Kreislaufwirtschaft Das Re-Zeitalter ist da

Der Werkstoff Glas in der Architektur steht vor einem Umbruch. Die Wertschöpfungskette mit Fertigung, Handel und Montage muss nach den Prinzipien von Re-Use, Remanufacturing und Recycling strukturiert werden. Jüngst erschien ein Merkblatt, das der Bundesverband Flachglas und der Fachverband Konstruktiver Glasbau sowie Wissenschaftler erarbeitet haben.

Demontierte Isoliergläser bilden die Basis für Re-Use, Remanufacturing und Recycling. - © Dirks

Welche Herausforderungen bringt die Kreislaufwirtschaft für alle Akteure in der Wertschöpfungskette mit sich? Wie können heutige Prozesse an die Erfordernisse von morgen angepasst werden, wo sind gänzlich neue Verfahren nötig? Auf Branchentagungen steht das Thema bereits seit einer ganzen Weile im Fokus. Inzwischen sind die ersten Produkte auf dem Markt gekommen, die explizit den CO2-Abdruck von Flachglas reduzieren.

Saint-Gobain hat mit Oraé ein Produkt ins Programm aufgenommen, das nach eigenen Angaben weltweit das CO2-ärmste Glas auf dem Markt ist. Das entspricht mit 6,64 Kilogramm CO2-Äquivalent je Quadratmeter (bezogen auf Cradle to Grave für vier Millimeter Glasstärke) einer Reduktion um 42 Prozent im Vergleich zum europäischen Basiswert von Saint-Gobain Glass für Standardglas.

Neuland erschließen

AGC und Pilkington haben ebenfalls Gläser mit reduziertem CO2-Anteil im Portfolio. Für deren Herstellung wird in der Regel ein Mix aus Frisch- und Recyclingmaterial sowie erneuerbaren Energien verwendet. Steigt der Marktanteil dieser Gläser, wovon Experten ausgehen, muss folglich auch das Volumen des Flachglasrecyclings steigen. Das allein wird eine große Herausforderung für die Branche in den kommenden Jahren.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Während Rücknahme und Recycling bereits seit Jahren etabliert sind und entsprechende Prozesse und Strukturen existieren, bedeutet Re-Use im Sinne der Kreislaufwirtschaft Neuland für alle Beteiligten. Recycling und Re-Use sind Teil der Kreislaufwirtschaft-Strategie, die in allen EU-Mitgliedsländern ausgerollt wird.

Verbände publizieren Merkblatt

Im Juni veröffentlichten der Bundesverband Flachglas und der Fachverband Konstruktiver Glasbau unter dem Titel Handlungsempfehlungen zur nachhaltigen Verwendung von Glasprodukten aus dem Bestand ein technisches Merkblatt. Es soll den Akteuren in der Praxis umfassende Orientierung zur ressourcenschonenden Wiederverwendung von Glas in der Baubranche bieten. Es beantwortet praxisnahe Fragen, enthält rechtliche Hinweise und wird durch eine Word-Vorlage zur Bestandsaufnahme ergänzt.

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