Branchentreffen Erstes Kreislaufforum Holz zeigt Theorie und Praxis

Die Holzforschung Austria veranstaltete am 15. Mai ihr erstes Kreislaufforum Holz in Wien. Die zirka 80 Teilnehmer erhielten einen breiten Einblick in die aktuellen Entwicklungen, die Rahmenbedingungen – sowie über hilfreiche Tools zur praktischen Umsetzung der zirkulären Altholznutzung.

Rund 80 Teil­nehmende infor­mierten sich beim 1. Kreis­lauf­forum Holz der Holz­for­schung Austria in Wien über aktu­elle Entwick­lungen, Rahmenbedin­gungen und hilf­reiche Tools zur praktischen Umset­zung der zirku­lären Altholznutzung.
Rund 80 Teil­nehmende infor­mierten sich beim 1. Kreis­lauf­forum Holz der Holz­for­schung Austria in Wien über aktu­elle Entwick­lungen, Rahmenbedin­gungen und hilf­reiche Tools zur praktischen Umset­zung der zirku­lären Altholznutzung. - © Holzforschung Austria

Semi­nar­leiter Dr. Martin Weigl-Kuska (Holz­for­schung Austria) begrüßte die Teilnehmenden und eröff­nete das Kreis­lauf­forum Holz. Er sieht die Rele­vanz der Kreislauf­füh­rung von Altholz und die kommenden Herausfor­de­rungen als unbestritten an. Die Kreis­lauf­wirt­schaft zeichne den Beginn einer funda­men­talen Trans­for­ma­tion des gesamten Wirtschafts­sys­tems. Sie sei sowohl poli­ti­scher Auftrag als auch eine bewusste Entschei­dung zur Nach­hal­tig­keit.

Das neue Tagungs­format habe sich deshalb das Ziel gesetzt, die unterschiedlichen Bran­chen zukünftig stärker zu vernetzen. Als gemeinsame Netzwerkplattform habe das Kreis­lauf­forum Holz den Teilneh­menden nicht nur Inspi­ra­tion, sondern auch hand­feste Lösungen auf konkrete Fragen zur Theorie und Praxis der Kreislaufführung von Holz geliefert.

Rahmenbedingungen

Refe­rent Hubert Grech (Bundes­mi­nis­te­rium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umwelt­schutz, Regionen und Wasserwirtschaft) bot dem Publikum einen Überblick über den Status quo der Altholz­rechts­lage bezüg­lich Abfallwirtschaftsgesetz, Recycling­holz­ver­ord­nung und Abfallverbrennungs­ver­ord­nung.

Architekt Martin Aich­holzer (MAGK Archi­tekten Aich­holzer I Klein ZT OG) widmete sich dem Wirkungs­ver­lauf der Kreislaufwirtschaft in Hinblick auf reali­sierte Bauvor­haben. Chris­tina Fürhapper (Holzforschung Austria) lieferte aus dem Forschungspro­jekt Timber­Loop praxis­taug­liche Quali­täts­kri­te­rien und Entscheidungs­tools für einen syste­ma­ti­schen Umgang mit etwaig konta­mi­na­ti­ons­be­las­tetem Bau- und Abbruchs­holz und stellte inno­va­tive Zirku­la­ri­täts­kon­zepte vor.

Klassifizierungs-, Arbeits- und Bewertungstools

In seinem Vortrag "Ohne Rückbau kein Re-Use ─ Das erste ‚R‘ im Holzkreislauf" erläuterte Simon Winter (Holz­for­schung Austria) das im Projekt Timber­Loop entwi­ckelte Rückbau-Audit für Holz­bau­teile als Grund­stein für eine hoch­wer­tige Weiterverwen­dung von Altholz als Massiv­holz.

