Fenster- und Fassadenbranche VFF attackiert Ministerien wegen Gebäudetyp E

Der Verband Fenster und Fassade (VFF) wirft zwei Bundesministerien mangelnde Wissenschaftlichkeit vor und warnt vor den Folgen ihrer Pläne zum Gebäudetyp E. Besonders eine Empfehlung zur Kostensenkung stößt auf scharfe Kritik: Fenster- und Glasflächen sollen reduziert werden.

VFF-Geschäftsführer Frank Lange fordert die involvierten Ministerien auf, ihr Papier zum Gebäudetyp E grundlegend zu überarbeiten. - © Foto: VFF

Der Verband Fenster + Fassade (VFF) geht scharf mit dem gemeinsamen Eckpunktepapier zum Gebäudetyp E ins Gericht, das das Bundesministerium der Justiz und das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen vorgelegt haben. Nach Angaben des Verbands gefährdet das Papier zentrale Grundsätze von Qualität, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit und sendet in der Phase einer ohnehin angespannten Baukonjunktur falsche Signale.

Die beiden Ministerien hätten baufachliche Planungsansätze aus verschiedenen Pilotprojekten offenbar ungeprüft und ohne Einbindung von Verbänden oder anderen relevanten Akteuren übernommen, kritisiert der VFF. Damit sei die Chance vertan worden, belastbares, wissenschaftlich fundiertes Branchenwissen zu berücksichtigen. Das Papier sehe tiefgreifende Eingriffe in Bau- und Qualitätsstandards vor – ohne ein Verfahren, das Expertise, Erfahrungswissen oder Branchenanalysen der verschiedenen Bauindustrien einbeziehe.

Fensterflächen reduzieren als Kostenhebel

Besonders kritisch bewertet der Verband die Empfehlung, aus Kostengründen Fenster- und Glasflächen zu reduzieren und von Vorgaben des sommerlichen Wärmeschutzes abzuweichen. Diese pauschale Empfehlung führe nachweislich nicht zu einer signifikanten Senkung der Baukosten, gefährde aber die für die Gesundheit erforderliche Tageslichtversorgung und die notwendige Anpassung von Gebäuden an den Klimawandel.

Die Empfehlung ignoriere jahrzehntelange Forschung, europäische Studien, gesundheitliche Erkenntnisse und bauphysikalische Grundsätze, so der VFF. "Wer billig baut, baut nicht effizient – und langfristig meist deutlich teurer", heißt es in der Stellungnahme des Verbands. Fenster, Türen und Fassaden haben eine Lebensdauer von 50 Jahren und mehr. Entscheidungen über deren Dimensionierung sollten daher laut VFF nicht als kurzfristige Sparoptionen gesehen werden. Sie bestimmen die Qualität, die Nutzbarkeit und die Energieeffizienz eines Gebäudes über Generationen. Die alleinige Betrachtung anfänglicher Herstell- und Investitionskosten übersehe den langfristigen ökologischen, ökonomischen und sozialen Mehrwert.

Einseitige wissenschaftliche Grundlage bemängelt

Der VFF wirft den Ministerien auch vor, ihre Empfehlungen zur transparenten Gebäudehülle lediglich auf eine einzige Studie zu stützen, die "Daumenregeln" zugrunde lege und zu einseitigen und vereinfachten Empfehlungen komme. Eine fundierte Betrachtung der Auswirkungen auf Energieeffizienz und langfristige Energiebezugskosten, sommerlichen Wärmeschutz, Tageslichtversorgung, gesundheitliche Innenraumqualität, Barrierefreiheit, Schallschutz, Sicherheit sowie die langfristigen Lebenszykluskosten von Gebäuden fehle.

Der VFF und die Repräsentanz Transparente Gebäudehülle (RTG) haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Studien mit renommierten Instituten wie dem Ingenieurbüro Prof. Dr. Hauser und dem ift Rosenheim durchgeführt. Darin seien winterlicher und sommerlicher Wärmeschutz, Fragen der Gesundheit, Tageslichtversorgung, der Lüftung und des Wohnkomforts ebenso untersucht worden wie Schallschutz, Sicherheit, Aspekte der Barrierefreiheit und des altersgerechten Bauens.

Ergänzt wurden diese Analysen durch umfassende Nachhaltigkeitsuntersuchungen mittels Lebenszyklusanalysen sowie durch Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen sowohl im Neubau als auch in der Sanierung. Aktuell erarbeitet die RTG zudem eine umfassende Studie zu angemessenen und effizienten Anforderungen an Fenster, Türen und Fassaden im Neubau. Keine dieser Erkenntnisse finde sich im Eckpunktepapier der Ministerien wieder, bemängelt der Verband.

Warnung vor Arbeitsplatzverlusten

Die Bauwirtschaft befinde sich in einer der schwersten Krisen der vergangenen Jahrzehnte, warnt der VFF des Weiteren. Ein Aufruf, künftig mit "reduzierten Fensterflächen" zu bauen, treffe unmittelbar eine industriepolitisch relevante Wertschöpfungskette und gefährde damit zahlreiche sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze sowie bedeutende Steueraufkommen bei Produktion, Vertrieb und Montage.

"Einfaches Bauen ja – aber nicht durch Abschaffung von Tageslicht, Komfort, Sicherheit und Energieeffizienz", sagt VFF-Geschäftsführer Frank Lange. Der Verband appelliert an beide Ministerien, das Papier grundlegend zu überarbeiten und auf wissenschaftlich fundierte, bauphysikalisch sinnvolle und sozial ausgewogene Eckpunkte zurückzukommen.

Der VFF möchte über seine Hauptstadtrepräsentanz und seine bundesweit vertretenen Mitgliedsunternehmen aktiv das Gespräch mit Abgeordneten des Deutschen Bundestages und den zuständigen Ressorts suchen. Das Ziel sei es, tragfähige, belastbare und effiziente Eckpunkte für den Gebäudetyp E zu entwickeln, die langfristig wirkten – zusammen mit Wissenschaft, Planung, Bauwirtschaft und Verbänden.