Pro & Contra Meisterfortbildung: Ist Vollzeit die beste Lösung?

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    © Iso-Chemie
    Glasermeister Marc Döhmann absolvierte seine Meister-Fortbildung in der Fachrichtung Fensterbau an der GFF-Akademie in Vollzeit.
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    Glasermeister Patrick Bäumler entschied sich für eine Meister-Fortbildung in der Fachrichtung Fensterbau an der GFF-Akademie in Teilzeit.

Ich bin nach meiner heutigen Erfahrung froh, die Meister-Fortbildung an der GFF-Akademie des Fachverbands Glas Fenster Fassade Baden-Württemberg in Karlsruhe in Vollzeit gemacht zu haben. Ich konnte mich vollständig auf den Unterricht konzentrieren, ohne immer wieder an Aufgaben und Probleme in der Firma erinnert zu werden. Komplett kann ich Entwicklungen auf der Arbeit einfach nicht ausblenden. Ich habe die Informationen der Schule intensiver aufgenommen, als wenn ich in Teilzeit parallel im Betrieb gearbeitet hätte. Weil der Weg zum Pendeln für mich als Pfälzer zu weit gewesen wäre, habe ich mir eine Wohnung in Karlsruhe gesucht. Dort konnte ich mich unter der Woche nach dem Unterricht aufs Lernen konzentrieren und habe sogar die Werkstatt der Vermieter fürs Üben genutzt. Übers Wochenende bin ich zu meiner Familie gefahren – das war insgesamt ein guter Kompromiss. Die Meisterschüler des Kurses haben sich oft zum Lernen getroffen – dabei und bei Praxisprojekten haben wir uns gegenseitig geholfen. Die Mitglieder unserer Gruppe haben einen guten Zusammenhalt entwickelt. Beim Verstehen der Lerninhalte hat es mir geholfen, anderen Kollegen Themen zu erklären. Beim Unternehmen IGM Fassaden, das mich nach dem Meistertitel eingestellt hat, habe ich schrittweise Verantwortung übernommen und von der Ausbildung an der Schule in Karlsruhe in Praxisfällen profitiert – z.B. mit der Anwendung der Verglasungsrichtlinien und bei technischem Fachwissen für die Entwässerung von Aluminiumfassaden.

www.igmfassaden.de

Für mich stand der finanzielle Aspekt bei der Entscheidung Meisterkurs in Teilzeit oder Vollzeit im Fokus. Entschieden habe ich mich für Teilzeit, weil ich so weiterhin arbeiten und Geld verdienen konnte, um meinen Lebensstandard zu halten – z.B. die Miete für meine Wohnung weiter zu zahlen. Zudem wollte ich nicht andere Menschen um finanzielle Hilfe bitten, sondern die Fortbildung aus eigener Kraft stemmen. Außerdem spielte mein Arbeitgeber Schwarzer eine Rolle bei der Wahl Teilzeit oder Vollzeit: Das Unternehmen ist eher klein und der Verlust eines kompletten Mitarbeiters deshalb schwierig zu verkraften. Die Unternehmer und ich haben uns fair arrangiert und eine Lösung gefunden, die für beide Seiten passt – sie profitieren auch vom Fachwissen und von dem guten Ruf eines Meisters in ihrem Team. Zwei Tage die Woche besuchte ich dann den Meisterunterricht, drei Tage arbeitete ich im Betrieb. Wenn ich noch einmal vor der Entscheidung Teilzeit oder Vollzeit bei der Meisterfortbildung stünde, würde ich mich wieder für die Teilzeit-Lösung entscheiden. Ich bin finanziell unabhängig geblieben und musste nicht jeden Cent umdrehen. Einen Nachteil sehe ich allerdings im Vergleich zum Vollzeit-Modell: Wir Teilzeitschüler haben nicht so einen starken Zusammenhalt als Gruppe entwickelt, weil wir nicht so viel Zeit miteinander verbracht haben. Grundsätzlich war die Weiterbildung eine gute Entscheidung für mich, weil mir so viele Türen offenstehen und ich z.B. den Betriebswirt des Handwerks machen oder auch studieren kann.

www.schwarzergmbh.de

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