Schüco Geschäftsbilanz 2020 Stabilität trotz global schwieriger Märkte

Die Schüco Gruppe erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2020 einen Umsatz von 1,695 Milliarden Euro und blieb damit knapp unter dem Vorjahresumsatz (1,75 Milliarden Euro). Als herausfordernd erwiesen sich die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Maßnahmen und Beschränkungen. Wachstumstreiber waren die günstigen Finanzierungsbedingungen und der hohe Bedarf an Wohnraum, insbesondere auf dem deutschen Markt.

Über eine gläserne Brücke wurde ein Anschluss zur Unternehmenszentrale geschaffen, die somit Bestandsgebäude und Neubau zur Unternehmenszentrale Schüco One verbindet. - © Frank Peterschröder / Schüco International KG

Für die Schüco Gruppe arbeiteten im Jahresdurchschnitt 2020 insgesamt 5.650 Mitarbeiter. 3.840 Mitarbeiter beschäftigte das Unternehmen in Deutschland, davon wiederum 2.310 in Ostwestfalen-Lippe. Die Investitionssumme lag 2020 mit knapp 54 Millionen Euro sechs Millionen Euro über Vorjahr. Mehr als 17 Millionen Euro davon flossen in die 2016 gestarteten Baumaßnahmen zur Standorterweiterung. Das wirtschaftliche Eigenkapital der Schüco Gruppe liegt unverändert bei rund 70 Prozent.

Neugründung in Korea

Im August 2020 wurde die Schüco Korea Ltd. in Seoul gegründet. Durch diese neue koreanische Tochter soll die Marktbekanntheit und Vertriebsreichweite vor Ort gestärkt und ausgebaut werden. Damit verfügt Schüco weltweit über 47 Standorte und ist international in mehr als 80 Ländern aktiv.

Entwicklung Geschäftsbereich Metallbau

Im Geschäftsjahr 2020 wurde die bis Februar positive Umsatzentwicklung des Geschäftsbereiches Metallbau (Aluminium und Stahl) in Euroopa aufgrund der Covid-19-Pandemie maßgeblich beeinträchtigt. Insbesondere die staatlichen Lockdown-Maßnahmen ab März 2020 führten zu temporären Baustellenschließungen und folglich zu Produktionsunterbrechungen bei Metallbaupartnern. Auch zeitliche Verschiebungen von Projekten in Planung und Ausführung beeinflussten die Umsätze negativ. Zu den am stärksten betroffenen Regionen im Aluminiumbereich zählten die Märkte in Frankreich, Italien (mit Betriebsunterbrechung für mehrere Wochen), UK und Polen. Positiv war die Entwicklung in den Märkten Portugal, Island, Dänemark und Estland. Der Werkstoff Stahl erfreute sich wie bereits in 2019 einer gestiegenen Nachfrage und hat seinen Umsatz wiederum gesteigert. Durch erhebliche Kosteneinsparungen in allen Ländern konnten die negativen Ergebnisauswirkungen in Euroopa insgesamt abgemildert werden, so dass der Geschäftsbereich Metallbau in dieser Vertriebsregion einen Umsatz von 1.065 Millionen Euro erzielen konnte. Für Deutschland liegt der Umsatz bei 520 Millionen Euro – 1,5 Prozent unter Vorjahresniveau.

In China und Indien verzeichnete das Unternehmen pandemiebedingt ein geringeres Geschäftsvolumen gegenüber Plan und Vorjahr. Andere asiatische Märkte wie Südostasien konnten ihren Umsatz gegenüber Vorjahr steigern. Positiv ist der Markteintritt der im abgelaufenen Geschäftsjahr gegründeten Gesellschaft in Korea hervorzuheben. In den südamerikanischen Märkten konnte wechselkursbereinigt der Absatz gegenüber Vorjahr ausgebaut werden. Russland erreichte nahezu den Vorjahresumsatz, während die Türkei diesen sogar übertraf. Trotz der Pandemie hat der Bereich International einen Umsatz von 260 Millionen Euro erwirtschaftet.

