Rund 280 Teilnehmer besuchten die 24. Ausgabe des Fenster-Türen-Treffs, der am 6. und 7. März in Salzburg stattfand. Unter dem Motto "Der Kreislauf beginnt hier" wurden aktuelle Themen und technische Trends vorgestellt. Kooperationspartner des Branchentreffs waren wie gewohnt der Verein Plattform Fenster Österreich, die Bundesinnung Tischler und Holzgestalter und der Bundesverband Sonnenschutztechnik Österreich.
Seminarleiterin Dr. Julia Bachinger (Holzforschung Austria) begrüßte das zahlreich erschienene Publikum und eröffnete die Veranstaltung. Im Keynote-Vortrag "Licht und Schatten" stellte Kathrin Masuch (Urban Human e.V.) evolutionsbiologische Überlegungen zum Wohnen von morgen an. Natürliche Elemente wie Licht, Luft und Pflanzen sowie eine klare räumliche Struktur sind laut ihrer Aussage zur Auflösung der Diskrepanz zwischen der evolutionären Vergangenheit in der Savanne und dem modernen Lebensstil im dicht verbauten, urbanen Gebiet unabkömmlich. Laut Masuch nimmt der Mensch alles als schön wahr, was evolutionär wichtig ist.
Die österreichische Kreislaufwirtschaftsstrategie
Dr. Martin Weigl-Kuska (Holzforschung Austria) gab im zweiten Vortrag des Tages mit den sogenannten 10R (Rethik, Reuse, Remanufacture, etc.) einen Überblick über die Grundlagen der österreichischen Kreislaufwirtschaftsstrategie. Er erläuterte die Sonderstellung und die kommenden Aufgaben der Fenster- und Türenbranche hinsichtlich der Anforderungen der Umweltdeklaration (EPDs) und der abfallrechtlichen Situation.
Im Anschluss erörtere Prof. Dr.-Ing. Sabine Flamme (FH Münster / D) wie die zirkuläre Wertschöpfung für Fenster in der Praxis gelingt. Sie plädierte für eine materialübergreifende Bündelung von bestehenden und noch zu schaffenden Rücknahmesystemen durch Netzwerke und Zertifikate. Dr. Martin Weigl-Kuska (Holzforschung Austria) griff danach in Vertretung von DI (FH) Christina Fürhapper (Holzforschung Austria) erneut zum Mikrofon und tauchte mit seinem Referat über Inspirationen, Potenziale und Herausforderungen der Holzfenster am Weg in die Zirkularität tiefer in die Materie ein.
Herausforderungen hinsichtlich Kreislauffähigkeit und Klimaresilienz
Die anschließende Podiumsdiskussion über die kommenden Herausforderungen für Fenster, Türen und Sonnenschutz hinsichtlich Kreislauffähigkeit und Klimaresilienz wurde von DI Sylvia Polleres (Holzforschung Austria) moderiert, die schon den ganzen Vormittag zielsicher durch das Programm geführt hatte. Prof. Dr.-Ing. Sabine Flamme (FH Münster / D), Dr. Martin Weigl-Kuska (Holzforschung Austria) und DI (FH) Stephan Kubinger (IFN-Beteiligungs GmbH) führten eine fachlich sehr breite und fundierte Diskussion. Das Fazit der Diskutierenden war, einfach mal mit der zirkulären Wertschöpfung zu beginnen und das Thema am kooperativen Weg voranzutreiben. Dafür müssen die eigenen Prozesse überprüft werden, wie man die Auflagen am besten erfüllen kann.
In den Pausen wurde die Fachausstellung mit mehr als 30 Ausstellern von den Teilnehmenden dazu genutzt, um in lockerer Atmosphäre Fachgespräche zu führen, Bekannte zu treffen und neue Kontakte zu knüpfen.
Forschung & Technik
Den zweiten Block eröffneten Mag. Dieter Lechner und Mag. Ingo Ganzberger (beide Vertreter der Plattform Fenster Österreich), die die aktuelle Arbeit der Plattform Fenster Österreich für die Fensterbranche vorstellten. Danach referierten Dipl. Ing. HTL Urs Uehlinger (Berner Fachhochschule Biel / CH) und Dipl. Holzingenieur FH Bernhard Bieri (Wenger Fenster AG / CH) über Projektergebnisse zur Entwicklung einer aktiven rahmenintegrierten Lüftung für Holz-Alufenster. Sie zeigten dem Publikum Prototypen, die sowohl für Sanierungen als auch für einen Neubau konzipiert wurden.
