Windays 2025 Neue Impulse für die Fenster- und Fassadenbranche

Mit den Windays fand am 3. und 4. April 2025 im Bieler Kongresshaus die traditionelle Fachtagung für Fenster und Fassaden der Berner Fachhochschule (BFH) statt. Die Veranstaltung präsentierte sich als Bindeglied zwischen Wirtschaft und Forschung und bot reichlich Möglichkeiten zum Vernetzen.

Über 300 Teilnehmende lauschten den Fachvorträgen der Windays 2025.
Über 300 Teilnehmende lauschten den Fachvorträgen der Windays 2025. - © Peter

Mit über 300 teilnehmenden Fach- und Führungskräften aus der ganzen Schweiz und dem angrenzenden deutsch- und französischsprachigen Ausland boten die Windays wieder einmal Gelegenheit zu Begegnung und Austausch. Genau dies sei vor allem in Zeiten, in denen sich viel in der Fenster- und Fassadenbranche verändert, besonders wichtig, sagt Christoph Rellstab, Leiter der Höheren Fachschule Holz Biel (BFH), zur Begrüßung.

Marktentwicklungen der Schweizer Fensterbranche

Nach einer Grußbotschaft von Bieler Stadtpräsidentin Glenda Gonzales Bassi ging es direkt los mit den Fachvorträgen. Silvia Gemperle von der Gebäudehülle Schweiz stellte verschiedene Gesetze und Förderprogramme vor, mit denen sich die Schweiz auf den Weg in die energiepolitische Zukunft macht. Dazu gehört unter anderem das Gebäudeprogramm von Bund und Kantone, dessen Erhalt Gemperle besonders wichtig ist, da damit energetisch wirksame Maßnahmen unterstützt werden, wie z.B. neue Fenster.

Katrin Schönfisch (BFH) gab danach einen Überblick über die Entwicklungen im Schweizer Bau- und Fenstermarkt und zeigte einen positiven Trend auf: Die Anzahl der Baubewilligungen wie auch die Bauinvestitionen nehmen zu. Während Fenster aus höherwertigen Materialien wie Holz/Metall und Leicht-/Metall Marktanteile gewinnen, sinkt der Anteil von Kunststofffenstern. Was den Import von Fenstern und Türen betrifft, ist Deutschland der wichtigste Handelspartner der Schweiz.

Sommerlicher Wärmeschutz, Schallschutz und Lüftung

Über die bauliche Umsetzung des sommerlichen Wärmeschutzes und die Bedeutung für die Fensterbranche referierte Matthias Schmidt von der Prona AG, die eine Studie zur Untersuchung der Konsequenzen der zunehmend wärmeren Temperaturen auf Gebäude durchgeführt hat. Herauszufinden galt es, welche baulichen Maßnahmen notwendig sind, um im Jahr 2060 ein komfortables Raumklima zu gewährleisten.

Das Fazit für die Fensterbranche: Um die baulichen Grundanforderungen einzuhalten, darf der Fensteranteil an exponierten Fassaden 35 Prozent nicht übersteigen. Um die Nachtauskühlung auszunutzen, sollten rund 30 bis 40 Prozent der Fenster öffenbar sein. Und das auch ganz oben im Gebäude, um den Kamineffekt zu nutzen. Trotz dieser Maßnahmen werden Schulen oder Verwaltungsgebäude kaum ohne aktive Kühlung auskommen.

Urs Uehlinger (BFH Biel) und Bernhard Bieri (Wenger Fenster) stellten ein gemeinsames Forschungsprojekt vor, in dem es um die Entwicklung einer aktiven, rahmenintegrierten Lüftung für Holzmetallfenster geht. Eine solche Lösung gab es bisher nur für Kunststofffenster. Aus Sicht von Bieri hat das Ergebnis ihrer Arbeit vor allem Potential in der Wohnbausanierung. Dort soll vermieden werden, dass sich das Thema Lüften noch weiter vom Fensterbau entfernt.

Auf der Fachausstellung präsentierten rund 40 Aussteller ihre Produkte.
Auf der Fachausstellung präsentierten rund 40 Aussteller ihre Produkte. - © Peter

Im Vortrag von Adrian Schlumpf, Mitinhaber von Smartwindows, ging es um die Herausforderungen und praktischen Anwendungen von Schallschutzfenstern. Dabei gab er einen Überblick, welchen Einfluss Fenster-Formate, Fensterfalzlüfter, Scheibenformate, Art und Qualität der Fugenfüllung, etc. auf die Schalldämmung haben.

Automatisierung und Brandschutz

Ein weiteres Forschungsprojekt der BFH, diesmal mit der 1a Hunkeler Fenster AG als Projektpartner, stellte erneut Urs Uehlinger zusammen mit Manuel Hunkeler vor. Ziel des Projekts war die Entwicklung eines automatisierten Fensters für den Wohnungsbau. Dank seiner Intelligenz soll es durch Flügelöffnung die Lüftung regeln und trotzdem so geräuscharm sein, dass es schlafzimmertauglich ist. Das Konzept sieht vor, dass die Antriebe im Blendrahmen sitzen und die Schließteile im Flügel. Also im Vergleich zu herkömmlichen Fenstern genau umgekehrt.