Entwicklung Geschäftsbereich Kunststoff

Der Geschäftsbereich Kunststoff entwickelte sich trotz der Corona-Krise insgesamt positiv und verzeichnete im Geschäftsjahr ein nur leicht unter der Erwartungshaltung liegendes Wachstum. Die Euroopäischen Absatzmärkte haben sich dabei heterogen entwickelt. Wachstumstreiber waren die Märkte in Polen und den Niederlanden. Insgesamt konnte dieser Geschäftsbereich 280 Millionen Euro Umsatz erzielen, im Kernmarkt Deutschland lag der Umsatz mit 115 Millionen Euro sieben Prozent über dem Vorjahresniveau.

Standort- und Referenzausbau

Das größte Schüco eigene Neubau- und Sanierungsprojekt ist der Bielefelder Standortausbau, für den insgesamt die Investitionssumme von rund 95 Millionen Euro über fünf Jahre bereitgestellt wird. Der vom renommierten Kopenhagener Architekturbüro 3XN geplante Neubau soll im ersten Quartal 2022 bezogen werden. Die Montage der extra für dieses Gebäude entwickelten Fassade erfolgte in 2020. Über eine gläserne Brücke wurde ein verbindender Anschluss zur bisherigen Unternehmenszentrale geschaffen, die somit Bestandsgebäude und Neubau zur Unternehmenszentrale Schüco One verbindet.

Auch die Baumaßnahmen für das neue barrierefreie Schüco Welcome Forum, dass als erste Anlaufstelle in Zukunft bis zu 25.000 Besuchern jährlich einen Blick auf die Schüco Welt bietet, nahmen 2020 weiter Gestalt an. In Zukunft wird auf einer großzügig dimensionierten Ausstellungsfläche das aktuelle Produktsortiment inklusive digitaler Supportfunktionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette gezeigt. Und eine komplette Fertigungsstraße repräsentiert den Bereich Maschinen. Dank großflächig geplanter Fensterbänder wird der Maschinenbereich auch von außen einsehbar sein und als gläserne Manufaktur fungieren. Ein einladendes Café mit Terrasse sowie flexibel nutzbare Besprechungs-, Verkaufs- und Präsentationsräume komplettieren das Raumangebot des neuen Besucherzentrums. Die Fertigstellung des Gebäudes nach Entwürfen des Düsseldorfer Architekturbüros one fine day ist für das 1. Quartal 2022 geplant.

Im November 2019 starteten die Modernisierungsarbeiten für das ebenfalls zum Schüco Campus gehörende Gebäude Schüco Corporate Services an der Ecke Herforder Straße/Karolinenstraße. Hier finden die Mitarbeitenden des Finanz- und IT-Bereiches ihre neue Wirkungsstätte. Der Bezug ist für Spätsommer 2021 geplant. Das Bürogebäude erhält u. a. ein neues Antlitz: Die bisherige Doppelfassade wurde durch die neue Schüco Elementfassade AF UDC 80 ersetzt. Sie setzt nicht nur neue Maßstäbe im Hinblick auf Energieeffizienz, sondern auch in puncto Design und Flexibilität.

Ausblick für 2021

Schüco ist sehr gut in das Jahr 2021 gestartet. Das Unternehmen rechnet in Deutschland mit einem positiven Marktumfeld durch das anhaltende niedrige Zinsniveau und registriert international stabile Marktumfelder mit Wachstumspotenzial. Weltweit zieht die Konjunktur trotz Corona weiter an. Seit Beginn des Jahres kann Schüco hohe Auftragseingänge insbesondere im Wohnbaubereich verzeichnen, die für das gesamte Jahr eine hohe Auslastung mit sich bringen. Mit dieser extremen Nachfrage gehen jedoch Versorgungsengpässe und damit verbundene Preiserhöhungen auf der Materialseite einher. Betroffen sind hier vor allem die Werkstoffe Kunststoff, Aluminium und Stahl. Hierdurch ist Schüco aktuell nicht in der Lage, allen bestehenden Lieferverpflichtungen termingerecht nachzukommen. Die Produktionen in Weißenfels und Borgholzhausen sowie alle Logistikbereiche arbeiten unter Einhaltung der Schutz- und Hygienemaßnahmen intensiv daran, die Materialversorgung der vielen Schüco Partnerbetriebe so gut wie möglich sicherzustellen. Da nicht absehbar ist, wie lange diese Schwierigkeiten auf der Einkaufsseite bestehen werden, ist eine Prognose über den Verlauf dieses Jahres schwierig.