Natürliche Lüftungssysteme rücken verstärkt in den Fokus von Energieeffizienz und Innenraumhygiene. Rainer Venhoven, Energieberater und Leiter der Systemberatung von Regel-air Becks erklärt im Interview mit dem Unternehmen, wie viel Frischluft noch behaglich ist – und ab wann es ungesund wird.
Herr Venhoven, überschreitet ein Luftvolumenstrom von mehr als 12 m³/h bei 8 Pa bereits die Grenzen der Behaglichkeit?
Venhoven: Einzelwerte sind immer nur Momentaufnahmen. Ein definierter Luftvolumenstrom bei einem Prüfdruck sagt zunächst wenig darüber aus, wie sich ein Raum im realen Betrieb anfühlt. Entscheidend sind Raumgröße, Nutzung, Temperatur, Luftfeuchte, Belegung und die Druckverhältnisse am Gebäude. Behaglichkeit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler Faktoren – nicht aus einem einzelnen Messwert.
Besonders relevant ist das Verhalten eines Lüftungssystems bei hohen Winddrücken. Denn genau dort zeigt sich, ob ein System Zugerscheinungen vermeidet oder ob kurzfristige Windböen zu stark erhöhten Luftmengen führen.
Beim FFL-smart sehen wir, dass der Luftvolumenstrom selbst bei 100 Pa nur minimal ansteigt – von 16,1 auf 16,7 m³/h. Das ist ein deutlicher Hinweis auf eine wirksame Regelung. Andere Systeme erreichen bei 100 Pa dagegen 30 m³/h oder sogar über 100 m³/h. Solche Werte können in der Praxis zu deutlichen Komforteinbußen führen.
Heißt das, mehr Frischluft ist automatisch unbehaglich?
Nein. Zu wenig Luft führt zu steigenden CO₂‑Werten und Feuchtigkeit – lange bevor Sauerstoffmangel ein Thema wird. Zu viel unkontrollierte Außenluft kann dagegen Zugerscheinungen verursachen. Die Frage ist nicht: viel oder wenig Luft? Die Frage lautet: kontrolliert oder unkontrolliert. Ein gutes System muss den Luftstrom über den gesamten Druckbereich zuverlässig begrenzen.
Der FFL-smart erreicht hohe Luftvolumenströme und gleichzeitig Schallschutzwerte bis Klasse 5. Wie gelingt diese Kombination?
Das ist nur über eine gezielte Luftführung und eine präzise mechanische Regelung möglich. Der FFL-smart ist kein einfaches Loch im Fenster, sondern ein volumenstromabhängig regelnder Fensterfalzlüfter. Die Luft wird durch einen definierten Strömungsweg geführt, während die Klappenmechanik den Luftstrom abhängig vom Winddruck begrenzt – ganz ohne Energiebedarf.
Für den Schallschutz ist die konstruktive Gestaltung des Luftwegs entscheidend. Man darf die Öffnung nicht einfach verkleinern, sonst fehlt die Luftmenge. Stattdessen muss der Strömungsweg so gestaltet sein, dass Schallbrücken unterbrochen werden und die akustische Wirkung des Fensters erhalten bleibt. Der hohe Schallschutz ist daher immer eine Eigenschaft des Gesamtsystems aus Fenster, Verglasung, Dichtungen und Lüfter.
Wie passt ein Fensterfalzlüfter in moderne Energie- und Lüftungskonzepte – insbesondere mit Blick auf Wärmeverluste?
Ein häufiger Irrtum ist, dass ein Fensterfalzlüfter permanent große Luftmengen einströmen lässt. Genau das verhindert die Klappenregelung. Der Luftstrom wird nur so weit geöffnet, wie es die Drucksituation erlaubt. Bei hohen Winddrücken begrenzt die Mechanik den Luftstrom sofort. So wird einerseits die notwendige Grundlüftung sichergestellt, andererseits unnötige Wärmeverluste vermieden.
Und wie passt das zur geforderten Dichtheit moderner Gebäudehüllen?
Sehr gut. Die Gebäudehülle muss dicht sein – aber sie braucht definierte, kontrollierte Lüftungswege. Dichtheit und Lüftung sind keine Gegensätze. Sie sind zwei Seiten derselben Medaille. Ein System wie der FFL-smart ermöglicht genau das: eine dichte Gebäudehülle und gleichzeitig eine bedarfsgerechte, natürliche Grundlüftung. Darüber hinaus bietet Regel-air Lüftungssysteme an, bei denen der Nutzer den Luftvolumenstrom individuell an seinen jeweiligen Bedarf anpassen kann.
