B+L Sanierungsstudie 2020 Anstieg von Maßnahmen und Eigenleistung bei Sanierungen

Die Bauwirtschaft in Deutschland ist bisher besser durch die Krise gekommen als andere Branchen. Das sagt die B+L Sanierungsstudie 2020, die das Bonner Marktforschungsinstitut Anfang November 2020 via Web Meeting präsentierte.

Anfang November stellte das Bonner Marktforschungsinstitut die aktuelle B+L Sanierungsstudie 2020 vor. - © Silvia Hille

Die Bestandsmaßnahmen im laufenden Jahr 2020 haben sich danach positiver entwickelt als der Neubau. Während in den vergangenen Jahren begrenzte Verarbeiterkapazitäten und aufgeschobene Sanierungsprojekte zu konstatieren waren, scheint nun Bewegung in die Erneuerung zu kommen. So ist die Maßnahmenhäufigkeit bei Badsanierungen im Vergleich zur Studie 2018 um sieben Prozent gestiegen; Anstiege gebe es ebenfalls bei der Sanierung von Dachfenstern oder dem Heizungstausch.

Veränderte Sanierer-Zielgruppe

Der Sanierungsmarkt ist in Bewegung, wie sich nicht nur anhand der Maßnahmenhäufigkeit, sondern auch an den Veränderungen der Sanierer-Zielgruppen zeigt. "Mit der aktuellen Sanierungsstudie setzt sich ein Trend fort, der 2016 begann. Die Zielgruppe der Sanierer aus der Generation der Babyboomer gewinnt an Bedeutung", sagt Studienautor Marcel Dresse. "Wie die Ergebnisse zeigen, hat sich die Altersstruktur der Sanierer gewandelt." Damit gingen weitreichende Veränderungen einher, was die gewählten Produkte, die Nutzung von Beratungsleistungen und konkrete Maßnahmen betrifft.

Seit sechs Jahren ist der Anteil der Sanierer, die älter als 45 Jahre sind, von 39,7 Prozent (2014) auf 60,8 Prozent (2020) gestiegen. Während im Jahr 2014 die jüngere Zielgruppe der Käufer und Sanierer von Bestandsimmobilien die primäre Zielgruppe im Bereich der privaten Sanierungsmaßnahmen war, sind aktuell ältere Eigenheimbesitzer die zentralen Akteure am Sanierungsmarkt. Sie sanieren im Schwerpunkt nicht in Zusammenhang mit dem Kauf einer Immobilie, sondern aufgrund von Verschleiß. Oder sie erhöhen mit den Maßnahmen den Wohnkomfort und schaffen Barrierefreiheit für den nächsten Lebensabschnitt.

Anstieg der Eigenleistung

Obwohl die älteren Zielgruppen tendenziell häufiger Komplettleistungen aus Beratung, Produkt und Einbau nachfragen, nehmen ausweislich der aktuellen B+L Sanierungsstudie Eigenleistungen zu. Die Covid 19-Pandemie habe dazu geführt, dass mehr Zeit zu Hause verbracht und auf Urlaube verzichtet wurde. Wege zur Arbeit seien durch HomeOffice entfallen, den Urlaub im eigenen Garten nutzten Eigenheimbesitzer, indem sie selbst Hand an die reparaturbedürftige Immobilie legten. Die Reduzierung von Kontakten und fremden Besuchern führte zu geringerer Auftragsvergabe an Profibetriebe. Entsprechend hätten Baumärkte vom Trend hin zu mehr Eigenleistung profitiert und ihre Umsätze in vielen Bereichen deutlich gesteigert. Bestandsmaßnahmen im privaten Wohnbau sind damit der Gewinner im Corona-Jahr 2020. Nach Einschätzung von B+L werde sich dies kommendes Jahr fortsetzen.

Studie seit 2010

Die B+L Sanierungsstudie hat in diesem Jahr insgesamt 22 Maßnahmen beziehungsweise Gebäudeteile detailliert untersucht. Darunter waren erstmals die Installation von SmartHome-Lösungen, der Austausch von Rohren/Leitungen und die Aufstockung von Gebäuden. Die Sanierungsstudie erscheint alle zwei Jahre und kam im Jahr 2010 auf den Markt. Insgesamt befragten die Autoren 1.062 private Sanierer online zu den umgesetzten Maßnahmen, Budgets, Informationsquellen, etc.. Eine telefonische Befragung von Unternehmen der Wohnungswirtschaft (Deutsche Wohnen, Vonovia, LEG Immobilien, etc.) ist die Datenbasis für die ergänzenden Informationen zur Sanierungsaktivität der deutschen Wohnungswirtschaft. Die Studie ist auf der Webseite www.bl2020.com/DE/shop/renovation von B+L erhältlich.