Investorenprozess gescheitert Doering Glass schließt Werk in Radeburg

Doering Glass muss trotz intensiver Bemühungen seinen Standort in Radeburg aufgeben. Ein internationaler Investorenprozess brachte nicht die erhoffte Rettung für beide Werke des Flachglasherstellers – während Berlin weitergeführt wird, endet die Produktion in Sachsen.

Doering Glass hat sich mit renommierten Projekten wie dem East Side Tower in Berlin, dem Airport La Guardia in New York und dem Porsche Tower in Stuttgart einen Namen gemacht. - © Doering Glass/Screenshot: HMM

Das gerichtliche Sanierungsverfahren der Doering Glass am Amtsgericht Dresden führt zur Schließung des Werks in Radeburg zum 30. November 2025. Der eigenverwaltende Geschäftsführer Swen Graf teilte mit, dass keine Fortführungslösung für den Standort des Flach- und Isolierglasherstellers gefunden werden konnte. Das Unternehmen war aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Situation der vergangenen Jahre und weiterer Faktoren in die Krise geraten.

Die Eigenverwaltung hatte mit allen Mitteln auf eine Neuaufstellung des Glasspezialisten und eine langfristige Fortführungslösung für beide Standorte in Radeburg und Berlin hingearbeitet. Besondere Hoffnungen lagen auf einem strukturierten internationalen Investorenprozess.

Investorenprozess ohne Erfolg

"Wir haben darum gekämpft, durch einen frühzeitig eingeleiteten M&A-Prozess einen Investor zu finden und damit beide Standorte im Rahmen einer Gesamtlösung zu retten", sagt Graf. Trotz mehrerer Interessenten sei mit keinem der potenziellen Übernehmer ein entsprechender Abschluss erreicht worden. "Zu unserem großen Bedauern haben wir aber auch hier erleben müssen, wie sehr die Industrie und der Glasmarkt momentan unter Druck stehen", so der Geschäftsführer.

Für den Doering-Standort in Berlin läuft der Geschäftsbetrieb nach Unternehmensangaben uneingeschränkt weiter. Hier sei eine Fortführung über den laufenden Investorenprozess sichergestellt. Die Beteiligten zeigen sich zuversichtlich, in absehbarer Zeit eine Lösung mit neuen Eigentümern zu finden.

Mitarbeiter finden neue Beschäftigung

Die Kündigungen an die betroffenen Mitarbeiter in Radeburg hat das Unternehmen bereits ausgesprochen. Um die Folgen der Schließung zu mildern und den Betroffenen einen möglichst reibungsarmen Übergang zu ermöglichen, steht das Sanierungsteam mit anderen Unternehmen der Region in Verbindung. Für zahlreiche Mitarbeiter haben sich so bereits neue Angebote oder Anstellungen ergeben.

In den kommenden Wochen bis zur Schließung des Glaswerkes in Radeburg bearbeitet das Unternehmen den aktuellen Auftragsbestand. Auch neue Aufträge kann Doering Glass noch annehmen. Die Ausproduktion erfolgt bis voraussichtlich Ende Oktober. Als Erinnerung an den geschichtsträchtigen Betrieb fertigt das Unternehmen zudem noch eine Sonderscheibe für das Radeburger Heimatmuseum.

Krise durch globale Entwicklungen

Globale Krisen wie der Ukraine-Krieg und die Energiepreisentwicklung sowie Lieferkettenprobleme beeinträchtigten dem Unternehmen zufolge das Geschäft des Glasproduzenten erheblich. Ein schleichender Rückgang der Auslastung und Überkapazitäten waren die Folge.

Im vergangenen Jahr geriet Doering Glass durch hohe Energie- und Materialkosten sowie eine schwache Baukonjunktur in Verbindung mit Projektverzögerungen noch stärker unter Druck. Der entstandenen Liquiditätskrise war trotz frühzeitig eingeleiteter Sanierungsansätze außergerichtlich nicht mehr beizukommen. Das Unternehmen stellte daraufhin rechtzeitig einen Antrag auf ein gerichtliches Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung.

Das zuständige Amtsgericht Dresden gab dem Antrag statt und leitete Ende Mai 2025 für Doering Glass ein vorläufiges gerichtliches Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung ein. Das Unternehmen wird im Verfahren durch die beiden Generalbevollmächtigten Dr. Felix Melzer und Rechtsanwalt Dr. Alexander Höpfner von Act Legal unterstützt. Den internationalen Investorenprozess führt Abg Consulting-Partner. Im Sinne der Gläubiger überwacht Rechtsanwalt Prof. Dr. Christoph Alexander Jacobi von der Kanzlei Stapper | Jacobi | Schädlich Rechtsanwälte die gerichtliche Neuaufstellung.