Neubau Schirmer Maschinen investiert in neuen Hauptsitz in Verl

Mit dem ersten Spatenstich hat das größte Investitionsprojekt in der Firmengeschichte von Schirmer Maschinen begonnen. Warum der zur Beckhoff Automation-Gruppe gehörende Maschinenbauer sämtliche Unternehmensbereiche an einem Standort zusammenführt und welches Umsatzziel er sich setzt.

Versammelten sich am 21. Oktober 2026 zum Spatenstich (v.l.n.r.): Toralf Evert (Projektleiter Goldbeck), Thorsten Hochhard (Geschäftsführer Goldbeck Nord), Ludger Martinschledde (Geschäftsführer Schirmer Maschinen), Hans Beckhoff (Gründer, Geschäftsführer und Gesellschafter Beckhoff Automation) und sein Sohn Johannes Beckhoff, Andreas Sunder (Bürgermeister Stadt Rietberg) und Robin Rieksneuwöhner (Bürgermeister Stadt Verl).
Versammelten sich zum Spatenstich (v. li.): Toralf Evert (Projektleiter Goldbeck), Thorsten Hochhard (Geschäftsführer Goldbeck Nord), Ludger Martinschledde (Geschäftsführer Schirmer Maschinen), Hans Beckhoff (Gründer, Geschäftsführer und Gesellschafter Beckhoff Automation) und sein Sohn Johannes Beckhoff, Andreas Sunder (Bürgermeister Stadt Rietberg) und Robin Rieksneuwöhner (Bürgermeister Stadt Verl). - © Schirmer

Am 21. Oktober 2026 hat der Bau des neuen Hauptsitzes von Schirmer Maschinen offiziell begonnen. Vertreter von Politik und Verwaltung, der Familie Beckhoff, des Bauherrn selbst und des Generalunternehmers Goldbeck kamen zum ersten Spatenstich zusammen. Es handelt sich um die bislang größte Investition in der Geschichte des Unternehmens.

Schirmer baut auf dem Gelände seines Stammsitzes an der Stahlstraße. Das Areal liegt grenzübergreifend zwischen den Kommunen Verl und Rietberg. Dort entstehen neue Verwaltungs- und Produktionsgebäude. Der Maschinenbauer führt damit alle Unternehmensbereiche an einem Standort zusammen.

Umsatz verdoppelt, Belegschaft wächst

Schirmer wächst seit Jahren. Zwischen 2019 und 2024 verdoppelte sich der Umsatz des 1979 gegründeten, international tätigen Unternehmens nach eigenen Angaben auf 80 Millionen Euro. Im selben Zeitraum stieg die Zahl der Beschäftigten überdurchschnittlich. Der Anteil des Fachkräftenachwuchses verdreifachte sich auf aktuell 24 Auszubildende.

Im Jahr 2025 erwirtschaftete das Unternehmen mit rund 300 Mitarbeitern und einem 70-köpfigen, exklusiv für Schirmer arbeitenden Team von Beckhoff Automation einen Umsatz von knapp 90 Millionen Euro. Für das laufende Jahr erwartet der Maschinenbauer weiteres Wachstum.

Standort Ostwestfalen als Basis

Um das aktuelle und erwartete Wachstum aufzufangen, investiert Schirmer nun in ein größeres und modernes Werk samt Betriebsausstattung. Damit bekennt sich das Unternehmen nach eigenen Angaben klar zum Standort Ostwestfalen. Schirmer sieht sich als Technologieführer im Premiumsegment der hoch automatisierten Profilbearbeitung und als Lösungsanbieter.

Aus einem Baukasten weitgehend standardisierter Prozessmodule konfiguriert das Unternehmen Maschinenkonzepte, die auf die Produkt- und Produktionsanforderungen der Kunden zugeschnitten sind. Die Maschinen bearbeiten Profile aus PVC, Aluminium und Stahl. Zu den Zielbranchen zählen Fenster- und Fassadenbau, Luft- und Raumfahrt, Automotive, Bahntechnik, Maschinenbau sowie Möbel- und Innenausbau.

Vorteile für Kunden

Kunden profitieren dem Unternehmen zufolge von der Kombination aus Qualität, Geschwindigkeit und Flexibilität im Bauteilspektrum. Die Lösungen sollen bereits heute Profile spannen können, die erst in Zukunft auf den Markt kommen. Das schaffe Investitionssicherheit für Käufer. Zudem steuern die Anlagen durch lange Autonomiezeiten dem Fachkräftemangel bei den Kunden entgegen.

