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Skypen mit Waldemar Dörr (GFF BW) Glaserhandwerk nach vorne bringen

Erstmals ist im Jahr 2020 auch das Glaserhandwerk bei der Europameisterschaft der Berufe, den EuroSkills, am Start. Im GFF-Skypegespräch verrät Waldemar Dörr, Hauptgeschäftsführer des GFF BW, warum sich eine Beteiligung für die Branche lohnt.

Fast 100.000 Besucher haben sich schon jetzt registriert, um vom 16. bis zum 20. September 2020 in Graz dabei zu sein, wenn zirka 600 Teilnehmer aus sechs Berufsgruppen um den Sieg in etwa 45 Berufen kämpfen. Die Berufsmeisterschafft EuroSkills füllt ganze Stadien und bietet dem Glaserhandwerk damit im nächsten Jahr zum ersten Mal eine richtig große internationale Bühne, auf der es sich von seiner besten Seite zeigen kann.

"Bislang werden sechs Länder an dem Wettbewerb teilnehmen: Österreich, Frankreich, Luxemburg, die Schweiz, Russland und Deutschland", erzählt Waldemar Dörr, Schulleiter der GFF-Fachschule in Karlsruhe und Hauptgeschäftsführer des Fachverbands Glas Fenster Fassade Baden-Württemberg (GFF BW). Dänemark stehe als siebenter Partner noch im Raum (Stand November 2019). Alle Nationen schicken einen Teilnehmer ins Rennen. Bereits jetzt finden Vorbereitungstrainings auf die EuroSkills statt. "Im September 2019 war ich beim zweiten offiziellen innereuropäischen Training bei Bohle dabei", sagt Dörr. "Und dort habe ich dann gedacht: Jetzt fühle ich mich in Europa. Die vielen Teilnehmer, Trainer und Vertreter von Schulen aus ganz Europa kommen dafür zusammen, und es formen sich in kurzer Zeit freundschaftliche Beziehungen."

Ausscheidungswettbewerb auf nationaler Ebene im Februar

Insgesamt acht Teilnehmer aus fünf Nationen nahmen an diesem Übungswettkampf teil, der bei Bohle in Haan während der Hausmesse stattgefunden hat. Mit dabei war ein deutsches Team, bestehend aus den Teilnehmern bzw. Competitors Laurin Reutter von Reutter Fenster und Jonathan Schaaf von Pregizer & Schaaf Fensterbau, dem Teammanager Jens Erdmann sowie den Trainern bzw. Experts Antonio Bava und Kai Schäfer. Die Competitors dieser Trainingseinheit haben beide ihre Ausbildung an der GFF-Akademie in Karlsruhe absolviert. Sie schlossen beim Trainingswettkampf mit guten Ergebnissen ab. Reutter belegte sogar Rang drei "Ich bin wirklich stolz auf die Leistung der Jungs, denn beide sind in ihrem beruflichen Alltag vorwiegend im Fenster- und Glasfassadenbau unterwegs", sagt Dörr. Bei den EuroSkills liege der Schwerpunkt stattdessen auf dem Glasbau und der Verglasungstechnik. "Was sie dort gezeigt haben, haben sie vor allem bei uns in der überbetrieblichen Ausbildung kennengelernt."

Das heißt aber nicht automatisch, dass einer von ihnen für Deutschland antritt. Wer für Deutschland ins Rennen geht, entscheidet sich vom 26. bis zum 28. Februar 2020 beim nationalen Ausscheidungswettbewerb in Karlsruhe. "Auch Teilnehmer aus anderen Bundesländern werden dabei sein", schildert Dörr. "Je mehr Teilnehmer es sind, desto besser ist es. Wir wollen ja wirklich den Besten der Besten zum Wettkampf schicken." Natürlich würde es Dörr freuen, wenn einer seiner Schützlinge Deutschland bei den EuroSkills vertritt, doch betont er: "Für uns geht es einfach um die Jugend und darum, ihr die Chance zu geben, an diesem großartigen Event teilzunehmen."

