Seit ungefähr zehn Jahren stellen Gutachter vermehrt Schadensfälle an dunklen Kunststofffenstern fest. Häufig zeigt sich dabei an anthrazitfarbenen Fenstern eine starke Durchbiegung der Profile in Richtung der Raumseite – Jürgen Sieber zeigt, wo die kritischen Punkte schlummern.

Als Auslöser der Durchbiegung zeigt sich meist ein durch Hitze ausgelöster „Profilschrumpf“ auf der von der Sonne erhitzen Seite der Fenster. Die Ursache für die Durchbiegung und deren Stärke liegt neben Extrusionsspannungen aber zum größten Teil in Fehlern, die sowohl in der Fertigung der Fenster als auch in der Montage der Elemente liegen. Gutachterlich stellt sich immer die Frage: „Woran liegt es, dass sich Fenster auf der einen Baustelle konkav verziehen, während die Fenster auf der anderen Baustelle lotrecht stehen bleiben, obwohl es sich um dieselben Fenster-Systeme handelt oder teilweise sogar um denselben Fensterhersteller?“ Gutachten in diesem Bereich sind sehr aufwändig. Ohne Ausglasen der Scheiben und ein Zerlegen der Fenster kann der Gutachter in aller Regelden Sachverhalt nicht bewerten.
Kritische Punkte vor Ort
Beim gerichtlichen Ortstermin prüft er also zuerst die Basics der Fertigung. Bei dunklen Profilen sehen die Systemgeber andere Verarbeitungsbedingungen vor als bei weißen Profilen, die Veränderungen der Verarbeitungsbedingungen sind gering, aber unumgänglich für eine schadensfreie Fensterqualität. Daher nimmt der Fachmann folgende Punkte unter die Lupe:
- Wurden die Größenbegrenzungen des Systemgebers eingehalten?
- Stimmen die Stärke und Form der Armierungen mit den Vorgaben für dunkle PVC-Profile überein?
- Stimmt der Statik-Wert der Armierung mit den Vorgaben und den Anforderungen vor Ort überein?
- Entspricht die Länge der Armierung den Vorgaben des Systemgebers?
- Sind Stahlpassung und Profilform identisch?
- Wurden die Armierungen so verschraubt, wie es die Handbücher für die Kunststoff-Fensterherstellung vorsehen?
Im Anschluss prüft der Sachverständige die Montagevorgaben für dunkle Profile:
- Stimmen die verwendeten Befestigungsmittel mit der Windlast und der Druckfestigkeit des Mauerwerks überein?
- Stimmt der Abstand der Befestigungsmittel und die Eindringtiefe ins Mauerwerk
- Hat der Ausführende evtl. verwendete, dunkle Verbreiterungen mit einer Armierung verstärkt oder hat er diese -wie häufig beobachtet - ohne Stahlverstärkung an die Rahmen montiert?
- Wurden im Boden- und Deckenbereich die Verbreiterungen mit Montagewinkeln versehen?
Gerade den letzten Punkt, die Verwendung von Montagewinkeln, fordern Experten in den Handbüchern der PVC-Systemgeber, sowie in der Technische Richtlinie Nr. 20 „Montage von Fenstern- und Fenstertüren“ seit vielen Jahren, ohne dass Monteure diese Vorgabe im Alltag in der Praxis beachten. Der Einsatz von solchen Winkeln, speziell bei hohen Profilaufbauten im unteren Bereich, verhindert eine Profildurchbiegung bzw. begrenzt diese auf ein Minimum.