Einen Ausblick auf die neuen Brandschutzvorschriften BSV 2026 gab Isabel Engels (BFH). Ihr Ziel ist eine Vereinfachung und der einheitlichere Vollzug, ohne die realen Risiken zu vernachlässigen. Das Regelwerk soll dazu führen, dass alle Beteiligten auf die gleichen Themen fokussieren: Es geht immer um Personenschutz und Gebäudeschutz.

V. l.: Adrian Schlumpf, Urs-Thomas Gerber, Gregor Steinke und Christoph Wüthrich sprachen zum Thema Kreislaufwirtschaft.
V. l.: Adrian Schlumpf, Urs-Thomas Gerber, Gregor Steinke und Christoph Wüthrich sprachen zum Thema Kreislaufwirtschaft. - © Peter

Wege in eine nachhaltigere Zukunft

Gregor Steinke von der Fachhochschule Nordwestschweiz präsentierte den Teilnehmenden das Forschungsprojekt FenSanReUse, dass sich mit der Ertüchtigung bzw. dem Re-Use von Fenstern beschäftigt. Dabei wurden Ertüchtigungsstrategien wie die Glasaufdopplung, der Glasersatz oder der komplette Fensterersatz (Kunststoff) bzgl. ihrer Treibhausgasemissionen untersucht und bewertet. Insgesamt wurden Ertüchtigungsverfahren für fünf Testgebäude und deren Bestandsfenster erarbeitet. Weil viele ältere Fenster in gutem Zustand seien, erweise sich eine energetische Verbesserung der Verglasung oft als die sinnvollste Lösung. Herausforderungen bilden jedoch die Logistik sowie die Kosten.

Thematisch passend beantwortete Urs-Thomas Gerber (BFH) die Frage, wo die Schweizer Fensterbranche bezüglich Kreislaufwirtschaft zurzeit steht. Leider sei vor allem die Entsorgung von Fensterglas oft nicht so, wie sie sein könnte. Häufig landet es via Mulde und Schredder in der Kehrichtverbrennungsanlage und schlussendlich als Kehrichtschlacke auf der Deponie. Dabei ist die Verglasung bei der Fensterherstellung für 25 Prozent (Aluminiumfenster) bis 70 Prozent (Holzfenster) der CO2-Emissionen (THGE) verantwortlich.

Auf dem anschließenden Podium sprachen die Referenten Adrian Schlumpf, Urs-Thomas Gerber und Gregor Steinke zusammen mit Christoph Wüthrich vom Bundesamt für Bauten und Logistik über die Kreislaufwirtschaft. Diskutiert wurde darüber, dass in den nächsten Jahren deutlich mehr Kunststofffenster zur Entsorgung anfallen werden und dass es in der Schweiz gar kein Werk gibt, das den anfallenden Werkstoff aufbereiten könnte. Weitere Themen waren der Produktepass, und dass sich Recycling in der Schweiz aktuell nicht rechnet.

Lohmann nutzte die Windays Live, um die Verklebung einer Glasscheibe mit einem seiner Klebebänder zu zeigen.
Lohmann nutzte die Windays Live, um die Verklebung einer Glasscheibe mit einem seiner Klebebänder zu zeigen. - © Peter

Technische Spotlights

Am zweiten Tag ging es weiter mit Daniel Zurkirchen vom SIGAB (Schweizerisches Institut für Glas am Bau), der die aktuellen Richtlinien der SIGAB vorstellte. Bernhard Elias von der Gütegemeinschaft Kunststoff-Fensterprofilsysteme (Bonn) stellte Untersuchungen zur Eckfestigkeit wulstloser Schweißverfahren bei Kunststofffenstern vor. Dabei ging es um die Frage, ob die Festigkeit von „wulstlos“ geschweißten Ecken mit konventionell geschweißten Ecken vergleichbar ist. Bei ersten Versuchsreihen an wulstlosen Ecken wurde nämlich ein reduzierter Sicherheitspuffer festgestellt. Laut Untersuchungsergebnis werden die Mindestanforderungen jedoch trotzdem erfüllt und man könne ein gutes Langzeit-Festigkeitsverhalten erwarten.

Neben den interessanten Vorträgen konnten sich die Teilnehmenden in einer Fachausstellung über die Angebote der zahlreich vertretenden Aussteller informieren. Bei den erstmals stattfindenden "Windays Live" konnten vier der Aussteller ihre Produkte während einem definierten Zeitfenster gesondert präsentieren. Finstral stellte eine Montagezarge vor, Lohmann zeigte live die Verklebung einer Glasscheibe mit einem seiner Klebebänder, Schweizer erläuterte die Vorteile seines neuen Fenstersystems Evowin und Pro Logic gab Einblicke in seine Software für die Fenster- und Türenproduktion.

Die Berner Fachhochschule führt die Windays im Zweijahresturnus durch. Das nächste Mal finden sie am Donnerstag, 8. und Freitag, 9. April 2027 statt.