GFF nachgefragt "Mit den Richtlinien und den darin definierten Prüfanforderungen ist es gelungen, die Qualität deutlich anzuheben."

Sonnen- und Blendschutzsysteme im Scheibenzwischenraum haben sich vom Nischenprodukt zu einer technisch ausgereiften Lösung entwickelt. Werner Stiglauer von Rosenheimer Glastechnik leitet den Arbeitskreis Systeme im Scheibenzwischenraum des Bundesverbandes Flachglas. Im Interview mit GFF erläutert er, welche Fortschritte die Branche erreicht hat, warum die DIN 4108-2 dafür ein wichtiger Meilenstein ist und wie der Arbeitskreis arbeitet.

Werner Stiglauer von Rosenheimer Glastechnik leitet ehrenamtlich den Arbeitskreis Systeme im Scheibenzwischenraum beim Bundesverband Flachglas. - © Stiglauer
GFF: Herr Stiglauer, der Arbeitskreis Systeme im Scheibenzwischenraum (SZR) hat vor einiger Zeit unter der Überschrift 'Kinderkrankheiten abgestellt' über die Entwicklung von Sonnenschutzsystemen im Scheibenzwischenraum informiert. Was waren denn diese Kinderkrankheiten?

Werner Stiglauer: In den Anfangsjahren gab es tatsächlich einen gewissen Wildwuchs. Verschiedene Anbieter haben Systeme entwickelt und auf den Markt gebracht, ohne dass bereits einheitliche technische Grundsätze, Prüfverfahren oder belastbare Mindestanforderungen etabliert waren. Das hatte zur Folge, dass es bei einzelnen Produkten zu Schäden und Ausfällen kam. Gerissene Seile oder Schnüre, schwergängige Systeme oder Konstruktionen, die in ihrer Dimensionierung nicht zusammenpassten, waren Themen, mit denen sich Planer, Verarbeiter und Bauherren auseinandersetzen mussten.

Typische Fehler waren zum Beispiel sehr große Scheiben mit breiten Lamellen bei gleichzeitig sehr schmalen SZR. Oder es wurden Erwartungen an die Lebensdauer geweckt, die mit der jeweiligen Konstruktion schlicht nicht zu erfüllen waren. Das hat dem gesamten Produktbereich zunächst geschadet, weil Bauherren und die verarbeitende Industrie die Systeme verständlicherweise kritischer betrachtet haben. Genau aus diesem Bedarf heraus ist der Arbeitskreis entstanden.

Was hat sich seitdem grundlegend verändert?

Entscheidend war, dass die Branche Regeln für die Produkte entwickelt hat: Was muss ein System leisten? Wie wird seine Betriebssicherheit bewertet? Welche Belastungen muss es überstehen? Mit den Richtlinien und den darin definierten Prüfanforderungen ist es gelungen, die Qualität deutlich anzuheben. Anbieter, die auf kurzfristige oder technisch nicht belastbare Lösungen gesetzt hatten, sind weitgehend vom Markt verschwunden. Übrig geblieben sind vor allem Hersteller, die von Beginn an auf Qualität, Entwicklung und langlebige Systeme gesetzt haben.

Die Schäden, über die wir vor zehn oder 15 Jahren noch gesprochen haben, spielen heute in dieser Form praktisch keine Rolle mehr. Natürlich kann es bei jedem technischen Produkt einmal zu Problemen kommen. Aber wenn heute Störungen auftreten, liegen sie häufig nicht am eigentlichen Sonnenschutzsystem, sondern beispielsweise an der Ansteuerung, an der Verkabelung oder an einer nicht passenden Einbindung in die Gebäudeautomation.

Was bedeutet das für die Betriebssicherheit? An einen Sonnenschutz im SZR kommt man im Schadensfall nicht so einfach heran wie an einen außen liegenden Raffstore.

Genau das ist der wesentliche Punkt. Bei einem außen liegenden System kann man im Zweifel ein Gerüst stellen und eine Reparatur durchführen. Bei einem System im SZR ist die Erwartung an Zuverlässigkeit deshalb besonders hoch. Es muss von Anfang an so ausgelegt sein, dass es über sehr lange Zeit sicher funktioniert.

Die Anforderungen sind entsprechend streng. Ein wichtiger Schritt war zunächst eine ift-Richtlinie; später folgten weiterentwickelte Richtlinien mit klar festgelegten Mindestzyklen. In der aktuellen Fassung werden die Systeme nicht nur über eine definierte Zahl von Hebe-, Senk- und Wendebewegungen geprüft. Die Zyklen werden auch unter Temperaturbelastungen durchgeführt, also unter Hitze und Kälte. Das ist praxisrelevant, weil die Bedingungen im SZR erheblich sein können. Diese Kombination aus mechanischer Beanspruchung und Klimabelastung hat die Entwicklung deutlich vorangebracht.

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