Vom Farbenhandel zum Verarbeiter Frerichs Glas feiert 150. Jubiläum

Frerichs Glas feiert 150-jähriges Jubiläum – und blickt auf ein Geschäftsmodell zurück, das mit Farben und Tapeten begann. Wie sich das norddeutsche Familienunternehmen über vier Generationen zum Hightech-Verarbeiter von Flachglas gewandelt hat.

Aus dem einstigen Farben- und Glashandel ist ein moderner Verarbeiter von Glas und Kunststoff geworden – der Stammsitz von Frerichs Glas in Verden. - © Frerichs Glas

Im Jahr 1876 eröffneten die Gebrüder Frerichs in Verden an der Aller einen Groß- und Einzelhandel für Farben, Tapeten und Lacke. 150 Jahre später hat das Sortiment von damals nichts mehr mit dem heutigen Geschäft gemein: Frerichs Glas verarbeitet an drei Standorten Glas und Kunststoff für Handwerk, Architektur und industrielle Anwendungen. Das Unternehmen zählt nach eigenen Angaben zu den größten Flachglasverarbeitern in Norddeutschland – und ist bis heute in Familienhand.

Vom Farbenhandel zur Glasveredelung

Die wohl folgenreichste Weichenstellung in der Unternehmensgeschichte fiel Anfang der 1970er-Jahre. Reinhard Cordes, der das Unternehmen in dritter Generation führte, trennte sich schrittweise von den Geschäftsfeldern Farben und Tapeten und setzte stattdessen auf Glas. Er sah dort größere Möglichkeiten für Veredelung, Differenzierung und eigene Wertschöpfung. Der Schritt war auch ein persönlicher Bruch: Schon als Zwölfjähriger hatte Reinhard Cordes Wandfarben, Lacke und Kleister mit dem Lastenfahrrad zu Malerbetrieben in Verden gebracht. Später gab er genau jenes Geschäft auf, in das er hineingewachsen war.

Die Fokussierung auf Glas legte den Grundstein für den Wandel vom Händler zum Verarbeiter. Neue Bearbeitungsverfahren kamen hinzu, ebenso Isolier- und Sicherheitsglas. Das Unternehmen entwickelte sich vom reinen Werkstofflieferanten zum Problemlöser – mit technischer Beratung, Fertigungskompetenz und der Fähigkeit, kundenspezifische Anforderungen in produzierbare Lösungen zu übersetzen.

Diversifikation nach derselben Logik

Der Gedanke, vom Werkstoff zur Lösung zu denken, prägt die Wachstumsstrategie des Unternehmens bis heute. Frerichs Glas erweiterte sein Portfolio um Beschlagsysteme und baute einen eigenen Kunststoffbereich auf: mit CNC-bearbeiteten Präzisionsteilen, Prototypen, 3D-Druck sowie Baugruppen für den Maschinen- und Anlagenbau sowie die Labor- und Medizintechnik. Die Diversifikation folge derselben Logik wie der frühere Schwenk zum Glas – Kundenanforderungen verstehen und Lösungen fertigen.

Auch geografisch wuchs das Unternehmen über seinen Stammsitz in Verden hinaus. Seit dem Jahr 1987 ist Frerichs Glas in Lüneburg vertreten. Vor sieben Jahren nahm ein Logistikzentrum in Nauen vor den Toren Berlins seinen Betrieb auf.

Reinhard Cordes und Simon Cordes stehen für zwei Familiengenerationen – und den Mut, das Unternehmen immer wieder weiterzuentwickeln. - © Frerichs Glas

Vierte Generation: Bewährtes achten, Neues ermöglichen

Heute führt Simon Cordes das Unternehmen als geschäftsführender Gesellschafter in vierter Familiengeneration. "Ich durfte eine Firma übernehmen, die mir ein starkes Fundament und zugleich den Raum gegeben hat, meinen eigenen Weg zu finden", sagt Cordes. "Genau darin sehe ich heute meine Verantwortung: das Bewährte zu achten, Neues zu ermöglichen und Frerichs Glas so weiterzuentwickeln, dass auch die nächste Generation eines Tages eigene Gestaltungsmöglichkeiten hat."

Die Bereitschaft zur Veränderung ende nicht beim eigenen Geschäftsmodell, sondern betreffe auch die Frage, was der Werkstoff Glas künftig leisten könne – mit energiesparenden und kreislauffähigen Produkten. Glas schütze, dämme und gestalte, schaffe auf Knopfdruck Privatsphäre und leiste einen Beitrag zu Sicherheit, Komfort und Energieeffizienz.

Batteriespeicher auf dem Firmengelände

Verantwortung drückt sich bei Frerichs Glas auch jenseits des Produktportfolios aus. Seit Juni steht auf einer Teilfläche des Unternehmensgeländes ein 5-Megawatt-Batteriespeicher. Er dient dem Lastspitzenmanagement und dem Arbitragehandel und leiste zugleich einen aktiven Beitrag zur Stabilisierung des regionalen Stromnetzes.

"Als Unternehmen können wir uns sehr wohl fragen, welchen Sinn unser eigenes Handeln hat", sagt Cordes. Dies bedeute, die in der eigenen Verantwortung liegenden Dinge so zu gestalten, dass bessere Rahmenbedingungen für ein "gesundes, intelligentes und vor allem sicheres Bauen auch für zukünftige Generationen" entstünden. "Genau so stelle ich mir zukunftsfähiges Unternehmertum vor", bekräftigt er.