Drei Unternehmen aus der Glasbranche bewerten die Weltleitmesse glasstec trotz digitaler Konkurrenz und veränderten Besucherverhaltens als unverzichtbar und geben einen Einblick in ihre Erwartungen und Herausforderungen.

Fachmessen stehen seit der Pandemie unter verstärktem Druck. Unternehmen hinterfragen ihre Budgets schärfer und prüfen Messebeteiligungen auf ihren konkreten Return on Investment. Reisebeschränkungen, Personalengpässe und steigende Kosten erschweren die Teilnahme für internationale Aussteller und Besucher. Dennoch bewerten drei Unternehmen der Glasbranche die glasstec in Düsseldorf weiterhin als zentrale Plattform für ihre strategischen Ziele.
Saint-Gobain setzt auf Tradition und globale Vernetzung
Für Christophe Schulz, Head of Marketing bei Saint-Gobain Glass Deutschland, hat das Ausstellen auf der glasstec Tradition. "Die glasstec ist seit vielen Jahren eine unserer wichtigsten Messen", sagt er. Bei einem eigenen Kundenabend und auf der Messe trifft Saint-Gobain seine direkten Kunden und nutzt die Veranstaltung zur Vorstellung von Neuheiten und zum Start neuer Kampagnen.
Die Messe erfülle zudem eine wichtige interne, integrative Funktion: "Hier kommen Mitarbeiter aus der globalen Gruppe zusammen und nutzen die Zeit neben Kundengesprächen auch fürs interne Networking." Das Besucherinteresse auf dem Stand sei auch in postpandemischen Zeiten nach wie vor hoch. Zuwächse seien derzeit vor allem aus Asien zu erwarten.
Schulz widerspricht Kritikern, die befürchten, die Messe entwickele sich zu sehr in Richtung einer Maschinenmesse. Saint-Gobain sehe, dass die glasstec redaktionell und mit Fachkonferenzen zu relevanten Themen wie nachhaltigem Bauen, Kreislaufwirtschaft und Digitalisierung sehr engagiert für die Branche arbeite. Mit der Sonderschau glass technology live biete sie jedem Besucher die Möglichkeit, in die Zukunft zu blicken.
Hegla betont wachsende internationale Bedeutung
Bernhard Hötger, CEO von Hegla, sieht eine wachsende Relevanz der Messe im internationalen Kontext. "Die glasstec ist für uns als Maschinenhersteller, mehr denn je, die Weltleitmesse der Glasbranche für die westliche Welt." China habe sich abgekoppelt und mit der China Glass eine eigene Plattform gefunden, um den Bereich Asia & Pacific zu bedienen.
Europäische Hersteller müssten mit ihrer Beratungs- und Service-Kompetenz dagegenhalten und mit technischen Neuerungen immer wieder die Trends setzen. "Auf der Messe stellen wir darum unsere Innovationen der vergangenen zwei Jahre vor, sodass jeder sehen kann, wohin sich das Handwerk und die Industrie entwickelt – Transparenz schafft Verlässlichkeit", betont Hötger.
Alle Entscheider aus der Glas- und Maschinenindustrie seien als Besucher und/oder Aussteller auf der glasstec vertreten. "Sie netzwerken, informieren sich und pflegen Beziehungen. Die Messestände ihrer verbundenen Kunden und Lieferanten dienen dabei als Ruhepunkte für ein Meet & Greet", so der Hegla-CEO. Spannend werde, wie sich Besuche aus Nordamerika entwickelten. Hötger rechnet damit, dass hauptsächlich Entscheider und Spezialisten mit gezieltem Interesse kommen werden. Die Reisen müssten sich geschäftlich lohnen - konkrete Technologien, Partnerschaften oder Entwicklungen stünden im Fokus.
Lisec beobachtet veränderte Besuchergewohnheiten
Oliver Pichler, CFO der Lisec Gruppe, sieht die Relevanz der Messe ähnlich: "Die glasstec ist nach wie vor die Weltleitmesse für die Glasverarbeitung." Die für das Unternehmen maßgeblichen Entscheider und wichtigsten Zielgruppen seien vor Ort - das hätten die vergangenen zwei Messen nach Corona gezeigt.
Lisec nutze die glasstec neben der Kundenpflege und dem Networking vor allem zur Präsentation von neuen Lösungen. Im Vertrieb stünden die Kundenkontakte zur Bestandskundenpflege oder Akquise im Mittelpunkt. "In Übereinstimmung mit unserer Innovationsstrategie zeigen wir bei der glasstec neben den relevanten Maschinendemonstrationen die neuesten Entwicklungen vor Ort und stellen unseren Auftritt immer unter ein spezifisches Messe-Motto, um unsere ganzheitliche Lösungskompetenz zu präsentieren", berichtet Pichler.
Da auf der Messe meistens nur ein bis zwei Maschinenschwerpunkte live gezeigt werden können, bilde Lisec den Rest seiner "all.in.one:solutions" digital bzw. virtuell ab. "Messen sind im digitalen Zeitalter sicherlich nicht mehr die einzigen bzw. Hauptinformationsquellen für Interessenten", erläutert Pichler.
Besucher kommen mit konkreten Agenden
Auch beim konkreten Verhalten der Besucher beobachtet Pichler Veränderungen: "Wir merken, dass die Besucher meistens mit konkreten Agenden auf die Messe kommen, gezielt nach Informationen suchen oder sich schon vorab informieren." Viele fixieren bereits im Vorfeld Termine mit entsprechenden Ansprechpartnern, um die Zeit vor Ort gut zu nutzen. Spontane Messebesuche seien eher selten geworden.
Zudem wollen die Messebesucher laut Pichler die Zeit effizienter nutzen und sind nicht mehr so lange vor Ort. Für Lisec bedeute das, dass bereits in der Vorbereitung relevante Informationen gut für die Kunden abrufbar sein müssen. Die Besucher-Journey von der Bewerbung der Messe über den Besuch vor Ort bis zur Nachbereitung werde möglichst hochwertig und auf die Bedürfnisse abgestimmt gestaltet.
Die glasstec findet vom 20. bis zum 23. Oktober 2026 in Düsseldorf statt und bringt nach Veranstalterangaben internationale Entscheider, alle Bereiche der Glasbranche und die Forschung zusammen.


