreundlicher Glastypen zulässt. Während es nachvollziehbar ist, besonders gefährliche Bereiche für Vögel mit sichtbaren Markierungen zu versehen, sind für viele andere Glasflächen Gläser mit nahezu unsichtbarer UV-Beschichtung eine gute Lösung, die gern angenommen wird. Die Kombination unterschiedlicher Maßnahmen wird den Vogelschutz wirklich voranbringen.

Contra: Catherina Schlüter, Naturschutzbund Deutschland (NABU)

Das Mitdenken von Vogelschutz an Glas, vor allem in der Planungsphase, birgt enormes Potenzial, das jährliche Sterben von Millionen von Vögeln in Deutschland zu reduzieren. Unsere gefiederten Freunde sind begnadete Flieger, die jedoch nicht auf harte, durchsichtige Strukturen in ihrer Flugbahn eingestellt sind. Sie können Glas nicht als solches erkennen und kollidieren mit diesem – für den Menschen nützlichen – Baustoff. Da dieser weiterhin Verwendung finden wird, liegt es in unserer Hand, den Verbau von Glas vogelfreundlich zu gestalten. Dafür ist es unabdingbar, Glas für Vögel sichtbar zu machen. Derzeit gilt hier: Was für das menschliche Auge nicht sichtbar ist, ist auch für das Vogelauge nicht sichtbar. Aus diesem Grund sind weitgehend transparente UV-Licht reflektierende Markierungen derzeit keine Vogelschutzlösung. Zwar können viele Vogelarten Licht im ultravioletten Bereich wahrnehmen. Aktuelle Untersuchungen im Freiland zeigen jedoch keine, wenn überhaupt eine schwache Schutzwirkung von UV-Markierungen auf Glasscheiben. Sowohl nachträglich aufgebrachte als auch in Glasscheiben integrierte UV-Markierungen sind daher gegenwärtig nicht zu empfehlen. Die noch fehlende Transparenz von wirksamen Vogelschutzlösungen an Glas kann durch das Mitdenken von Vogelschutz in der Planungsphase sowie durch eine Portion Kreativität ausgeglichen werden. Insbesondere Glasflächen von öffentlichen oder Firmengebäuden lassen sich durch wirksame Vogelschutzlösungen ästhetisch aufwerten.

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