Laut Glasermeister und ö.b.u.v. Sachverständiger Jürgen Sieber nehmen die Schadensfälle im Zusammenhang mit der Raumlüftung zu. Häufig wird nach seinen Angaben kein Lüftungskonzept für den notwendigen Luftaustausch erstellt und die umgesetzten Maßnahmen greifen zu kurz.
GFF: Herr Sieber, Sie sind als Gutachter immer mal wieder mit Problemfällen der Raumlüftung befasst. Was ist die häufigste Schadensursache?
Die häufigste Schadensursache ist, dass sehr dicht gebaut wird, jedoch kein Lüftungskonzept für den notwendigen Luftaustausch erstellt wird. Auf Gutdünken umgesetzte Lüftungsmaßnahmen greifen meist zu kurz, weil dem Dichtigkeitswert des Gebäudes (Blower-Door-Wert) keine Rechnung getragen wird. Beispielsweise wird die Anzahl von Fensterfalzlüftern nicht richtig ausgelegt.
In Kombination mit WC-Abluftanlagen passiert es, dass die Leistung der Abluftanlage nicht mit den Zuströmöffnungen der Fensterfalzlüfter abgeglichen wird. Es wird dann nicht genügend Luft nachgeführt, was, wie in einem aktuellen Fall, zu Zuglufterscheinungen an der Schwelle der Hebeschiebe-Tür führen kann. Mit dem Finger wird dann auf den Fensterbauer gezeigt, obwohl er gar nichts dafür kann.
Übrigens kann beim Einsatz von Fensterfalzlüftern auch der Rollladen zum Problem werden. Schließt dieser dicht, versperrt man damit in der Nacht den Zuluftstrom für den Lüfter.
Wer ist für die Erstellung des Lüftungskonzepts verantwortlich?
Grundsätzlich ist es Aufgabe des Planers, sich um das Lüftungskonzept zu kümmern. In der Sanierung ist meist kein Planer eingebunden: Wird mehr als ein Drittel der Fenster getauscht, muss der Fensterbauer seinen Kunden auf die Notwendigkeit eines Lüftungskonzepts hinweisen. Er kann die Erstellung anbieten und übernehmen. Am Markt sind verschiedene Tools erhältlich, die ihn dabei unterstützen.
Im Zuge der Ausbreitung von Doppel- und Dreifachverglasung sowie WDVS in Neu- und Altbau haben Experten immer wieder auf die Bedeutung von sachgerechter Lüftung hingewiesen. Der Erfolg bzw. Misserfolg lässt sich schwer messen. Wie ist Ihre Einschätzung? Haben Sie häufiger Schadensfälle auf dem Tisch als früher?
Die Lüftungskonzeption wird unterschätzt, daher hat die Anzahl der Schadensfälle zugenommen. Wir haben heute in den Gebäuden eine andere Situation als vor 30 Jahren, da dichter gebaut wird. Es muss ein Luftaustausch stattfinden und dafür ist es nötig, ein Lüftungskonzept zu erstellen, auf dessen Basis lüftungstechnische Maßnahmen umgesetzt werden. Kommt es zu Schäden, ist dies auf eine fehlende oder falsche Konzeption der Lüftung zurückzuführen.
