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Kontraste, Kombinationen, Flächigkeit Farbiges Glas – und wie es wirkt

Menschen brauchen Farbe wie das tägliche Brot. Farbiges Glas belebt, macht Dinge schöner, begreifbarer, reizvoller und hilft außerdem beim Zuordnen und Unterscheiden.

Mangelnde farbliche Gestaltung von Räumen hat Einfluss auf das Wohlbefinden, die Leistungsbereitschaft und die Konzentrationsfähigkeit. Das gilt insbesondere für den Arbeitsplatz. Farben und Licht stimmen die Menschen positiv oder negativ. Falsche Farb- und Lichtgestaltung steigert die Unbehaglichkeit der Mitarbeiter, erschwert ein vernünftiges Arbeitsergebnis und macht im Extremfall sogar krank. Deshalb hat der Stellenwert von farbigen Gläsern bei der Innenraumgestaltung in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Farbige Gläser lassen sich auf ganz unterschiedliche Weise realisieren. Oft spielt dabei die beabsichtigte Wirkung eine große Rolle – sollen die Gläser ihren Effekt etwa in der An- oder in der Durchsicht entfalten? Für ESG besteht die Möglichkeit des Emaillierens beziehungsweise des Siebdrucks mit keramischen Einbrennfarben. Als Basisglas verwenden die Hersteller in der Regel ein Floatglas, das sich durch eine sehr plane Oberfläche auszeichnet. In einer Siebdruckanlage wird die Druckfarbe durch ein engmaschiges Sieb mit einem Rakel auf die Oberfläche der liegenden Glasscheibe aufgedruckt, wobei die Maschenweite des Siebes die Dicke des Farbauftrages geringfügig beeinflusst. Der Farbauftrag erscheint dann je nach gewählter Farbe und Schichtdicke deckend bis durchscheinend. Zudem sind für diesen Fertigungsprozess je nach Farbe leichte Streifen typisch, die sowohl in Druckrichtung als auch quer dazu vorkommen. Vereinzelt treten auch leichte Schleierstellen auf, die aus Inhomogenitäten bei der Siebreinigung resultieren. Die so hergestellten Scheiben eignen sich meist nur für die Ansicht. Ist die Durchsicht entscheidend, kommen entweder in der Masse gefärbte Gläser oder im Rahmen der VSG-Herstellung eingefärbte PVB-Folien zum Einsatz. Während die erste Alternative  mit der Problematik verbunden ist, dass die Farbintensität in der Regel mit der Glasdicke zunimmt und die Auswahl an Farben auf den ersten Blick begrenzt ist, bieten die Folien durch die Kombinationsmöglichkeiten ein scheinbar unbegrenztes Spektrum an.

Farblichtanwendungen spielen auch im Wellnessbereich immer häufiger eine wichtige Rolle. Dazu trägt der Trend zur asiatischen Lehre des Feng-Shui bei, die sich ausführlich mit dem gezielten Einsatz von Licht und Farbe im Wohnbereich beschäftigt. Alle gestaltbildenden Elemente eines Raumes sollten für den Betrachter auch wahrnehmbar sein. Das trifft immer zu: Ob der Glasgestalter nun die räumliche Gliederung betonen, korrigieren oder bewusst Kontraste im Raum setzen möchte. Kleine helle Räume wirken einfarbig sehr monoton, bei kleinen dunklen Räumen sollte der Glasfachmann einheitlich pastellfarbene Töne bevorzugen. In großen hellen Räumen lässt sich dagegen fast alles machen. Sind sie allerdings dunkel, vertragen sie nur weiche Kontraste. Farben und ihre Wirkung kann der Experte bewusst einsetzen, indem er einen Bezug herstellt. So wirken Farben in Kombination auffälliger als Einzelfarben. Farbkontraste erzeugen Spannungen, die beleben, erfrischen oder aber auch anspannend und unangenehm wirken können. Kontraste ermöglichen eindeutige Unterscheidung und schaffen Aufmerksamkeit. Bei dunkleren Farben wirken große Flächen immer dunkler als kleinere Flächen. Schmale, lange Räume lassen sich durch die Betonung der Stirnflächen optisch verkürzen und hohe Räume wirken durch dunklere Decken niedriger. Außerdem sollte der Glasverarbeiter beachten, dass Farben bei Tageslicht anders wirken als bei künstlicher Beleuchtung, insbesondere bei der Verwendung von Energiesparlampen, die oft nur ein sehr enges Frequenzspektrum abstrahlen. Farbiges Licht ist, im Unterschied zum Farbpigment, ein subjektiver Sinneseindruck, der immer dann entsteht, wenn Licht mit bestimmten Wellenlängen auf die Netzhaut des Auges fällt. Dort werden spezielle Sinneszellen zu einer Nervenerregung veranlasst, die zum Gehirn geleitet wird und dort als „Farbe“ ins Bewusstsein des Menschen tritt. Farbe ist also eine reine Sinnesempfindung und keine physikalische Eigenschaft eines bestimmten Gegenstandes. Die visuelle Farbwahrnehmung des Menschen bestimmen Rezeptoren auf der Netzhaut. Diese Sinneszellen existieren in zwei Grundtypen: Die so genannten Stäbchen unterscheiden nur Schwarz/Weiß-Kontras te, die so genannten Zapfen dienen der Farbwahrnehmung. Die Zapfen kommen in drei Ausprägungen vor und erreichen ihr Empfindlichkeitsmaximum in den Spektralbereichen, die der Mensch als die Grundfarben Rot, Grün und Blau wahrnimmt, wovon der Grünbereich als besonders sensibel gilt.

Die Lichtzusammensetzung und -menge wertet auch das menschliche Hormonsystem aus. Bei ausreichend Helligkeit produziert der Körper das Hormon Serotonin, das die Wachmechanismen nährt und das Nervensystem stabilisiert. Bei Dunkelheit schüttet die Drüse stattdessen das Hormon Melatonin aus, das die Müdigkeit verstärkt und die Herzfrequenz und Verdauung verlangsamt. Mit zunehmender Melatoninausschüttung fällt zudem der Blutdruck – der Mensch verfällt in der Folge in eine totale Müdigkeit. Als „Schaltschwelle“ gelten Lichtstärken von zirka zwei bis drei Kilolux. Wird das Auge vom Licht eines bestimmten Wellenlängenbereichs getroffen, so hat dies außer der einfachen Sinnesempfindung „Farbe X“ noch eine weitere, deutlich komplexere und farbspezifische psychologische Wirkung. Diese Wirkungen der Farbwahrnehmung werden gerne zur Erzeugung bestimmter Effekte genutzt: Am Arbeitsplatz erhöht sich die Effizienz, monotone Arbeiten fallen leichter, im Einzelhandel steigt der Umsatz durch geschickte Lichtlenkung. Grünes Licht etwa soll die Kreativität fördern, gelbes Licht soll entspannen und steht für Heiterkeit, Blau lindert Schmerzen und fördert die Heilung und Rottöne sollen stimulierend und vitalisierend wirken. Neueste Forschungen haben einige bisherige Vermutungen bestätigt:

– Ein zartes Grün an den Wänden beflügelt den Einfallsreichtum und die Kreativität.
– Blau beschleunigt die Wundheilung und lindert zugleich Schmerzen.
– Rot regt alle Lebewesen an – Pflanzen wachsen besser und bei Menschen steigt die Pulsfrequenz.

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