Energieeffizienz kommt zuerst, um die Klimaziele von Paris zu erreichen. Darin waren sich die Eröffnungsredner der 23. Internationalen Passivhaustagung in Gaobeidian einig. Zum ersten Mal veranstaltete das Passivhaus Institut seine jährliche Tagung vom 9. bis 11. Oktober 2019 in China. Auf dem Programm standen mehr als 20 Vortragsreihen und Workshops sowie die Auszeichnung der Gewinner des Component Award und des Innovation Award.

„Es war genau die richtige Entscheidung, nach China zu gehen. Das Engagement zum höchst energieeffizienten Bauen und zur nachhaltigen Entwicklung beeindruckt uns, gerade hier in der Provinz Hebei. Wir gehen diesen Weg gerne weiter mit“, erklärte Prof. Dr. Wolfgang Feist, Gründer des Passivhaus Instituts. In Gaobeidian begleitet das Passivhaus Institut die Entwicklung der Passivhaus-Siedlung Bahnstadt, die nach dem Vorbild der deutschen Bahnstadt in Heidelberg auf höchste Energieeffizienz im Passivhaus-Standard setzt.
1,5 Grad sind noch möglich
Wenn die über 20 Hochhäuser sowie mehrere Mehrfamilienhäuser fertig gestellt sind, wird die Bahnstadt Gaobeidian die größte Passivhaus-Siedlung der Welt sein. Die Siedlung beeindruckte auch Prof. Diana Ürge-Vorsatz. Die Umweltwissenschaftlerin wies als Mitglied des Weltklimarats IPCC in ihrer Eröffnungsrede darauf hin, dass der Juli 2019 der heißeste Monat seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen war. Die gute Nachricht: „Auch wenn viele nicht mehr daran glauben, das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, ist noch erreichbar. Allerdings unter großen Anstrengungen“, sagte sie. Die Zeit sei knapp.
Warum bauen wir noch anders?
Im Gebäudebereich böten gerade Passivhäuser die Chance, den Bedarf an Energie deutlich zu reduzieren und gleichzeitig den Bonus von erhöhtem Wohnkomfort zu genießen. „Passivhäuser sind mit demselben Budget möglich wie andere Gebäude, außerdem gesünder, warum bauen wir überhaupt noch anders?“, fragte Ürge-Vorsatz. Der Politiker und Co-Präsident des Club of Rome, Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker nannte mit Blick auf die Grenzen des Wachstums den derzeitigen Lebensstil „selbstmörderisch“. Auch von Weizsäcker betonte die Notwendigkeit, den Energiebedarf zu reduzieren und z. B. anstatt auf neue Kohlekraftwerke auf klimaneutrale Technologien zu setzen. Er sprach sich dafür aus, die Preise für Energie jährlich zu erhöhen.
Fast 80 Zertifikate aus China
In seinem Vortrag skizzierte Prof. Dr. Wolfgang Feist die erfolgreiche Geschichte von Passivhäusern in China. Er erklärte zudem, dass es gerade in wärmeren Regionen nötig sei, während der Sommermonate mit reduziertem Energieeinsatz zu kühlen und dazu z.B. die solaren Lasten zu verringern. „Zusammen mit angemessener Dämmung und verbesserten Komponenten verbessert sich auch die Qualität der Raumluft erheblich“, so Feist. Er verwies dabei auf die mittlerweile rund 80 Fenster von chinesischen Herstellern, die ein Zertifikat als Passivhaus-Komponente erhalten haben und mindestens doppelt so effizient sind wie die konventionellen Produkte.
Innovation Award 2019
Zahlreiche Hersteller von Passivhaus-Komponenten erhielten in Gaobeidian ein Zertifikat für ihr Produkt, darunter viele chinesische Hersteller. Der Innovation Award ging an das Unternehmen EcoCocons, Slowakei/Litauen, für sein Konstruktionssystem aus Stroh, an Q-Blue, Niederlande, für sein System zur Duschwasser-Wärmerückgewinnung, an Swisspacer, Schweiz, für das neue Fenster-Abstandhalterkonzept Triple sowie an Windoor City, China, für ein Holzfensterkonzept mit Aluminiumschale, das an alle Klimazonen angepasst werden kann.
Component Award 2019
Am Component Award 2019 für thermisch verbesserte Fenster, den die Europäische Union im Rahmen des Projekts AZEB (Affordable Zero Energy Buildings) förderte, beteiligten sich über 23 Unternehmen aus 12 Ländern. Der erste Preis in der Kategorie kaltes Klima ging an den Hersteller Harbin Sayyas Windows aus China für das Fenster Pazen 120, für das kühlgemäßigte Klima an ENERsign aus Wittlich für das Fenster ENERsign primus, für das warmgemäßigte Klima an Daimaru Kogyo (Japan), Blumer Lehmann (China) und Seda (Neuseeland) für das Holz-Aluminiumfenster smartwin compact sowie an Eurofinestra aus Italien für das Holzfenster Zen. Die 14 Preisträger sind auf der Webseite des Passivhaus Instituts veröffentlicht.