Im Fensterbau steigt der Bedarf an effizienten Prozessen – und Künstliche Intelligenz wird zunehmend zum Produktivitätsfaktor. Ein KI-Experte und ein Fachbetrieb ordnen ein, wo sich konkrete Mehrwerte bereits realisieren lassen. Zudem stellen ein Hersteller und ein Softwareunternehmen KI-Lösungen vor, die Abläufe verbessern und Daten intelligent vernetzen.

Künstliche Intelligenz ist im Handwerk längst keine Zukunftsmusik mehr, sondern ein digitaler Geselle, der schon im Büroalltag unterstützt. "Insbesondere durch generative Modelle wie GPT manifestiert sich die KI als niederschwelliges, skalierbares Werkzeug", bestätigt Christoph Krause, Projektleiter beim Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk. „Die Revolution findet nicht an der CNC-Fräse statt, sondern dort, wo Angebote geschrieben, Kundenanfragen beantwortet und Prozesse dokumentiert werden.“
Der am schnellsten realisierbare Hebel liegt laut dem KI-Experten in der Automatisierung administrativer Prozesse. Eine KI könne heute Ausschreibungen analysieren, wiederkehrende Kunden-E-Mails beantworten oder Social-Media-Beiträge entwerfen. Das entkoppele die wertvolle Arbeitszeit des Meisters oder der Bürofachkraft von Standardaufgaben. "In der Fertigung wiederum sprechen wir über Predictive Maintenance, die Auswertung von Maschinendaten zur vorausschauenden Wartung", so Krause weiter.
24/7-Kundenberater und digitales Gedächtnis
Häufig seien Betriebe telefonisch mit Standardfragen, z. B. nach Öffnungszeiten an Samstagen oder aktuellen Förderungen, blockiert. Das binde enorme Kapazitäten im Büro. „Ein Chatbot, der mit einem Dokument dieser FAQs trainiert und auf der Webseite eingebunden wird, kostet vielleicht 50 bis 150 Euro im Monat. Wenn dieser nur zwei bis drei Stunden administrativer Arbeit pro Woche einspart, indem er diese Anfragen automatisch beantwortet, ist der Return on Investment sofort spürbar“, beschreibt er einen Quick Win.
Darüber hinaus sei das Wissensmanagement ein wichtiger Hebel. Dazu Krause: "Das größte Kapital und zugleich Risiko im Handwerk ist das Wissen in den Köpfen der Mitarbeiter – gerade auf der Baustelle", sagt er. "Mündliche Absprachen, schnelle Entscheidungen zwischen Tür und Angel – nichts davon ist dokumentiert." Verlasse der erfahrene Meister das Unternehmen, sei sein Wissen weg. Komme es zur Reklamation, fehle die Beweiskette. „Die Lösung ist ein digitales Gehirn für den Betrieb“, so der Experte. Der Prozess sei einfach: Der Monteur diktiere Beobachtungen, Ergebnisse einer Baubesprechung oder ein Mängelprotokoll direkt ins Smartphone. Eine KI transkribiere das Gespräch in Echtzeit. Eine nachgelagerte KI-Ebene analysiere diesen Rohtext, extrahiere die Fakten und gieße sie in ein standardisiertes Protokoll. "So geht nichts mehr verloren", konstatiert Krause. Das Ergebnis sei eine neue Wissensdatenbank, die sekundenschnelle Abfragen ermögliche. „Der ROI ist hier die Reduktion von Missverständnissen, die Absicherung gegen Haftungsrisiken und die Transformation von flüchtigem Mitarbeiterwissen in skalierbares Unternehmenskapital“, beschreibt er den Gamechanger.
Gewachsene Prozesse überdenken
Wie bei jedem neuen Hilfsmittel schafft die Einführung der KI eine neue Komplexität. "Sie zwingt den Betrieb, die oft über Jahre gewachsenen Prozesse zu überdenken“, beschreibt er die Lernkurve. „Aber genau dieser Zwang zur Prozessanalyse ist der nachhaltige Gewinn." Erst dann könne KI ihre volle Wirkung entfalten und werde zum Hebel gegen den Fachkräftemangel – nicht, indem sie Personal ersetze, sondern sie deren knappe Zeit für wertschöpfende Tätigkeiten maximiere.
Die größte Hürde beim Einstieg ist laut dem KI-Profi das fehlende Prozessverständnis. "Viele Betriebe funktionieren nach dem Prinzip: Das haben wir schon immer so gemacht", sagt er. Ein weiterer Bremsklotz sei die Angst vor dem Unbekannten. Deshalb plädiert Krause dafür, die Mitarbeiter zu Mitgestaltern zu machen. "In unseren KI-Werkstätten erleben die Teams, wie die Technologie unbeliebte Aufgaben erleichtert. Wenn der persönliche Nutzen spürbar wird, wandelt sich Skepsis in Neugier und die Implementierung wird zum Selbstläufer", schildert er seine Erfahrung.
Praxistipps auf der FENSTERRBAU FRONTALE 2026
Auf der FENSTERRBAU FRONTALE 2026 in Nürnberg vermittelt Christoph Krause auf der Bühne des neuen Zukunftsraums Handwerk (Halle 7, Stand 116/117) Praxiswissen zum Thema KI. Dabei richtet er einen klaren Blick in den Maschinenraum. "Ich zeige live, mit welchen simplen Werkzeugen man heute schon erstaunliche Ergebnisse erzielt", sagt er. Weitere Themen seien die Erstellung guter Prompts, Automatisierung von Prozessen in drei Schritten und Unterstützungsangebote. Zudem sei im Zukunftsraum Zeit für persönliche Begegnungen und konkrete Fragen der Betriebe. „Jeder Teilnehmer soll eine handfeste Idee für den eigenen Werkzeugkasten erhalten", bekräftigt er.
Darüber hinaus bietet das Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk in Koblenz allgemeine Schulungen zu KI sowie persönliche Begleitungen durch KI-Trainer an. "Wenn ein Betrieb mit einer Idee oder einem Problem, etwa einem ineffizienten Büroprozess, zu uns kommt, setzt sich ein KI-Trainer virtuell oder vor Ort mit dem Unternehmen zusammen, analysiert den Status quo und entwickelt einen pragmatischen Umsetzungsplan", so der Projektleiter. Das Zentrum sei dabei anbieterneutral. Ziel sei es, den Betrieb zu befähigen, die für ihn richtige Entscheidung zu treffen und die ersten Schritte zu gehen. „Der einfachste Ansatz für interessierte Betriebe ist es, eine kostenfreie Online-Sprechstunde bei uns zu buchen“, so seine Empfehlung. "In 60 Minuten kann man mit einem KI-Trainer sein individuelles Anliegen durchleuchten und verlässt diesen Termin mit einer konkreten Handlungsempfehlung."