Abfuhr von Raumluftschadstoffen, Wärmerückgewinnung für höhere Energieeffizienz, Zugfreiheit durch Vorerwärmung der Außenluft: Experten vom Passivhaus Institut erläutern, auf welche Faktoren es bei der Planung der Lüftung ankommt.
Wir brauchen frische Luft zum Atmen, auch in Innenräumen. Bei der Atmung entsteht Kohlendioxid (CO2), das sich auf Dauer in Wohnräumen anreichert und zu schlechter Luft führt – wenn wir nicht lüften. "In konventionellen Gebäuden wird über Fenster mit (kalter) Außenluft gelüftet. Das verursacht im Winter jedoch hohe Lüftungswärmeverluste und erhöht damit den Heizwärmebedarf", sagen Berthold Kaufmann und Kristin Bräunlich vom Passivhaus Institut.
Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung
Den Experten zufolge stellen Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung (WRG) eine nachhaltige Lösung für gute Luft dar: Die Vorzüge liegen sowohl im gesundheitlichen Bereich (Abfuhr von Raumluftschadstoffen) als auch im Bereich Klimaschutz (höhere Energieeffizienz) bei gleichzeitig hohem Komfort (Zugfreiheit durch Vorerwärmung der Außenluft).
Bei Neubauten und einer ohnehin anstehenden Sanierung von Bestandsgebäuden sollte daher eine Lüftung mit WRG eingeplant sein – das sei auch ökonomisch sinnvoll.
CO2-Gehalt beachten
Frische Luft bedeutet Außenluft mit einem niedrigen Gehalt an CO2 von zirka 400 ppm (Parts per million). In der Ansaugung der Außenluft müssen geeignete Staubfilter eingebaut sein und regelmäßig, je nach Staubbelastung, gewechselt werden. Der Staub, der sich in den Filtern sammelt, bleibt den Bewohnern in der Wohnraumluft erspart.
Der CO2-Gehalt der Luft wird als Leitgröße für die Luftqualität in Innenräumen herangezogen. Die Konzentration von Aerosolen – die z.B. Covid-19-Viren tragen können – ist laut Kaufmann und Bräunlich ebenfalls korreliert mit der CO2-Konzentration. Bei einem CO2-Gehalt von weniger als 1.000 ppm sei das Ansteckungsrisiko über Aerosole sehr klein. "Die Luftwechselrate, das heißt, der Austausch der Raumluft in Innenräumen durch Außenluft, sollte in Wohnungen etwa 30 Kubikmeter pro Person und Stunde betragen. Damit lassen sich CO2-Konzentrationen von dauerhaft weniger als 1.000 ppm erreichen", sagen die Experten. "Für Schulräume und Versammlungsräume mit vielen Personen wird als Kompromiss eine Luftwechselrate von 20 Kubikmeter pro Stunde und Person empfohlen. Damit lässt sich ein CO2-Gehalt unter 1.500 ppm erreichen."
Sorgfältig planen für hohe Qualität
Die relative Luftfeuchte sollte aus gesundheitlichen Gründen in einem Bereich von mindestens 35 Prozent relativer Feuchte (r.F.) bis maximal 65 Prozent r.F. liegen. Dies lasse sich über die Wahl der Außenluftwechselrate gut steuern: Ist es im Innenraum zu feucht, wird der Luftwechsel erhöht. Wird es zu trocken, wie etwa im Winter – wenn die Außenluft sehr trocken ist –, kann der Luftwechsel reduziert werden.
Die in die Innenräume einströmende Zuluft sollte nicht zu schnell aus den Zuluftventilen einströmen, denn dies kann zischende Strömungsgeräusche an den Ventilen erzeugen. Die Ventilatoren im Lüftungsgerät erzeugen im Betrieb ein Geräusch, das für Wohnräume zu laut ist. Daher müssen in den Lüftungsleitungen Schalldämpfer zwischen dem Gerät und den Abluft- und Zuluft-Ventilen eingebaut werden. Im Wohnraum darf der Schallpegel von der Lüftungsanlage maximal 25 dB(A) betragen. Die Lüftung sei dann im Wohnraum nicht hörbar. "Für die Planung und Qualitätssicherung der Lüftung sollte genauso viel Sorgfalt verwendet werden wie für alle anderen Teile des Gebäudes", sagen Kaufmann und Bräunlich abschließend.
Weitere Hinweise und Quellen finden Interessierte unter www.passipedia.de.
Bei dem Beitrag handelt es sich um einen Ausschnitt aus dem Artikel "Hier weht heutzutage ein frischer Wind" in der GFF-Ausgabe 6/22.
