Beim insolventen Bauelemente-Hersteller Höhbauer mit Sitz in Luhe-Wildenau hat die Suche nach einem Investor begonnen. In den vergangenen beiden Wochen hat der vorläufige Insolvenzverwalter sich zudem einen Überblick über den Auftragsbestand verschafft und nach Lösungen für die zirka 800 betroffenen Kunden gesucht.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Volker Böhm von der Kanzlei Schultze & Braun hat beim Bauelemente-Hersteller Höhbauer mit Sitz in Luhe-Wildenau die Suche nach einem Investor eingeleitet. In einem strukturierten Investorenprozess ermittelt und kontaktiert Böhm mögliche Interessenten aktiv. Nach Unterzeichnung einer Vertraulichkeitsvereinbarung erhalten diese Einblick in Unternehmenszahlen und -daten und geben auf dieser Grundlage erste Angebote ab, wie die Kanzlei mitteilt.
„Höhbauer verfügt über eine hochqualifizierte Belegschaft, hervorragendes Fertigungs-Know-how und ist in der Region sehr stark positioniert. Das macht eine Übernahme für potenzielle Investoren interessant", sagt Böhm.
Nahezu alle angezahlten Aufträge sollen erfüllt werden
Der Geschäftsbetrieb läuft nach Angaben der Kanzlei weiter. In den vergangenen zwei Wochen hat sich das Team um Böhm einen Überblick über den Auftragsbestand verschafft und nach Lösungen für die zirka 800 betroffenen Kunden gesucht. „Vor allem Kunden, die Anzahlungen geleistet haben, droht in der Regel ein Totalausfall", sagt der vorläufige Insolvenzverwalter. „Wir haben deshalb bei jedem einzelnen Auftrag überprüft, ob eine Ausführung trotzdem wirtschaftlich und insolvenzrechtlich möglich ist."
Das Ergebnis: Nahezu alle vor dem Insolvenzantrag erteilten und angezahlten Aufträge lassen sich dem Insolvenzverwalter zufolge ausführen. In der Mehrzahl der Fälle erfolge die Auslieferung der bestellten Fenster kostenneutral. In den übrigen Fällen sei eine im Verhältnis zur Auftragssumme moderate Nachzahlung erforderlich – abhängig von der Höhe der Anzahlung und dem Fertigstellungsstand des jeweiligen Auftrags. Die betroffenen Kunden hat das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits informiert oder mit individuellen Angeboten kontaktiert.
Lediglich in zehn Fällen sei eine Fertigstellung nicht möglich. „Für die betroffenen Kunden ist das bitter, aber das Insolvenzrecht erlaubt hier keine andere Option", sagt Böhm. „In diesen Fällen wäre eine Fertigstellung zum wirtschaftlichen Nachteil der Insolvenzmasse und damit der Gläubigergesamtheit, und das lässt die Insolvenzordnung nicht zu."
Branchenkrise führte in die Insolvenz
Höhbauer fertigt und vertreibt Fenster und Türsysteme aus Holz, Aluminium und Kunststoff sowie Wintergärten. Wie GFF berichtete, stellte die Geschäftsführung den Insolvenzantrag, nachdem die langfristige Finanzierung des Unternehmens infolge von Umsatzrückgängen nicht mehr gesichert war. Gestiegene Preise für Energie, Material und Personal sowie höhere Zinsen hatten die Nachfrage nach Neubau- und Sanierungsprojekten einbrechen lassen. Das Amtsgericht Weiden i. d. Oberpfalz bestellte Böhm am 22. September 2026 zum vorläufigen Insolvenzverwalter.
Bereits zum Zeitpunkt der Antragstellung sah Böhm grundsätzlich gute Voraussetzungen für eine Sanierung: Höhbauer sei ein gut geführtes Familienunternehmen mit mehr als 75 Jahren Tradition und einem ausgezeichneten Ruf im Markt. Böhm hob zudem das Engagement der Belegschaft hervor: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützten Kunden und Insolvenzverwalter mit hohem Einsatz, jeden einzelnen Auftrag zu klären und nach Möglichkeit zu erfüllen.