Der geplante Gebäudetyp E soll günstiges Bauen ermöglichen – doch die Branche fürchtet aufgrund der vorgeschlagenen Reduktion von Fenster- und Glasflächen um Tageslicht und Energieeffizienz. So reagiert der Bundesverband Flachglas (BF) auf die politischen Pläne.

Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz sowie das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen haben am 20. November mit einem gemeinsamen Eckpunktepapier den Weg für das geplante Gebäudetyp-E-Gesetz geebnet (GFF berichtete).
Das Ziel: mehr bezahlbaren Wohnraum durch einfacheres, schnelleres und günstigeres Bauen schaffen. Bauministerin Verena Hubertz betonte, man wolle sich auf das Wesentliche konzentrieren – kompakte Grundrisse, robuste Materialien und den Verzicht auf kostentreibende Standards. Pilotprojekte zeigten bereits, dass dies möglich sei, etwa durch Fensterlüftung statt komplexer Anlagen, weniger massive Wände und serielle Bauweisen mit schlanken Konstruktionen.
Der Gebäudetyp E soll eine rechtssichere Möglichkeit bieten, einfachere Baustandards zu vereinbaren. Derzeit muss die Baupraxis einen hohen Baustandard und zahlreiche anerkannte Regeln der Technik einhalten, sofern nicht ausdrücklich etwas anderes vereinbart ist. Das neue Gesetz soll diese Vorgaben lockern und bürokratieärmer gestalten.
Bundesverband Flachglas kritisiert pauschale Reduktion
Die übergeordnete Zielsetzung des Eckpunktepapiers – durch vereinfachte Standards den Wohnungsbau zu beschleunigen – hält der Bundesverband Flachglas (BF) für nachvollziehbar. Kritisch sieht der Verband jedoch, wie bereits der VFF, die vorgeschlagene Reduktion von Fenster- und Glasflächen sowie den Verzicht auf besondere Schutzverglasungen.
"Unser Ziel muss sein, Planungssicherheit und Qualität im Fokus zu behalten – auch bei vereinfachtem Bauen", sagt Jochen Grönegräs, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Flachglas. "Tageslichtversorgung, Anpassung an die Klimafolgen und Energieeffizienz über die Nutzungsdauer dürfen nicht zugunsten pauschaler Reduktion geopfert werden."
Repräsentanz Transparente Gebäudehülle bringt sich ein
Die Repräsentanz Transparente Gebäudehülle (RTG), das gemeinsame politische Sprachrohr der Branche in Berlin, habe das Thema umgehend aufgenommen, heißt es vom BF. Die RTG vertritt die Interessen mehrerer Verbände und Unternehmen – darunter auch den Bundesverband Flachglas – gegenüber Politik und Öffentlichkeit.
Thomas Drinkuth, Leiter der RTG, hat dem Bundesverband Flachglas zufolge im persönlichen Gespräch den zuständigen Staatssekretär im Bundesbauministerium auf die erheblichen Probleme hingewiesen, die solche pauschalen Empfehlungen sowohl baufachlich als auch in den betroffenen Branchen auslösen. Parallel arbeite die RTG gemeinsam mit externen wissenschaftlichen Partnern an einer fundierten Bewertung der Eckpunkte.
Am 10. Dezember startete der offizielle Stakeholderprozess, der von beiden Ministerien getragen wird und bis Frühjahr 2026 konkrete gesetzliche Regelungen zum Gebäudetyp-E-Vertrag entwickeln soll. Auch der Bundesverband Flachglas bringt sich nach eigenen Angaben über seine Geschäftsführung und über die RTG aktiv in die thematischen Untergruppen ein.