Randverbund und Anlagentechnik Trend geht in Richtung Automatisierung

Ralf Wolter ist Leiter des Bereiches Sales Engineering der Bystronic Lenhardt GmbH in Neuhausen-Hamberg. Durch seine jahrzehntelange Zusammenarbeit mit weltweit ansässigen Isolierglas-Kunden besitzt er ein umfangreiches Wissen und Erfahrung über den globalen Markt. Im Gespräch mit GFF äußerter sich zum Thema Randverbund und Anlagentechnik.

Ralf Wolter, Bystronic glass
Ralf Wolter ist Leiter des Bereiches Sales Engineering der Bystronic Lenhardt GmbH in Neuhausen-Hamberg. - © Bystronic glass

GFF: Wie sieht für Sie eine effiziente Fertigung von Isolierglas in Bezug auf Abstandhalter aus?

Ralf Wolter: Die Produktion von Isolierglaseinheiten basiert traditionell auf zwei parallelen Produktionssträngen, der Abstandhalterfertigung und der Isolierglasfertigung. Heute sehen wir uns zusehends mit der Frage konfrontiert, ob es eine separate Fertigung von konventionellen Abstandhaltern in der Isolierglasproduktion geben muss.

Bei Bystronic glass sehen wir einen anhaltenden Trend hin zur integrierten Fertigung von Abstandhaltern, wie z.B. TPS®- oder flexible Abstandhalter. Diese Fertigungsmethoden bieten den Vorteil, dass der Abstandhalter automatisch auf die Glastafeln aufgetragen wird und somit während des Produktionsprozesses kein manuelles Auflegen der Abstandhalter nötig ist.

Wie unterscheidet sich die Fertigung von Isolierglas mit flexiblen (Butyl) und starren (Alu) Abstandhaltern?

Im Wesentlichen wird unterschieden, ob flexible Abstandhalter mit CNC gesteuerten Applikatoren aufgetragen werden oder ob der Prozess der Rahmenfertigung auf Einzelmaschinen stattfindet. Dies bedeutet in der Regel starre Rahmen zu biegen oder zu schweißen und anschließend mit Trockenmittel zu befüllen. Bei Abstandhaltern wie TPS oder flexiblen Abstandhaltern ist das Trockenmittel bereits integriert.

Wo sehen Sie auf den einzelnen Gebieten Schwierigkeiten und wie sind diese zu meistern?

Wie bei jedem System gibt es sowohl bei starren als auch bei flexiblen Abstandhalter-Systemen Vor- und Nachteile. So ist das die Anbringung von Sprossen außerhalb des Isolierglas-Fertigungsprozesses an einen starren Rahmen einfacher. Bei den integrierten Lösungen ist die Montage der Sprossen in den Rahmen herausfordernder. Die verfügbare Farbauswahl ist bei starren Abstandhaltern größer.

Klare Vorteile bieten Systeme wie bspw. TPS bei der Produktion von Dreifach-Isolierglaseinheiten aufgrund der geringen Fertigungstoleranzen und der damit erzielten, hohen Positioniergenauigkeit der Abstandhalter. Hingegen wirkt sich bei manchen starren Profil-Typen bei der Produktion von Dreifach-Isolierglaseinheiten der nach dem Biegeprozess auftretende Memory-Effekt nachteilig aus. Dieser kann zu ungleicher Positionierung des Abstandhalters auf den Glastafeln führen.

Welche Neuerungen gibt es auf dem Gebiet?

Bei der Isolierglas-Fertigung mit starren Abstandhaltern geht der Trend weiterhin in Richtung Automatisierung. Als Beispiele sind hier das automatisierte Befüllen der Rahmen mit Trockenmittel, die Applikation des Butyls und die automatische Rahmenpositionierung zu nennen.

Weltweit betrachtet sehen wir bei der automatischen Applikation von flexiblen Abstandhaltern eine Entwicklung hin zu neuen Kombinationsmöglichkeiten mit weiteren Sekundärversiegelungsmaterialen.

In welchen Bereichen steckt weiteres Verbesserungspotenzial?

In jedem Bereich gibt es sicherlich weiteres Verbesserungspotential. Gerade in Zeiten, in denen Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle spielt, sehen wir uns als Maschinenproduzent dazu verpflichtet, die Entwicklung in diesem Bereich voranzutreiben. Dennoch muss die Frage erlaubt sein, inwieweit weitere Optimierungen der bestehenden Abstandhaltersysteme noch sinnvoll sind, oder ob nicht alternative Konzepte bezogen auf den Randverbund eine realistische Chance im Markt haben.