Die zweite und dritte Familiengeneration führen Glas Herzog gemeinsam. Im umkämpften Markt hat die Geschäftsführung mehrfach ihren Instinkt für neue Entwicklungen unter Beweis gestellt – ein Blick in den Betrieb, der dieses Jahr sein 70-jähriges Bestehen feiert.
Bei der Glas Herzog GmbH im baden-württembergischen Waghäusel bei Karlsruhe gehen täglich mehr als als 1.000 Isoliergläser durch die vollautomatische Fertigung. Das Unternehmen hat schon früh die Automatisierung in der Produktion vorangetrieben – das sei ein wesentlicher Erfolgsfaktor, wie Senior-Geschäftsführer Andreas Herzog betont. Schon dem Glasschleifer Andreas Herzog, der den Betrieb im Jahr 1948 gründete, war die Investition in den Ausbau wichtig: Bereits Anfang der 1960er-Jahre etablierte er die Isolierglasproduktion als wichtiges Standbein.
Heute beschäftigt Glas Herzog mehr als 75 Mitarbeiter und beliefert Deutschland sowie die angrenzenden Nachbarländer mit Glasprodukten aller Art. Das Lieferprogramm umfasst die komplette Isolierglaspalette aus Zweifach- und Dreifach-Isoliergläsern. Zu den Schwerpunkten gehören Isoliergläser für Haustüren in verschiedenen Aufbauten, darunter sind Zweifach-, Dreifach- und Vierfach-Isoliergläser. Mittlerweile wird der Betrieb in zweiter Familiengeneration von Andreas Herzog, Sohn des Firmengründers, geführt. Im Jahr 2006 sind auch seine Söhne Andreas junior und Thomas in die Geschäftsleitung eingetreten. Ebenfalls in diesem Jahr hat das Unternehmen ein vollautomatisches Sortiersystem in Betrieb genommen. Seitdem lassen sich Floatgläser direkt vom Zuschnitt – in Auftragsreihenfolge sortiert – in die Isolierglaslinie einschleusen. Bauliche Erweiterungen und Investitionen in den Maschinenpark sind weitere Zeichen der Automatisierung. So ging Mitte des vergangenen Jahres eine neue VSG-Schneideanlage in Betrieb, die die schnellere sowie präzisere Bearbeitung ermöglicht.
In umkämpftem Markt behaupten
Die Kunden von Glas Herzog müssen sich gegen die oft günstige Konkurrenz aus dem Ausland durchsetzen und geben den Druck entsprechend weiter. „Die Nachfrage ist zwar auf einem hohen Niveau stabil, dennoch ist die Stimmung angespannt“, sagt Herzog senior, der sich angesichts der harten Preiskämpfe in der Branche keine Illusionen macht. Über den Preis gewinne man zwar Kunden, könne sie aber nicht halten. Und wie hebt man sich im steigenden Wettbewerb von Mitanbietern ab? „Wir sind auf dem neuesten Stand bei der Maschinentechnik“, hebt Andreas Herzog junior hervor und verweist auf den hohen Automatisierungsgrad im Unternehmen. Was möglich ist, läuft im Betrieb automatisch ab. Angespornt von den hohen Anforderungen der Türenindustrie, hat die Geschäftsführung über die Jahre ein System zur Qualitätssicherung aufgebaut, von dem alle Unternehmensbereiche profitieren.
Direkter Draht zum Hersteller
Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal sind strategische Verbindungen wie die Partnerschaft im Saint-Gobain Netzwerk Climaplus Securit-Partner (CSP), das aktuell mehr als 50 Isolierglashersteller, Sicherheitsglasproduzenten und Glasveredler in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie Tschechien und der Slowakei umfasst. Als Lizenznehmer greift Glas Herzog auf die Konzernressourcen zu. „Der direkte Draht zum Hersteller ist ein Pluspunkt in der Kundenberatung und bei der Akquise“, resümiert Andreas Herzog junior. Zudem bringe die Partnerschaft wirtschaftliche Vorteile. Über das Netzwerk und die Architektenberater von Saint-Gobain habe Glas Herzog den Zuschlag für das Hotelprojekt Seezeitlodge am Bostalsee, ein Bauvorhaben mit speziellem Energiekonzept, erhalten. Der Fachbetrieb sei unter anderem für die Herstellung und den Einbau von Sonnenschutzgläsern verantwortlich gewesen. Das nächste Projekt – eine Reihenhaussiedlung im Passivhausstandard – starte zurzeit in München: Dort werde das neue Komfort-Wärmeschutzglas Eclaz von Saint-Gobain erstmals im großen Stil eingesetzt. „Eine spannende Aufgabe“, ist sich das Führungstrio einig.„So etwas macht man nicht jeden Tag.“
Familie zieht an einem Strang
Das Wort Familienunternehmen wird bei den Herzogs großgeschrieben. Auch Ruth Herzog, Ehefrau des Seniors und Mutter der Juniorchefs, arbeitet in der Firma mit. Die zwei Generationen ziehen an einem Strang, wenn es um die Belange des Betriebs geht – für die Unternehmensnachfolge ein zentraler Punkt. „Ich habe meine Söhne immer an der langen Leine laufen lassen und sie nie in die Firma gedrängt“, verrät Andreas Herzog senior sein Rezept. So habe der Nachwuchs die Freiheit gehabt, seine eigenen Wege zu gehen: Während sich Thomas Herzog für eine Berufsausbildung mit anschließender Meisterschule entschied, zog Andreas Herzog junior ein Studium an einer Berufsakademie vor. Am Ende kehrten beide in elterliche Gefilde zurück.
„Gerade in der heutigen Zeit, in der die Maschinen zunehmend kompliziert werden, da suchen wir intensiv nach Fachkräften,wie z.B. den Mechatronikern.“
Heute hält das Führungstrio das Unternehmen auf Kurs. „Ich schätze die Vielseitigkeit und die täglichen Herausforderungen“, beschreibt Andreas Herzog junior seinen Antrieb und Bruder Thomas pflichtet ihm bei: „Es macht Spaß, hier zu arbeiten. Irgendwie hat man das im Blut.“
Und wohin geht künftig die Reise des Betriebs? „Wir haben in den vergangenen Jahren viel investiert, so dass wir das Potenzial in Bezug auf die Maschinentechnik ausgeschöpft haben“, zieht der Seniorchef Bilanz. In diesem Jahr habe das Unternehmen neue Fahrzeuge – einen Lkw mit Ladekran und Plane sowie einen Anhänger mit Plane – erworben. Die Planen sorgen dafür, dass das Glas trocken und sauber beim Kunden ankommt. Auch Neueinstellungen seien ein Dauerthema: „Gerade in der heutigen Zeit, in der die Maschinen immer komplizierter werden, suchen wir vor allem Fachkräfte wie Mechatroniker“, ergänzt der Senior.