Dr. Thomas Stöckli (Schenker Storen AG / CH) spannte im Anschluss den Sonnenschutz sprichwörtlich in den Windkanal. Er berichtete von einer Studie zur Messung und Ermittlung der Auswirkung von böigen und schräg eintreffenden Windbelastungen auf Sonnenschutzprodukte. Danach informierte Mag. Notburga Pfabigan (Holzforschung Austria) die Teilnehmenden tiefergehend zur Thematik der Holzschutzmittelfreiheit von Holzfenstern. Ihr Fazit: Ein Verzicht auf chemischen Holzschutz ist nur bei entsprechend vorliegenden Normen und Regelwerken zulässig. Eine allgemeine Empfehlung ist aktuell nicht möglich. Sie zeigte aber erste positive Versuche über die Schichtdicke von Beschichtungssystemen das Befallsrisiko von Holz zu reduzieren. Auch die Holzqualität spielt eine entscheidende Rolle.
Im letzten Vortrag des Tages hoben die Teilnehmenden mit Flugkapitän Capt. Hans Härting (Lufthansa Group Airlines) im wahrsten Sinne des Wortes ab. Er holte sie jedoch gleich wieder auf den Boden der Realität zurück und zeigte Anhand von Methoden und Strategien der Luftfahrt allgemeingültige Regeln für Prozesssicherheit und den Umgang mit Fehlern auf.
Praxis & Recht
Den zweiten Tag leitete Dipl.-Ing. Georg Steiner (Holzforschung Austria) in Doppelconference mit dem Fensterexperten Dipl.-HTL.-Ing. Peter Schober (Technische Universität Wien) ein. Die beiden gaben einen Einblick in die am 1. November 2024 in Kraft getretenen Änderungen der ÖNORM B 5320 "Einbau von Fenstern und Türen in Wände – Planung und Ausführung des Bau- und des Fenster- / Türanschlusses". Die beiden Basisseminare Fenstereinbau der Holzforschung Austria am 25. März 2025 in Wels und am 26. März 2025 in Graz werden sich dem Thema noch weit ausführlicher annehmen.
Warum die Normenregeln in Bezug auf den sogenannten Waagriss – die Referenzhöhe von Gebäuden – verwirren, erklärte Dipl.-Ing. Markus Gail, BSc (Bauwirtschaftliche Beratung GmbH). Er schlug als Lösung vor, dass der Auftraggeber gegenüber dem Auftragnehmer festlegen soll, wer den Waagriss erbringt, oder einen externen Vermesser beauftragen soll. Eine dahingehende Präzisierung in der ÖNORM B 2110 wäre sinnvoll.
Gespannt waren die Teilnehmenden auf den Einblick in die Prüfpraxis des Fenster- und Türenbereichs der Holzforschung Austria am Standort Stetten. DI Martin Wieser (Holzforschung Austria) zeigte anhand von aussagekräftigen Beispielen der Prüfung von Luftdurchlässigkeit, Schlagregendichtheit, Windwiderstandsfähigkeit, Dauerfunktion, etc., wie die dabei gewonnene Kompetenz und Prüferfahrung für die Fertigung von Außentüren und Fenstern, die Qualitätssicherung und Produktentwicklungen der Kunden positiv beeinflusst.
Den Abschlussvortrag der Veranstaltung hielt Rechtsanwalt Dr. Helmut Liebel (E + H Rechtsanwälte GmbH) über die Gestaltung von allgemeinen Geschäftsbedingungen. Diese sind ein unverzichtbarer Bestandteil im Geschäftsalltag, benötigen aber für eine hieb- und stichfeste rechtssichere Gestaltung unbedingt juristisches Fachwissen.
Seminarleiterin Dr. Julia Bachinger (Holzforschung Austria) verabschiedete das Publikum und kündigte gleich den Termin für die bereits 25. Auflage des österreichischen Branchentreffs an. Der Fenster-Türen-Treff 2026 findet am 5. und 6. März 2026 wieder im Congress Salzburg statt.
