Damit Monteure auch künftig sicher einbauen Wie sich Facharbeiter vor Abstürzen schützen

Teils mangelhafte Gerüste sowie Absturzsicherungen auf Baustellen, dazu ein neuer Gefahrtarif für die Bauwirtschaft: Um den Arbeitsschutz ist es auch in der Branche nicht immer zum Besten bestellt. GFF testete bei MSA Safety in Berlin eine Range an persönlicher Schutzausrüstung (PSA).

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    Ernstfall erleben: Mit Safety io testet Uwe Manzke die MSA-Sicherheitsausrüstung zunächst virtuell.
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    Hier testet Uwe Manzke die MSA Safety-Absturzsicherung nochmal – diesmal in real life.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat aus den Jahren 2009 bis 2016 mehr als 400 Unfallberichte zu tödlichen Absturzunfällen ausgewertet. Demnach bilden Abstürze einen deutlichen Schwerpunkt, was Ursachen für tödliche Arbeitsunfälle betrifft. Zusammengefasst im Faktenblatt „Tödliche Arbeitsunfälle – Absturzunfälle“ stürzte jedes dritte Unfallopfer aufgrund fehlender Sicherungsmaßnahmen vom Dach oder durch eine Lichtkuppel. Bei mehr als jedem zehnten Unfall erfolgte der Sturz aus weniger als zwei Meter Höhe. Insbesondere ältere Beschäftigte tragen ein erhöhtes Unfallrisiko. Die Unfallopfer waren fast ausschließlich männlich.

Neuer Gefahrtarif in Bauwirtschaft

Um die Sicherheit zu steigern, ist am 1. Januar 2018 der dritte Gefahrtarif der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) in Kraft getreten. Die Höhe der Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung verteilt sich damit entsprechend der aktuellen Unfallgefahren neu. Betroffen ist hier vor allem das Zimmererhandwerk, das erstmals eine eigene Tarifstelle erhält. Die BG BAU fördert die Anschaffung von kleinen, leichten Höhensicherungsgeräten und von geeigneten sog. Persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz (PSAgA) in Verbindung mit einer erfolgreichen Teilnahme an einer Schulung zum Handling der entsprechenden Ausrüstung.

Abstürze gedämpft abfangen

Ein Anbieter solcher Schutzausrüstungen ist MSA Safety mit Hauptsitz in den USA. Der Hersteller hat eine neue Serie von Absturzsicherungs-Sets eingeführt, die Unternehmen den Schutz ihrer Mitarbeiter in der Höhe einfacher machen sollen: Diese neuen Sets bieten eine einfache Absturzsicherungslösung von der Stange. „Mit Werkzeugen ausgestattet erreicht der Handwerker schnell ein Gesamtgewicht von 140 Kilogramm. Das war Anlass für MSA, über den Mindeststandard der Gewichtszulassung zu gehen“, sagt Uwe Reber, Geschäftsentwicklungsleiter für Absturzsicherung bei MSA Safety. Jedes Set wird zum problemlosen Transport in einem leichten Rucksack geliefert. Fassadenwerker, Gerüstbauer, Dachdecker, Bauarbeiter, Wartungspersonal oder Arbeiter auf mobilen Hubarbeitsbühnen unterliegen einem höheren Arbeitsunfallrisiko. Mit 15 Produktionsstandorten und mehr als 40 internationalen Standorten hat MSA in diesem Jahr die mehr als 40-jährige Geschichte seiner Absturzsicherungen in Deutschland ausgebaut. Unter dem Produktnamen Latchways Personal Rescue Device (PRD) vertreibt das Unternehmen eine spezielle Anwendung für fahrbare Hubarbeitsbühnen. Im industriellen Bereich können die MSA Latchways als Einbereichs-Systeme für Spannweiten bis zu 60 Meter eingesetzt werden. Dies hilft dem Anlagenbesitzer, Kosten und Arbeitszeit für die Installation zu sparen, während die Nutzung für die Arbeitnehmer sicher und einfach bleibt.

