Mehrscheiben-Isoliergläser (MIG) erfüllen hohe Anforderungen an Wärmedämmung sowie Sonnenschutz. Einen entscheidenden Nachteil haben sie jedoch: Hinter den Scheiben ist das mobile Telefonieren oft nur eingeschränkt möglich. Eine Neuentwicklung soll das ändern.
Moderne Ganzglasfassaden liegen im Trend. Damit sie aktuelle Anforderungen an Wärmedämmung und Sonnenschutz erfüllen, sind sie mit speziellen Beschichtungen ausgerüstet, die jedoch einen unerwünschten Nebeneffekt aufweisen: Sie schirmen die Funkwellen fast vollständig ab, so dass hinter den Scheiben die Nutzung von mobilen Endgeräten nahezu unmöglich ist. Mit aufwändigen technischen Lösungen lässt sich der gewünschte Empfang wiederherstellen. Damit soll dank Flachglas Connect jetzt Schluss sein.
Die Neuentwicklung von Flachglas Wernberg ist einerseits durchlässig für Mobilfunkwellen und behält andererseits die gewünschten Wärme- und Sonnenschutzwerte fast vollständig bei. „So stellen wir eine zuverlässige Versorgung der Telefon- und Datenübertragung sicher, ohne dass in teure Repeater-Systeme investiert werden müsste“, erklärt Walter Schöpf, Marketingleiter von Flachglas Wernberg. Mittels Laserverfahren werde die isolierende Sonnen- und/oder Wärmebeschichtung im Mikrometer-Bereich abgetragen. So entstehe eine kaum sichtbare Struktur, ähnlich einem Moskitonetz, bei der das Metall Hochfrequenz-Funkwellen durchlässt und trotzdem Sonnen- und Wärmeschutzeigenschaften erhalten bleiben. Das Verfahren sei bereits zum Patent angemeldet.
Erste Züge laufen auf der Schiene
Mittlerweile hat Flachglas Wernberg das Produkt im Segment Fahrzeugglas erfolgreich in den Markt eingeführt. „In der Schweiz und in England laufen bereits die ersten Züge auf der Schiene“, ergänzt Schöpf. In den Bahnen könne wieder problemlos telefoniert und gesurft werden. Die Rückmeldung seitens der Betreiber sei durchwegs positiv. Für einen Auftragsschub habe im vergangenen Jahr die internationale Railway-Messe Innotrans gesorgt. Um die steigende Nachfrage bedienen zu können, werde im Werk in Wernberg-Köblitz derzeit die zweite Flachglas-Connect-Anlage aufgebaut.
Und welches Potenzial bietet die Technologie, z.B. für den Architekturbereich? „Hier stehen wir sicherlich erst am Anfang“, hält Schöpf fest. „Unsere anfänglichen Überlegungen zielen vor allem in Richtung der Einkaufszentren und ähnlicher Anwendungen.“ Prädestiniert seien große Gebäude mit viel Publikumsverkehr und hochwertigen Wärme- und Sonnenschutzfassaden mit oftmals eingeschränkter Zugänglichkeit bzw. großem Aufwand für die Einrichtung einer elektronischen Lösung. Auch in Bürogebäuden mache der Einsatz von mobilfunkwellenoptimierten Gläsern Sinn. Hier sollten Betreiber im Blick haben, welche negativen Auswirkungen Notfälle erzeugen können. Falle die Energieversorgung aus, seien energetisch gut gedämmte Gebäude schnell ohne Empfang. Hier könne die partielle Ausstattung mit Flachglas Connect durchaus vorteilhaft sein. „Zumal unser Produkt wartungsfrei und sehr langlebig ist“, konstatiert Schöpf. „Ganz im Gegensatz zu den anfälligen und kapazitiv begrenzten Repeatern.“
Werke gut ausgelastet
Die Geschäfte der Flachglas Gruppe laufen gut, die Segmente Railway und Fassaden profitieren nach Unternehmensangaben von der internationalen Aufstellung. „Alle Werke laufen auf Hochtouren, mit internen Maßnahmen konnten wir Effektivität und Effizienz in allen Bereichen steigern“, sagt Schöpf. Ein Baustein war vor zwei Jahren die Einführung des Lean-Prinzips in der Produktion und der Unternehmensführung.
Mithilfe minimierter Abfälle und reduzierter Standzeiten gelang es, den Produktionsoutput zu steigern und die Lieferzeiten zu verkürzen. Die Herausforderungen in der Branche sind – angefangen vom starken Wettbewerb über zunehmenden Preisdruck und den hohen Automatisierungsgrad bis hin zur weiteren Internationalisierung – vielschichtig. „Wir sehen das jedoch mehr als Chance und stellen uns entsprechend darauf ein“, sagt Schöpf.