Zu Gast in GFF Integration gelingt mit Betrieben

In der Rubrik "Zu Gast in GFF" geht Dipl.-Ing. Birgit Scholze-Thole, Schulleiterin der Gewerblichen Schule und Fachschule für Holztechnik in Stuttgart, in ihrem Kommentar auf die Schwierigkeiten der Integration im Handwerk ein.

Birgit Scholze-Thole
Dipl.-Ing. Birgit Scholze-Thole ist Schulleiterin der Gewerblichen Schule und Fachschule für Holztechnik in Stuttgart - © Birgit Scholze-Thole

In Stuttgart haben wir seit 2014/15 zahlreiche Geflüchtete, die für eine duale handwerkliche Ausbildung grundsätzlich in Frage kommen. Z.Zt. sind in unseren Fachklassen insgesamt 32 Geflüchtete in Ausbildung, davon 13 im Berufsbild Glaser/in, Fenster- und Glasfassadenbau. Der Weg in die Ausbildung führt i.d.R. über Sprachkurse und Vorbereitungsklassen mit dem Schwerpunkt Deutsch.

Sprache als Schlüssel

Dabei ist für viele Geflüchtete aus dem arabischen Sprachraum schon das Erlernen der deutschen Schriftsprache eine sehr große Herausforderung. Unsere Erfahrung ist aber dennoch, dass die meisten Schüler, die vielfach auch noch sehr traumatische Fluchterlebnisse verarbeiten müssen, mit hoher Motivation, Ehrgeiz und Fleiß an die Sache herangehen. Trotzdem sind es nur wenige, die bereits nach einem Vorbereitungsjahr in der Lage sind, eine fachlich anspruchsvolle Ausbildung zu durchlaufen.

Für eine erfolgreiche Ausbildung und Qualifizierung ist es daher zwingend erforderlich, dass sie ausbildungsbegleitend weiterhin intensiv gefördert werden, insbesondere auch durch fachbezogenen Sprachunterricht und sprachsensiblen Fachunterricht. Im sprachsensiblen Fachunterricht wird die z.T. sehr komplizierte Fachsprache grammatikalisch und stilistisch vereinfacht jedoch ohne fachliche Reduktion, so dass das Verstehen erleichtert wird, ohne das Niveau und die Qualität zu senken. Eine große Herausforderung für die Lehrkräfte. An den Sprachbarrieren, die in der deutschen Sprache groß sein können, scheitern viele Geflüchtete in der Ausbildung, auch wenn sie ansonsten fachlich qualifiziert sind.

Damit Geflüchtete als Auszubildende eine reale Chance haben, müssen hier dringend weitere Maßnahmen zur Vereinfachung der Sprache, auch im Hinblick auf die Abschlussprüfungen, getroffen werden. So haben z.B. textreiche Projektaufgaben wenig Aussagekraft über die tatsächlichen fachlichen oder mathematischen Kenntnisse, wenn sie inhaltlich garnicht verstanden werden.

Ausbildungsbetriebe besonders gefordert

Neben der Sprachförderung sind aber auch die überfachliche Bildung und persönliche Begleitung für eine erfolgreiche Ausbildung und Integration jugendlicher und junger erwachsener Geflüchteter ganz wesentliche Bausteine. Hier ist neben Staat und Schule auch der Ausbildungsbetrieb besonders gefordert. Die Erfahrung der Betriebe ist dabei unterschiedlich, es lässt sich aber festhalten, d ass dort wo die bürokratischen Hürden (die in den verschiedenen Stadt- und Landkreisen noch sehr unterschiedlich sein können) niedrig sind und die Betriebe Unterstützung erfahren, auch die Ausbildung und Integration am erfolgreichsten verläuft .

Hier scheint vielfach noch erheblicher Regelungsbedarf zu sein, um den Agierenden Handlungssicherheit zu geben und die Abläufe zu professionalisieren. Transparente und einheitliche Verfahren könnten, so die aktuelle Einschätzung vieler Innungsbetriebe aus unserem großen Einzugsbereich, sich durchaus noch weiter förderlich auf die Ausbildung auswirken. Eine große Hilfe für alle an der Ausbildung Beteiligten könnte z.B. ein Ausbildungspass sein, in den von Amts wegen der jeweilige Status des Geflüchteten eingetragen und aktualisiert wird und ebenso die damit verbundenen Berechtigungen, z.B. ein Praktikum und/oder eine Ausbildung zu machen, einer entgeltlichen Arbeit nachzugehen etc., sowie die versicherungsrechtliche Situation, die auch oft zahlreiche Fragen aufwirft.

Wohnsituation bedingt Ausbildungserfolg

Ein weiteres großes Problem stellt in vielen Fällen die Wohnsituation der Geflüchteten dar.Das Neben- und Miteinander junger Geflüchteter mit sehr unterschiedlichen persönlichen Zielsetzungen und Tagesrhythmen ist äußerst konfliktträchtig und extrem anstrengend. Für die motivierten Auszubildenden ist es oft fast unmöglich, in den Unterkünften konzentriert zu lernen. Damit Integration und Ausbildung gelingen können, muss auch hier Fehlentwicklungen dringend entgegengesteuert werden.

Einige Ausbildungsbetriebe haben deshalb sogar selber Wohnraum zur Verfügung gestellt und damit nicht nur dem Auszubildenden sondern auch der Gesellschaft einen großen Dienst erwiesen. So kann abschließend gesagt werden, dass der Ausbildungserfolg oft vor allem dem hohen persönlichen Engagement der Betriebe zu verdanken ist.