Enge Verzahnung mit Beckhoff Automation

Die Kooperation mit Beckhoff Automation besteht seit 1980. Im Jahr 2016 führte sie zur Integration von Schirmer in die Unternehmensgruppe. Seitdem haben beide Unternehmen ihre Partnerschaft vertieft. Die Verbindung von Maschinenbau und Automatisierungstechnik bringt nach Unternehmensangaben weltweit führende Produktionsmaschinen hervor. Neue Steuerungstechnologie von Beckhoff kommt dadurch schnell zum Einsatz.

So hat Schirmer zum Beispiel 2026 damit begonnen, alle seine Bearbeitungszentren mit dem neuen modularen und steckbaren schaltschranklosen Steuerungskonzept MX-Automation von Beckhoff auszustatten – "eine neue, revolutionäre Stufe der Automatisierungstechnik vor allem zum Vorteil der Kunden von Schirmer", heißt es aus den Unternehmen.

Zeitplan und Flächen des Neubaus

Die neue Produktion, für die nun der Spatenstich erfolgt ist, soll im Herbst 2027 fertig sein. Sie umfasst auf 28.500 Quadratmeter Bruttogeschossfläche Fertigung, Vormontage, Endmontage und Inbetriebnahme. Im Jahr 2028 folgt dann die Fertigstellung des Verwaltungsgebäudes mit zirka 4.200 Quadratmeter Bürofläche. Dort ziehen unter anderem Konstruktion und Entwicklung von Schirmer ein, außerdem einige Bereiche von Beckhoff Automation.

Bislang sitzen Unternehmensbereiche neben Verl auch noch in Gütersloh-Avenwedde und Gütersloh-Spexard. Die Bündelung soll Prozesse, Informations- und Materialflüsse sowie die Logistik entlang der Wertschöpfungskette verbessern. Außerdem schafft sie dem Unternehmen zufolge attraktive Arbeits- und Ausbildungsplätze sowie Kapazitäten für Investitionen. Das bilde die Voraussetzung, um die Wertschöpfungstiefe auszubauen und weiter zu wachsen.

Ziel: 150 Millionen Euro Umsatz

Geschäftsführer Ludger Martinschledde schätzt das künftige Umsatzpotenzial auf 150 Millionen Euro. Dazu möchte Schirmer in bestehenden Märkten und Branchen die steigende Nachfrage nach höher automatisierten Produktionslösungen bedienen. Außerdem soll der Internationalisierungsgrad über Europa hinaus wachsen. Neue Branchen möchte das Unternehmen vor allem mit Bearbeitungszentren für Aluminium- und Stahlprofile erschließen.

Goldbeck als Generalunternehmer

Mit dem Neubau hat Schirmer das europaweit tätige Bau- und Dienstleistungsunternehmen Goldbeck beauftragt. Die Goldbeck Nord Niederlassung in Bielefeld realisiert das Projekt. "Schirmer Maschinen hat früh ein klares Bild seiner zukünftigen Produktions- und Logistikprozesse beschrieben", berichtet Marc Schumann, Verkaufsingenieur bei Goldbeck. Gemeinsam habe man daraus ein Konzept entwickelt, das weiteres Wachstum am Standort ermöglicht.

Als Generalunternehmer bietet Goldbeck nach eigenen Angaben alle Leistungen aus einer Hand, vom Design über den Bau bis zu Serviceleistungen während des Betriebs. Das Unternehmen setzt auf eine systematisierte Bauweise: Wesentliche Systemelemente fertigt es industriell in eigenen Werken vor und fügt sie auf der Baustelle zu individuellen Gebäuden zusammen. Das soll Wirtschaftlichkeit, hohe Qualität und eine schnelle Umsetzung sichern.

Projektleiter Toralf Evert hebt die gute Zusammenarbeit hervor: "Großprojekte werden nicht allein auf der Baustelle entschieden, sondern vor allem in der Zusammenarbeit der Menschen dahinter. Die offene und konstruktive Abstimmung mit Schirmer Maschinen als Bauherr sowie den Städten Rietberg und Verl hat entscheidend dazu beigetragen, dass wir nun planmäßig in die Umsetzung starten können.“