Vor der BIV-Versammlung in Hamburg Es wird einsam in Hadamar

Die Mitgliederversammlung des Bundesinnungsverbands (BIV) des Glaserhandwerks in Hamburg wirft ihre Schatten voraus. Die sind ganz schön dunkel. Was in der Hansestadt auf dem Spiel steht, erfahren Sie hier.

Bestens vernetzt: Bundesinnungsmeister Martin Gutmann (li.) tauscht sich auf den GFF-Praxistagen mit Glasermeister Sven Klingele, Glaser-Innung Berlin (2.v.li.), und Uwe Horn, Landesinnungsmeister Niedersachsen, aus. - © Holzmann Medien

Für die Delegierten des GFF BW heißt es, sich möglichen Reaktionen auf die Beschlüsse der eigenen Mitgliederversammlung (Austritt als Tagesordnungspunkt für Frühjahrsversammlung; klares Nein zu Beitragserhöhung) zu stellen. Bundesinnungsmeister Martin Gutmann reist als Vorsitzender eines Präsidiums light an, das sich klar gegen die weitere Zusammenarbeit mit ihm positioniert hat; auch wenn sich das bei einem Besuch von Hauptgeschäftsführer Stefan Kieckhöfel und BIM-Stellvertreter Michael Wolter vor 14 Tagen beim – in Teilen ebenfalls austrittswilligen – Landesinnungsverband Bayern schon wieder anders darstellte.

Wohl auch, weil das nordrhein-westfälisch-schleswig-holsteinisch-brandenburgische Quartett, dem neben Wolter sein Stellvertreter-Kollege Hermann Fimpeler und Udo Pauly sowie Michael Schulze aus Lübeck angehören (alle Vier haben auch das BIV-Schreiben an seine Mitglieder unterzeichnet, in dem u.a. dieses Medium wegen seiner nicht opportunen Berichterstattung als "Revolverblatt“ bezeichnet und die Beitragshöhe des Fachverbands GFF BW falsch wiedergegeben wird, dafür aber mal wieder von "Fake News" die Rede ist), inzwischen mitbekommen hat, dass es für eine Demission Gutmanns unmöglich sein dürfte, Mehrheiten zu organisieren.

On the money

Einmal abgesehen davon, dass es ganz eng wird in Hadamar, wenn neben Baden-Württemberg künftig auch die Einnahmen aus München fehlen. Nach unseren Informationen belaufen sich die Einkünfte des Bundesverbands aus Mitgliedsbeiträgen auf 170.000 Euro, davon kommen (bislang) 45.000 Euro aus dem Freistaat und das nächste Jahr noch einmal um die 40.000 Euro (reiner Beitrag, ohne Reisekosten) aus Baden-Württemberg.

Was wir sicher wissen: Noch vor dem Termin in Hamburg, wahrscheinlich vorige Woche, trafen sich die Spitzen des GFF BW und des LIV Bayern mit Noch-BIM Gutmann. Damit bestätigt sich einmal mehr, was das ehrenamtliche Oberhaupt des deutschen Glaserhandwerks immer gesagt hatte: Als Fensterbauer ist Gutmann (auch) Vertreter der beiden starken Verbände im Süden, ohne ihn nimmt der Zusammenhalt in der Bundesorganisation Schaden. Dabei ist das Vorgehen in Karlsruhe und München durchaus unterschiedlich: Hatten die Delegierten des Fachverbands Glas Fenster Fassade Baden-Württemberg auf der via Facebook live begleiteten Delegiertenversammlung nicht den Hauch eines Zweifels daran gelassen, dass für sie das Problem in der Geschäftsstelle Hadamar zu suchen sei und wohl nur durch eine (vorzeitige, aber mutmaßlich teure) Trennung von HGF Kieckhöfel lösbar wäre, verlangen die Bayern einen Neuanfang im Präsidium.

Zur Erinnerung: Thomas Strobl, gerade einstimmig an der Spitze des LIV bestätigt (wie, vom Kassenprüfer abgesehen, auch der Rest der Vorstandschaft), hatte bei den einmal mehr unglücklich verlaufenen BIV-Wahlen in Trier den Einzug in dieses Gremium verpasst. Dagegen sagte der maximal gestärkte Landeschef am GFF-Telefon, eine Ablösung des HGF "können wir als Landesverband nicht fordern": Neuwahlen aber schon.

Das ist Stand

So stellt sich die Situation in Hamburg dar: Es gibt ein Rumpfpräsidium (die genannten ehrgeizigen Vier), das sich nicht erst seit den Machtspielchen um die Position des BIM und dem Eingeständnis, den BIV-Brandbrief mit den Attacken auf GFF BW und GFF zur Unterschrift vorgelegt bekommen zu haben (wie nach unseren Informationen bereits die Replik auf die Kritik des Verbands im Saarland, natürlich ebenfalls vor allem an Kieckhöfel), schwerlich für einen Neuanfang empfiehlt.

Der Bundesinnungsmeister wird weiter von den (partiell austrittswilligen) Südverbänden gestützt und kämpft unbeirrt um die Fortexistenz des BIV. Und der Hauptgeschäftsführer steht statt der noch vor Kurzem angestrebten Beitragserhöhung gegen Ende seiner Amtszeit vor einer Situation, in der dem Verband Mittel und Mitglieder gleichermaßen abhandenzukommen drohen. Es wird immer einsamer in Hadamar.