Nach Insolvenzantrag Ertl Glas rettet Roschmann Glas

Ertl Glas aus Österreich übernimmt die insolvente Roschmann Glas GmbH und sichert damit 50 Arbeitsplätze. Für ein weiteres Unternehmen der Roschmann Gruppe hat sich die Hoffnung auf Rettung dagegen zerschlagen.

Der Unternehmenssitz von Roschmann in Gersthofen.
Glass Tower: Der Unternehmenssitz von Roschmann in Gersthofen. - © Roschmann

Das Amtsgericht Augsburg hatte zum 1. Oktober die Insolvenzverfahren über vier Gesellschaften der Roschmann Gruppe eröffnet. Für die Roschmann Glas GmbH und 50 Mitarbeiter konnte Insolvenzverwalter Dr. Alexander Zarzitzky von der Kanzlei Anchor eine Fortführungslösung finden. Ein Unternehmen aus dem Verbund der österreichischen Ertl Glas AG übernimmt den Geschäftsbetrieb und führt die Glasbau-Tradition am bayerischen Standort Gersthofen fort.

"Die Einigung mit Ertl Glas ist ein starkes Signal für die Region. Wir sichern zirka 50 Arbeitsplätze und sorgen dafür, dass die Glasbau-Tradition in Gersthofen fortgeführt wird", sagt Zarzitzky.

Vollsortimenter mit 300 Beschäftigten als neuer Eigentümer

Die Gruppe Ertl Glas mit Sitz in Österreich ist Vollsortimenter in Sachen Glas. Das Unternehmen erzielt mit zirka 300 Beschäftigten einen Jahresumsatz von zirka 50 Millionen Euro und besteht seit mehr als 80 Jahren. Die Firma verfügt über weitere Standorte in Tschechien und Slowenien.

Als neuer Inhaber möchte die Gruppe die bisherige Roschmann Glas GmbH weiterentwickeln und die Position am Markt weiter ausbauen. Für Kunden und Lieferanten sei durch den Verkauf weiterhin eine gute und stabile Geschäftsbeziehung gesichert.

Keine Lösung für Roschmann Konstruktionen aus Stahl und Glas

Die internationalen Töchter der Roschmann Gruppe in Großbritannien, den USA und Frankreich sind von den Insolvenzverfahren nicht betroffen. Für die operativ tätigen Gesellschaften in den USA und Großbritannien fanden sich bereits Investorenlösungen. Für die französischen Gesellschaften läuft laut Zarzitzky derzeit ein strukturierter Investorenprozess.

Für Roschmann Konstruktionen aus Stahl und Glas konnte dagegen keine tragfähige Investorenlösung gefunden werden. Aus diesem Grund musste den Beschäftigten gekündigt werden. Ein Kernteam arbeitet die begonnenen Aufträge ab, um die noch laufenden Kundenprojekte geordnet zu Ende zu führen.

Woher kamen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten?

Die Roschmann Gruppe war in den vergangenen Monaten zunehmend unter Druck geraten, trotz eines vom Gesellschafter unterstützten Restrukturierungsprozesses. Im ersten Quartal dieses Jahres kam es infolge einer schwächeren Marktentwicklung, rückläufiger Aufträge und projektbezogener Verzögerungen zu einem deutlichen Leistungsrückgang. Dies führte zu verspäteten Zahlungseingängen und einem erhöhten Liquiditätsbedarf. Hinzu kamen inflationsbedingte Kostensteigerungen sowie ein gestiegener Aufwand für Fremddienstleistungen infolge der Umstellung auf eine schlankere Fertigungsstruktur. Die parallel eingeleitete Investorensuche konnte nicht rechtzeitig abgeschlossen werden – der Insolvenzantrag war daher unvermeidlich.

Das ist die Roschmann Gruppe

Die Roschmann Gruppe zählt zu den führenden Spezialisten für anspruchsvolle Fassadenarchitektur aus Stahl und Glas. Die Ursprünge des Unternehmens reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Seit dem Jahr 1952 ist Roschmann in Gersthofen ansässig, wo auch die eigene Fertigung für Stahl- und Blechbearbeitung angesiedelt ist. Ein architektonisches Wahrzeichen ist der im Jahr 2020 eröffnete Glass Tower mit elf Geschossen Bürofläche und einer modernen Produktionshalle.

Die Liste der realisierten Projekte umfasst internationale Architektur-Highlights wie das Norwegische Nationalmuseum in Oslo, den EZB-Hauptsitz in Frankfurt, das IOC-Headquarter in Lausanne, ein Campuscenter der Harvard University in Boston, das Überseequartier in Hamburg, die WWK-Arena in Augsburg sowie das National Air and Space Museum in Washington. Seit dem Jahr 2017 gehört die Gruppe zur RSBG SE, einer Beteiligungsgesellschaft der RAG-Stiftung.