Vortragende des Kreislaufforum Holz in Wien (v.l.n.r.): Christina Fürhapper, Kaspar Albrecht, Harald Schwarzschachner, Dr. Thomas Moosbrugger, Seminarleiter Dr. Martin Weigl-Kuska, Hubert Grech, Martin Aichholzer und Simon Winter.
Vortragende des Kreislaufforum Holz in Wien (v.l.n.r.): Christina Fürhapper, Kaspar Albrecht, Harald Schwarzschachner, Dr. Thomas Moosbrugger, Seminarleiter Dr. Martin Weigl-Kuska, Hubert Grech, Martin Aichholzer und Simon Winter. - © Holzforschung Austria

Kaspar Albrecht (Holz­for­schung Austria) ging tiefer in die Materie und zeigte Forschungs­er­geb­nisse zur Kreis­lauf­füh­rung tragender Holz­bau­teile. Als beson­ders praxis­re­le­vant habe sich hier die Wieder­ver­wen­dung (Re-Use), die Repa­ratur (Repair) und die Wieder­auf­be­rei­tung (Remanufacture) erwiesen. Aus alten geklebten Holz­bau­teilen weiter­ver­ar­bei­tete Stab­la­mellen erfüllen die Anfor­de­rungen der Festig­keits­klasse T14 und eignen sich für die Produk­tion von Brett­schicht­holz der Festig­keits­klasse GL24.

Hilde­gund Figl (IBO) gab einen Einblick in die aktu­ellen Entwick­lungen der Lebens­zy­klus­ana­lyse (Ökobi­lanz) sowie der Zirkularitätsbewertung von Holz­bau­ma­te­ria­lien am Lebens­ende und stellte den Katalog für kreis­lauf­fä­hige Bauteile vor.

Getting things done

Univ.-Prof. Juri Troy (TU Wien) widmete sich in seinem Vortrag prak­ti­schen Beispielen für den zirku­lären Holzbau in Österreich, wie etwa sortenreines Bauen, Verbin­dungs­mittel und Einsatz­be­reiche.

Dr. Thomas Moos­brugger (Rubner Holding AG) sprach über Möglich­keiten und Heraus­for­de­rungen des Recy­cling­pro­zesses von Altholz. Er erläuterte die für die Nutzung von Altholz als wert­voller Sekundär­roh­stoff benö­tigten Verfahren und Prozesse, die zur Herstel­lung neuar­tiger Produkte notwendig sind.

Harald Schwarz­schachner (Stora Enso Wood Products GmbH) refe­rierte über die Lebens­zy­klus­be­trach­tung von Mixed Use Design Gebäudekonzepten und deren Vorteile.

Zirkuläre Ausblicke

Den Umgang mit peri­odisch wieder­keh­renden Holze­lementen aus Rück­bau­pro­jekten zeigte Ing. Peter Knei­dinger (mate­ri­al­no­maden GmbH) in seinem Vortrag "Rethink Holzbau". Ressour­cen­ströme aus der Demon­tage von Holz­bau­teilen bedürfen indus­tri­eller Struk­turen zur Wiederverwendung, wodurch die Produkt­ent­wick­lung beschleu­nigt werden kann. Dabei können die Kosten­treiber wie etwa die Rezer­ti­fi­zie­rung und Lager­hal­tung auf ein Minimum redu­ziert werden.

Ulla Unzeitig (Renowave) brachte dem Publikum die seri­elle Sanie­rung als effi­zi­enten und nachhaltigen Einstieg in die Zirku­la­rität näher. Vorgefertigte Fassaden- und Dach­ele­mente böten dabei vielerlei Vorteile gegen­über konventionellen Methoden.

Closed Loop Messages und Ausblick

Semi­nar­leiter Dr. Martin Weigl-Kuska schloss in seinem Resümee den Kreis, den er am Beginn der Tagung betreten hatte. Er ermu­tigte die Teilnehmenden dazu, die Zukunft durch "offen­sives Tun" zu gestalten und den bereits begon­nenen Weg der Umset­zung in der Praxis sowie im 1:1 Maßstab weiter­zu­gehen. Erste zirku­läre Produkte stehen an der Schwelle zur Normung und auch beste­hende ökolo­gi­sche Bewer­tungen können schon jetzt genutzt werden, um höhere Recy­cling­quoten umzu­setzen.

Das nächste Kreislaufforum Holz findet am 17. September 2026 in Wien statt.

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