Deutschland, 30. April 2026, 15 Uhr: Rückfahrt von einem Kundentermin ins Büro. Es ist sonnig, anregendes Wetter, fast Vollmond. Ein Arbeitstag mitten in Deutschland am Tage vor dem Tag der Arbeit.
"In der Ukraine tobt weiter der Krieg, die Straße von Hormus schraubt die Spritpreise nach oben in Sphären, die sich grüne Politiker einst erhofften. Trotzdem sind die Straßen voller Blech.
Eigentlich ist noch nicht die klassische Feierabendzeit. Aber an den Kreuzungen staut es sich bereits jetzt lang. Die Vorfreude auf das lange Wochenende sinkt im Stau.
Natürlich leistet auch die Kommune ihren Beitrag, schließlich dienen Baustellen mit vielen rot-weißen Baken der Verengung der Fahrbahn und der Eröffnung neuer Räume für das Zweirad. Aber es sind halt mehr auf vier oder auf zwei Rädern gerade unterwegs als normal. Und schon ist der Knoten da.
Positiver Gedanke: die Gleitzeit wird genutzt oder die Arbeitszeitkonten. Alles prima vermutlich.
Auf vier Rädern und mit dem Handy am Ohr sind auch auffällig viele junge Männer mit Kinderwägen unterwegs oder erfrischen sich auf den vollen Terrassen der Eisdielen und Cafés.
Ob Elternzeit hier eine Signifikanz hat? Oder das HomeOffice bereits Schließzeit hatte? Alles gut, alles organisiert.
Eine andere Gruppe junger Menschen trabt fröhlich mit Bocciakugeln und Picknickdecken Richtung Park. Ein bisschen Neid kommt schon auf. Sicher sind es Studenten, die sich von der Vorlesung erholen dürfen. Völlig OK.
Und die Jogger gehören sicherlich zu irgendwelchen Frühschichten. Sympathische Leute alles. Vielleicht muss man den Blickwinkel ändern und dem Zeitgeist etwas abgewinnen. Lernfähig bleiben! Boomer und Generation Y nähern sich an. Neue Schnittstellen bergen Chancen.
Am Flussufer ein spannendes Bild: Beim flüchtigen und raschen Blick auch hier Publikum, das dem Bruttoinlandsprodukt eigentlich noch auf die Sprünge hätte helfen können. Gedankenkino ist manchmal eine Einbahnstraße. Und nur Wirtschaft im Kopf macht blind?
Die beiden Lebensmittelmärkte im Gewerbemischgebiet kurz vor der Rückkehr ins Büro präsentieren übervolle Parkplätze. Man deckt sich ein und hupt sich gegenseitig an. Konsum läuft.
Kurz nach der Wende 1989 erzählten bei einem Arbeitsbesuch in Thüringen die dortigen Kollegen: 'Wundern Sie sich nicht über so viel Publikum um diese Zeit in der Innenstadt. Viele organisieren ihre Erledigungen im Arbeitsalltag. Arzt oder Friseur – das muss ja sein. Das geht hier und da und ist normal.'
Und 2009 sollte Guido Westerwelle als Liberaler sagen: 'Erhalten wir die soziale Marktwirtschaft oder werden wir zu einer DDR light?'
Vor wenigen Tagen dann der Chef des italienischen Stahlkonzerns Feralpi, Giuseppe Pasini: "Deutschland war zwar einmal Industrieland Nummer eins, ist heute aber zunehmend für eine Work-Life-Balance-hungrige Gesellschaft bekannt."
Ab 16 Uhr kommen nun nach und nach unsere fleißigen Monteure von den Baustellen auf den Hof. Prima – regionales Handwerk zieht den Karren nach wie vor. Die Meister wünschen allen einen schönen 1. Mai! So geht Tag der Arbeit auch."
