Wenige Stunden, bevor die Messe Düsseldorf die Verschiebung der glasstec 2020 offiziell bekannt gegeben hat, hatte sich Gimav, der italienische Verband der Hersteller und Lieferanten von Maschinen, Zubehör und Spezialprodukten für die Glasbearbeitung, im Namen der italienischen Glasindustrie dafür ausgesprochen, aufgrund der noch nicht ausgestandenen Corona-Pandemie alle Messen bis zum Ende des Jahres 2020 abzusagen. „Die Teilnahme an Messen im Jahr 2020 macht keinen Sinn“, heißt es in der von Gimav-Präsident Michele Gusti unterschriebenen Stellungnahme, die nach Verbandsangaben 98 Prozent der beteiligten Mitgliedsunternehmen mittragen würden. Darin kündigt Gimav an, dass kein italienischer Aussteller vor Ende 2020 an einer Messe-Veranstaltung teilnehmen werde – unabhängig davon, ob eine geplante Messe stattfindet oder nicht. Darüber hinaus enthält das Statement die eindringliche Empfehlung, keine abgesagten Veranstaltungen aus diesem Jahr in den ohnehin schon vollgepackten Messekalender für das Jahr 2021 zu verschieben.
So reagiert die glasstec
Wie glasstec-Chefin Birgit Horn auf Anfrage von GFF klarstellt, hatte das Gimav-Statement keinen Einfluss darauf, den Termin im Herbst abzusagen. „Wir hatten bereits vor der Kommunikation des Gimav unsere Entscheidung getroffen – in Abstimmung mit zahlreichen, auch italienischen Unternehmen, dem Messebeirat sowie mit unseren Trägerverbänden, die sich auch in unserer Kommunikation klar positionieren“, sagt Horn. Die Entscheidung, die Messe auf den Juni 2021 zu verlegen, basiere ebenfalls auf einer gemeinsamen Überlegung. „Wir wollen der Industrie schnellstmöglich wieder eine Plattform bieten und dies natürlich rechtzeitig in einer Phase der konjunkturellen Belebung nach Corona und mit einer hohen internationalen Beteiligung“, sagt Horn. Die Terminoptionen für 2021 seien mit dem Beirat und der Industrie diskutiert worden. „Der 15. bis 18. Juni ermöglicht die unter den aktuellen Umständen größtmögliche Planungssicherheit für alle Beteiligten. Auch gibt es keine unmittelbaren Überlappungen mit anderen relevanten Messen in diesem Zeitraum des kommenden Jahres.“
Welche Rolle spielt die Vitrum?
Jedoch findet im Oktober 2021 die Vitrum in Mailand statt, die Hausmesse der Italiener. Das Gimav-Schreiben hatte sich vor diesem Hintergrund durchaus dahingehend interpretieren lassen, dass die eigene Messe von einer gänzlich abgesagten Weltleitmesse profitieren könnte. „Gimav vertritt die Interessen seiner Mitglieder aus dem Maschinenbau, die derzeit vor großen Herausforderungen stehen – und die Vitrum als wesentliche Einnahmequelle des Gimav hat hier natürlich eine besondere Bedeutung für den Verband“, bewertet etwa Bohle-Vorstand Arne Klöfkorn das Schreiben für GFF. Lisec-CEO Gottfried Brunbauer weist darauf hin, dass mit dem vergleichsweise langen Lockdown der italienischen Maschinenbauindustrie diese Unternehmen zum Teil mit deutlich schwierigeren Herausforderungen konfrontiert seien als beispielsweise die deutsche Maschinenbauindustrie. Den Appell, keine Messen auf 2021 zu verlegen, kann er durchaus nachvollziehen. „Teilnahmen an Messen bedeuten nicht nur einen relativ hohen Aufwand auf der Kostenseite eines Unternehmens – ganz wesentlich sind auch die Beiträge aus F&E sowie aus den Innovations- bzw. Technikbereichen, um einen Mehrwert des Messeauftritts für die Kunden bzw. Besucher abbilden zu können“, sagt Brunbauer. Unabhängig von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise seien die betrieblichen Abläufe der meisten Unternehmen in den zurückliegenden Wochen empfindlich gestört gewesen. „Dementsprechend schwierig sind die Messeplanung 2021 und der Umgang mit dem Überangebot, welches durch die Verschiebungen entsteht – dies betrifft natürlich auch die Vitrum durch die Verschiebung der glasstec auf den Juni 2021.“
Gimav fühlt sich falsch verstanden
Auf Nachfrage von GFF betont Michele Gusti nun in einem weiteren Schreiben, dass die im Namen der Mitglieder verfasste Stellungnahme nicht als Angriff auf irgendeine Veranstaltung gemeint gewesen sei. Vielmehr hätten beim Wunsch, keine abgesagten Messen auf 2021 zu verschieben, die Interessen der Aussteller mit Blick auf eine sinnvolle, budgetorientierte Planung der Messeteilnahmen im nächsten Jahr im Fokus gestanden. Darüber hinaus stellt Gusti klar, dass der Stellenwert der Vitrum bei den italienischen Unternehmen so hoch sei, dass die Messe es gar nicht nötig habe, „verteidigt werden zu müssen“.