Planung ist die halbe Miete
Bei hohen Bodenaufbauten mit großen Verbreiterungen im Sockelbereich machen Praktiker oft den Fehler, dass die Aufdoppelungen keine Stahlarmierungen besitzen. Diese Stahlarmierungen sind bei dunklen Kunststoff-Fenstern bei allen deutschen PVC-Systemgebern obligatorisch. Im Merkblatt „Besondere Empfehlung für die Planung und den Einsatz von farbigen Kunststoffprofilen für Fenster und Haustüren“, herausgegeben von der Gütegemeinschaft für Kunststoff-Fensterprofilesteht ein wichtiger Abschnitt:
„Bei kritischen Einbaulagen von Fenstern und Türen ist eine rechtzeitige Rücksprache mit dem Systemgeber erforderlich.“Der Einsatz von Profilen mit farbigen Oberflächen in solchen Einbausituationen bedürfe einer gesonderten Planung. Anschlussbereiche seien so zu wählen, dass keine zusätzliche Wärme in die Konstruktion dringt. Dies heißt, dass der Einsatz von dunklen Kunststoff-Fenstern im Bereich von stark sonnenerwärmten Gebäudeteilen, wie der Südseite, Penthouswohnungen, Fenster oberhalb von Solaranlagen, etc. speziell geplant und durchdacht werden müssen und die Rücksprache mit dem Systemgeber nötig ist. Häufig sind diese Fenster mit Sonderarmierungen zu versehen. Für den Verzug von PVC-Fenster liegen keine Normen vor. Gutachter orientieren sich an den Klimaklassen bei Holzhaustüren, die einen Verzug von 4,0 Millimeter auf einer Haustürlänge erlauben, bei Festverglasungen darf der Verzug auch mal etwas größer sein, jedoch immer mit der Einschränkung dass Luftdichtigkeit, Schließkraft und Schlagregendichtheit bestehen bleiben. Arbeitet der Handwerker im Dach- und Terrassenbereich mit einer Flüssigabdichtung, gelten die maximalen Ausdehnungswerte für Flüssigabdichtungen, die in aller Regel auf drei Millimeter begrenzt sind.
Resümee
Dunkle Kunststoff-Fenster herzustellen, die sich auch bei erhöhter Wärmeeinstrahlung nicht verziehen, ist möglich. Bei der Fertigung dieser Fenster müssen Hersteller u.a. jedoch folgende Dinge beachten:
- Produzenten müssen den Armierungsstahl entsprechend dick und auf das Längenmaß des PVC-Profils anpassen; Rasterlängen eignen sich hier nicht. Vielmehr muss der Hersteller die Armierungslänge individuell anpassen
- neben den Größenbegrenzungen für dunkle PVC-Profile muss – im Zuge der vermehrt eingesetzten Dreifach-Verglasungen - auch das Glasgewicht überprüft werden.Gegebenenfalls muss der Verarbeiter das Isolierglas auch mal einkleben um den unteren Querfries zu entlasten.
- die Armierung muss der Hersteller eng mit dem PVC verschrauben
- die Größenbegrenzungen der Systemgeber haben einen Sinn und müssen unbedingt eingehalten werden – auch wenn der Fensterbauer einen Architektenwunsch nicht erfüllen kann- die Befestigungsmittel muss der Fachmann der Windlast und dem Festigkeitswert des Steines anpassen
- die Regelwerke schreiben seit vielen Jahren Montagewinkel für die Befestigung der Verbreiterungen vor. Diese verhindern speziell im unteren Bereich eine Durchbiegung des Elements
- Verbreiterungen muss der Hersteller mit Stahlarmierungen ausrüsten
- tritt dennoch ein leichter Verzug auf, der zu Undichtigkeiten führt, kann der Fensterbauer diesen durch Einsatz von Glasfalzarmierungen und größeren Dichtungen u.U. beheben .
Für den Endkunden bedeutet dies:
Fenster die nach diesen Regeln produziert werden sind qualitativ hochwertig und nicht für einen billigen Preis zu bekommen. Hier greift der Vergleich mit einem guten Wein: Ein guter Wein ist wie ein gutes Fenster, er muss bei der Produktion sorgfältig gepflegt werden, beim Ausbau braucht es die langjährige Erfahrung eines Meisters und eine gute Qualität braucht ihre (Reife-)Zeit. „Pennerglück“ für 3,50 Euro die 1,5 Literflasche gibt´s beim Discounter, den Katzenjammer inbegriffen.