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Große GFF-Diskussionsrunde am ift Rosenheim Was es mit dem Kriterium der Überrollbarkeit auf sich hat

Zwei Vertreter der Fensterbau-Praxis, Alumat mit seinem Vertriebspartner für Österreich und die Schweiz, eine spezialisierte Agentur für barrierefreies Bauen und Vertreter des ift um Prof. Ulrich Sieberath diskutierten mit GFF über das ift-Forschungsprojekt zum Thema Barrierefreiheit. Deutet sich ein Paradigmenwechsel weg von der Nullschwelle hin zur Überrollbarkeit an? Eine Zusammenfassung.

Nullschwelle vs. Überrollbarkeit – ein möglicher Paradigmenwechsel? Zu diesem Thema diskutierten in Rosenheim auf GFF-Initiative und unter Moderation von Chefredakteur Reinhold Kober Schreinermeister Hubert Luidl, Martin Werner, Abteilungsleiter Fensterbau von Huber&Sohn, Ferdinand Schusser von Alumat-Vertriebspartner Schusser+Schmid, Architektin Kornelia Grundmann von der Agentur gabana, Claudia Rager-Frey und Christian Rager (beide Alumat) sowie Prof. Ulrich Sieberath, Knut Junge und Sandra Heinrichsberger (alle ift).

Neue Möglichkeiten im Bestand

Prof. Ulrich Sieberath räumte mit Bezug auf das eigene Forschungsprojekt zum Thema Barrierefreiheit zunächst mit einem Missverständnis auf. Demnach spricht sich das Institut grundsätzlich sehr wohl für die Umsetzung niveaugleicher Schwellen aus, insbesondere im Neubau. "Wir wollen an den gesetzlichen Vorgaben nicht rütteln. Die Nullschwelle ist an sich die beste Lösung", sagte der Institutsleiter. Was im Neubau von der Umsetzung her gut klappt, stoße im Bestand bisweilen aber auf Probleme – technische und wirtschaftliche. Mit nunmehr quantifizierbaren, im Forschungsprojekt erarbeiteten Kriterien sollen die differenzierte Planung, Ausschreibung und Umsetzung möglich werden, auch und gerade für die Bestandssanierung.

Als wesentliche Kenngröße hat sich dabei die Überrollbarkeit herauskristallisiert. Das Kriterium treffe die Intention der barrierefreien Zugänglichkeit besser als eine pauschale Vorgabe der Schwellenhöhe. Die im Forschungsprojekt entwickelte Klassifizierung (von Klasse 6 für eine ebene Fläche bis zu Klasse 1 für eine 20 Millimeter hohe, rechtwinkelige Schwelle) ermögliche den Vergleich der Schwellensysteme.

Planer und Ausführende sensibiliseren

Fensterbauspezialist Martin Werner sieht das Kriterium der Überrollbarkeit positiv. In baulich ungünstigen Situationen hätten Kunden dadurch mehr Möglichkeiten als nur die für Barrierefreiheits-Ansprüche inakzeptable Zwei Zentimeter-Schwelle. Für alle unlösbaren Fälle ergeben sich für die ausführenden Unternehmen nun differenziertere Optionen für die Umsetzung, pflichtete Knut Junge bei. Claudia Rager-Frey legte dabei Wert auf die Feststellung, dass die Klassifizierung der Überrollbarkeit alleine noch nichts darüber aussage, ob die Schwelle auch dicht ist und andere Merkmale erfüllt. Die Alumat-Lösung sei hingegen ein geprüftes Gesamtsystem. "Insbesondere im Neubau lässt sich unsere Lösung problemlos verwenden", sagte Rager-Frey. Sie ist froh, dass sich das Forschungsprojekt entgegen ihren Befürchtungen nur auf Renovierungsfälle beziehen soll ("Damit kann ich gut leben"). Die Alumat-Lösung als funktionierende Nullschwelle werde so nicht ausgehebelt, was die Verbreitung im Markt betrifft. "Ich bin froh, dass für den Neubau in der Runde Konsens herrscht, dass nur die Nullschwelle wirklich barrierefrei ist."

Für eine breiter angelegte Umsetzung barrierefreier Lösungen müssen jetzt nur noch die Planer und ausführenden Unternehmen mitspielen. Kornelia Grundmann hat da Bedenken. Nicht selten kommt es ihren Angaben zufolge vor, dass neben Bauausführenden auch Architekten nicht über das notwendige Know-how verfügen, um Barrierefreiheit richtig umzusetzen. Qualifizierungsmaßnahmen seien erforderlich. "Vor allem die Planer gilt es, für dieses Thema zu sensibilisieren", mahnte die Architektin.

GFF-Diskussionsrunde zu Barrierefreiheit

Am ift Rosenheim hat unter Federführung von GFF eine große Diskussionsrunde zum Thema Barrierefreiheit mit Bezug auf die sog. Nullschwelle bzw. das neue Kriterium der Überrollbarkeit stattgefunden. Vier der insgesamt zehn Teilnehmer äußern sich hier vor der GFF-Kamera: Prof. Ulrich Sieberath, Institutsleiter ift Rosenheim, Martin Werner, Abteilungsleiter Fensterbau bei Huber & Sohn, Claudia Rager-Frey, Geschäftsführerin Alumat, Kornelia Grundmann, Architektin und Inhaberin gabana – Architektur für Barrierefreiheit.

Die ausführliche, mehrseitige Zusammenfassung der Diskussionsrunde am ift Rosenheim lesen Sie in der Septemberausgabe der GFF.

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