Kurz gefragt „Glas profitiert von 4.0-Trend“

Dr. Markus Schoisswohl ist Inhaber des Digitalisierungsdienstleisters Syn2Tec. - © Syn2Tec

GFF: Herr Dr. Schoisswohl, wie weit sind Glasbearbeiter und -hersteller beim Thema Digitalisierung?

Schoisswohl: Für die Flachglasverarbeitung nimmt das Thema Fahrt auf. In den meisten Betrieben ist die vertikale Integration, also die Kommunikation der Maschinen mit übergeordneten Systemen, derzeit aber auf den Erhalt der Aufträge durch die Maschinen beschränkt. Die Rückführung der Daten, vor allem über Online-Fertigmeldungen hinausgehend, ist noch ausbaufähig. Die digitale Integration der Mitarbeiter beschränkt sich zumeist auf den Einsatz von Handscannern.

Wie verändert die Digitalisierung die Branche?

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt massiv. Denken Sie nur an die Potenziale einer dynamischen Koppelung der Kapazitätsplanung an die Maschinen, dies allein treibt schon die Produktivität. Der Mensch wird stärker mit den Maschinen vernetzt. Das reicht von bewussten Maschinen, welche den Bediener im Arbeitsprozess unterstützen (ähnlich wie Assistenzsysteme im Fahrzeug) über automatisierte fahrerlose Transportsysteme wie von Hegla bis hin zum Exoskelett, welches das Heben schwerer Lasten vereinfacht.

Inwiefern ermöglicht die Digitalisierung eine Erweiterung der Services der Glashersteller für ihre Kunden?

Glas ist das Basisprodukt für alle digitalen Interaktionen und profitiert damit von der Digitalisierung. Für Fassade und Fenster liegt die Chance zunächst im Produkt selbst. Themen sind hier smarte Elemente, welche das Wohnklima unterstützen, Brüche in die Cloud melden und durchlässig für Mobilfunk (Hintergrund 5G) sind. Jedes einzelne Glaselement muss von der Bestellung über den Lifecycle identifizierbar sein und sich in den digitalen Zwilling des Gebäudes (BIM) integrieren. Wenn dann bei einem Einbruch die neue Scheibe vor der Polizei eintrifft, dann haben wir den Job richtig gemacht.