Das Sortiment der MSA V-Serie ist durch das hochwertige Polycarbonat-Klarsicht-Gehäuse zu erkennen. Diese Absturzsicherungen kommen weltweit zum Einsatz und werden in aufwändigen Sicherheitstests geprüft. Bei den horizontalen Lösungen verfügt der Anschlagpunkt über eine Dämpfungsfunktion. Die auftretenden Kräfte werden im Fallereignis nicht auf das Dach abgelenkt. So könne eine Nachrüstung an der Dachoberfläche, wie z.B. bei Kalzip-Stehfalzdächern, erfolgen, ohne das Dachträgermaterial zu beschädigen. Dennoch sollte bei jeder Gebäudeplanung ein Budget für die Absturzsicherung vorgesehen werden, nachträgliche Zugangslösungen bzw. Anschlagpunkte würden die Projektkosten unnötig steigern. Es gibt Unterschiede in den Sicherheitsanforderungen. „Für den Arbeitsschutzbeauftragten im Fassadenbereich kann bei der Risikoabschätzung eine Risikopyramide mit einer kollektiven Lösung sinnvoll sein, z.B. bei Tätigkeiten am Geländer oder an der Mauer. Die nächste Stufe ist die Eignungsprüfung einer persönlichen Schutzausrichtung“, beschreibt Reber. „Bei der industriellen Schutzausrüstung werden besondere Maßstäbe und Normen gesetzt. Diese ist nicht mit einer Bergsteigerabsicherung bzw. seilgeführten Sicherungstechnik zu vergleichen, denn unterschiedliche Normen und Techniken bei der industriellen Ausrüstung setzen andere Maßstäbe.“ Ein externes Falldämpfungselement in der persönlichen Schutzausrüstung wirke unabhängig vom Ereignis und von der Fallhöhe. Komme es einmal zu einem Absturz, könne ein in die Vorrichtung integrierter Fallindikator, dieser sei bei allen MSA-Absturzsicherungen enthalten, auf das Schadensereignis hinweisen.

Absturzsicherung virtuell erleben

Ein weiterer Faktor für mehr Verlässlichkeit der Sicherheitsausrüstung ist die zunehmende Digitalisierung in diesem Bereich. Safety io, demnächst als Ausgründung in Berlin-Adlershof ansässig, vernetzt Schutz-ausrüstungen und lässt dabei Anwender Absturzsicherungslösungen von MSA erleben – in der Virtual Reality – ohne, dass sich diese in Gefahr begeben. Mit der Ausgründung von Safety io soll die Entwicklung der Anwendungssoftware mit der MSA Cloud Connectivity praktische Erkenntnisse bringen. Zu den Entwicklungsbereichen gehören Lösungen für den Kopf-, Augen-, Gesichts- und Gehörschutz, ebenso Atemschutztechnik, Feuer- und Rettungshelme, stationäre Gas- und Flammenerkennung sowie tragbare Gasmesstechnik. Mit dem V-Gard Green Hard Hat wurde ein Schutzhelm aus nachwachsenden Rohstoffen entwickelt.

Mit Dachherstellern entwickelt

Die EU-Kommission hat festgelegt, dass Anschlageinrichtungen der Typen A, C und D nach EN 795: 2012 nicht mehr als persönliche Schutzausrüstung gelten, sondern Bestandteil der Struktur sind. Nach der vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) erarbeiteten nationalen Anforderung (Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung, kurz AbZ) für die Prüfung und Zertifizierung können die zertifizierten Produkte, wie die MSA Latchways Constant Force Dachanker, das Ü-Zeichen tragen. MSA erfülle mit der Constant Force Dachanker-Vorrichtung, die auf Kalzip-Alu-Stehfalzdächern (65/400) verwendet wird, diese Zertifizierung, heißt es auf dem Pressetermin in Berlin. Durch das DIBt getestet und in Zusammenarbeit mit führenden Dachherstellern entwickelt, werden keine zusätzlichen Verstrebungen oder Verstärkungen benötigt. Das System hat sich bei einigen bekannten Gebäuden, wie der Grand Central Station in New York oder dem Europäischen Parlament in Straßburg, bereits bewährt.