Randverbund erhält neue Rolle Swisspacer und Sika stellen Adhera Window Technology vor

Auf der glasstec präsentierten Swisspacer und Sika eine Lösung, mit der Isolierglaseinheiten stärker zur Stabilität des Fensters beitragen. Die Adhera Window Technology eröffnet Möglichkeiten für größere Glasflächen, schlankere Rahmen und einen geringeren Materialeinsatz. Die Technik wurde mit Pilotkunden erprobt und steht vor der Markteinführung.

Swisspacer und Sika stellten auf der glasstec die kurz vor der Markteinführung stehende Adhera Window Technology vor. Die gemeinsam entwickelte Systemlösung ermöglicht es, dass die Isolierglaseinheit einen größeren Beitrag zur Stabilität des gesamten Fensters leisten kann.
Swisspacer und Sika stellten auf der glasstec die kurz vor der Markteinführung stehende Adhera Window Technology vor. Die gemeinsam entwickelte Systemlösung ermöglicht es, dass die Isolierglaseinheit einen größeren Beitrag zur Stabilität des gesamten Fensters leisten kann. - © Swisspacer

In der Fenstertechnik wachsen die Ansprüche an Design, Komfort und Ressourceneffizienz. Gleichzeitig sollen Materialeinsatz und Gewicht sinken, ohne Stabilität und Dauerhaftigkeit zu beeinträchtigen. "Entscheidend ist, diese Anforderungen nicht mit immer mehr Komplexität zu beantworten. Swisspacer und Sika haben sich deshalb gemeinsam die zentrale Frage gestellt: Muss die notwendige Stabilität des Fensters vor allem aus Profil und Armierung kommen, oder kann die Isolierglaseinheit selbst einen größeren Beitrag leisten?", erklärt Matthias Bach, CEO von Swisspacer.

Aus dieser Überlegung entstand rund um die glasstec 2022 die Ausgangsidee für die Adhera Window Technology. Vier Jahre später steht die gemeinsam entwickelte Lösung nun vor der Markteinführung.  "Das Grundprinzip ist, dass wir die Statik und die Steifigkeit des gesamten Fensters, also aus dem Flügel-Rahmen inklusive Stahlverstärkung, direkt ins Isolierglas gebracht haben", sagt Matthias Hägler, Global Head Building Components bei Sika.

Der Randverbund als Hebel

Die Adhera Window Technology setzt sich aus einem speziell entwickelten Klebstoff von Sika und einem ebenfalls eigens dafür entwickelten Warme-Kante-Abstandhalter von Swisspacer zusammen. Der neue Abstandhalter unterscheidet sich hinsichtlich Geometrie, Materialzusammensetzung und Oberflächenbeschaffenheit von den bisherigen Abstandhaltern aus dem Swisspacer-Portfolio.

Entscheidend ist das Zusammenspiel beider Komponenten: Gemeinsam verbinden sie die Glasscheiben zu einer deutlich steiferen Isolierglaseinheit. Dadurch entstehen laut den beiden Unternehmen neue Freiheitsgrade für die Fensterkonstruktion.

Weniger ist mehr

Ein konkreter Ansatzpunkt liegt laut Swisspacer und Sika im Kunststofffensterbau. Abhängig von System, Elementgröße und Anwendung könne die zusätzliche Steifigkeit dafür sorgen, dass Profilstahl im Flügel reduziert oder in bestimmten Konfigurationen sogar ganz darauf verzichtet werden kann.

Weniger Stahl und ein geringerer Materialeinsatz im Rahmen können das Elementgewicht senken und damit Transport und Montage erleichtern. Ein reduzierter Stahleinsatz wirke sich zudem positiv auf den U-Wert aus. Darüber hinaus eröffne die Materialeinsparung Potenzial, den CO₂-Fußabdruck der Fensterproduktion zu reduzieren.

Patrick Seitz (li.) nahm für Projektpartner Aluplast an der Produktvorstellung teil, daneben der Repräsentant von Bayerwald und Thomas Bok von Groke (ganz rechts).
Patrick Seitz (li.) nahm für Projektpartner Aluplast an der Produktvorstellung teil, daneben der Repräsentant von Bayerwald und Thomas Bok von Groke (ganz rechts). - © Swisspacer

Der konstruktive Spielraum beschränke sich dabei nicht auf die Materialreduktion: Die höhere Steifigkeit könne auch größere und höhere Elemente mit geringeren Ansichtsbreiten ermöglichen. Eine Änderung der Profilgeometrie sei dabei nicht zwingend erforderlich, da die Dicke des Glaspakets unverändert bleibt.

In der Praxis validiert

Neben internen Untersuchungen und Prüfungen nach relevanten EN-Normen wurde die Technologie gemeinsam mit Pilotpartnern aus verschiedenen Bereichen der Wertschöpfungskette getestet, darunter Aluplast, Bayerwald sowie Groke. Die Zusammenarbeit ermöglichte die Bewertung der Technologie aus unterschiedlichen Perspektiven – von der Systemauslegung über das fertige Fensterelement bis hin zu Fertigungsprozessen.

Für den Einsatz in der Fensterfertigung hebt Matthias Dick, Business Development Manager bei Sika, die Nutzung vorhandener Maschinen hervor: "Fensterhersteller können die Technologie mit den Maschinen verarbeiten, die sie bereits im Einsatz haben. Eine Umstellung ihrer Produktion ist dafür nicht erforderlich. Zusätzlich kann ein Prozessschritt entfallen und den Fertigungsablauf vereinfachen."

Nächster Schritt: Markteinführung

Die gemeinsam entwickelte Lösung soll als Gesamtsystem unter der Bezeichnung Adhera Window Technology developed by Swisspacer & Sika in den Markt eingeführt werden. "Die Zukunft gehört Lösungen, die mit weniger Aufwand mehr leisten und sich einfach in bestehende Prozesse integrieren lassen. Mit der Adhera Window Technology möchten wir einen Beitrag dazu leisten, die Grenzen des bislang Machbaren weiter zu verschieben", betont Corinna Düring, Teamleiterin Marketing bei Swisspacer.

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