Lohnenswert für das Glaserhandwerk

Für Dörr sind die EuroSkills e ine Gelegenheit für das Glaserhandwerk, zu zeigen, was es kann. "Wir alle profitieren von der Teilnahme – und das in vielerlei Hinsicht", sagt Dörr. Es gehe darum, die Aufmerksamkeit auf das Gewerk zu lenken und es auch als attraktive Branche darzustellen. "Auch die jungen Talente profitieren", ergänzt er. "Natürlich geht es um einen richtigen Wettstreit und am Ende will man der Beste sein, das ist ja auch gut so. Gleichzeitig geht es um einen kameradschaftlichen Gedanken, man unterstützt sich, feuert sich an und kommt mit Menschen aus dem gleichen Gewerk, aber aus anderen Ländern, zusammen." Das gibt es sonst nicht.

Dass gerade der Fachverband Glas Fenster Fassade Baden-Württemberg hier so im Vordergrund steht, sei keiner Arroganz oder Vordrängelei geschuldet. "Die Mitgliedschaft bei WorldSkills Deutschland hat der Bundesinnungsverband des Glaserhandwerks (BIV) gemeinsam mit den Jungglasern Deutschland inne. Sie haben den Startschuss gegeben", sagt Dörr. "Dann ging alles schnell und das Engagement in den anderen Bereichen war gering. Wir haben das einfach nur am schnellsten umgesetzt." Das werde dem Fachverband nicht immer positiv ausgelegt, aber damit könne er umgehen, schließlich gehe es um die Jugend.

Info: Sie können sich noch nicht vorstellen, wie groß die EuroSkills sind? Dann schauen Sie sich das Promo-Video für die Veranstaltung in 2020 auf YouTube an.

Bundesleistungszentrum in Karlsruhe

Künftig wird Karlsruhe auch als Bundesleistungszentrum fungieren. "Der BIV hat uns gefragt, und wir haben angenommen, da wir die personellen und technischen Anforderungen erfüllen", erzählt Dörr. Die Werkstätten der Fachschule seien so ausgerichtet, dass sie optimal für alle Situationen adaptierbar seien. "Wir können ein vollumfängliches Training anbieten", sagt Dörr. Und wenn es etwas zu ändern gäbe, sei die Fachschule ebenfalls gut aufgestellt. Denn dadurch, dass sie privatwirtschaftlich geführt werde, könne sie deutlich schlagkräftiger reagieren.

Fensterbauer des Jahres 2020

Von einem Wettbewerb geht es zum nächsten. Dörr sitzt in der Jury des GFF-Awards Fensterbauer des Jahres. Der Hauptgeschäftsführer weiß bei Erscheinen dieser Ausgabe bereits, wer den Titel tragen wird (Seite 53). Die Verleihung des Preises findet jedoch erst am 19. März um 16.30 Uhr auf dem Forum der FENSTERBAU FRONTALE statt. Der Wettbewerb ist für Dörr – ähnlich wie die EuroSkills – eine Möglichkeit für die Branche, zu zeigen, was sie leistet. "Ich würde mir nur wünschen, dass die Betriebe noch mutiger sind. Ich habe das Gefühl, dass sich viele nicht trauen, sich zu bewerben, weil sie gar nicht wissen, wie wichtig und großartig ihre Leistung ist", sagt er. Es gebe bereits so viele Betriebe, die sich zukunftsfähig aufstellen, ihre Strukturen anpassen, sich darüber Gedanken machen, was in zehn oder 15 Jahren sein könnte und wie sie sich weiterentwickeln wollen. Der Fensterbauer des Jahres sei ebenfalls eine Gelegenheit, zu zeigen, dass die Branche nicht so verstaubt ist, wie einige es vermuten.

Auch der Fachverband GFF BW versuche, immer am Puls der Zeit zu bleiben und seine Mitglieder zu unterstützen. "Nicht nur Betriebe, auch die Verbände stehen vor der Herausforderung, sich modern aufzustellen. Wir wollen dabei Vorreiter sein und versuchen, so präsent wie möglich zu sein", sagt Dörr im GFF-Talk. Der Verband sei präsent in Innungsversammlungen und versuche dort, die Stimmen aus der Branche aufzunehmen, darauf zu reagieren und Impulse zu geben. Denn für Waldemar Dörr ist klar: "Damit das Glaserhandwerk sich weiterentwickelt und auch künftig noch existieren kann, müssen wir nun zusammenarbeiten."

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